Notre Dame

Das Drama Notre Dame und (m)eine doppelte Fassungslosigkeit

Die pariser Brandkatastrophe dürfte jeden, der auch nur ein wenig Gespür für die Historie solcher Baudenkmäler besitzt, fassungslos, traurig bewegt und mit Gänsehaut auf die Feuerruinen des Notre Dame blicken lassen. Doch gänsehauttreibend ist auf eine andere Weise auch, dass innerhalb nur weniger Stunden ein Spendenaufkommen in Höhe von 800 Millionen Euros für den Wiederaufbau dieses Gebäudes aus dem Nichts zur Verfügung stand. Dabei spendeten zwei Familien jeweils 100 Millionen Euro!?

Noch einmal zum Mitschreiben: Innerhalb von knapp 48 Stunden stehen nach einem Katastrophenfall, bei dem kein Mensch zu Schaden kam, aus dem Nichts 800 Millionen Euros zu Verfügung!?

Wir  dürfen also hoffen, dass diese potenten SpenderInnen fortan auch  nach Naturkatastrophen, wie beispielsweise in Mozambique, Haiti oder New Orleans, in deren Folge viele Menschen um ihr Überleben kämpfen müssen, in gleicher Weise so schnelle und üppige Spenden zum Wiederaufbau zur Verfügung stellen und sie künftig den sozial Gestrandeten im eigenen Land tatkräftig unter die Arme greifen werden…..oder ist das etwas anderes?

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Bienen,Landwirtschaft

Bayern rettet die Bienen und die Bundesrepublik schaut zu?

Etwas überraschend plant die bayrische Regierungskoalition aus CSU und Freien Wählern das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ direkt in handfestes Recht zu überführen. Ohne eine Änderung des als Gesetzesentwurf formulierten Begehrens, welches etwa 1,75 Million Menschen unterstützen, soll dieses künftig verbindlich für Landwirte und Landesregierung gelten und so die Artenvielfalt retten.

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Fleisch,Lancet-Studie,Landwirtschaft,Lebensmittelpreis

Wenn Lebensmittelpreise „ehrlich“ wären…

Dass Lebensmittel, insbesondere tierische, viel zu billig verkauft werden, ist mittlerweile wohl den Allermeisten bewusst. Die Uni Augsburg hat kürzlich berechnet, wie viel zu billig. Unter Einbezug von Treibhausgas-Ausstoß, Stickstoffeinsatz und Energieverbrauch wurden die externen Kosten von Lebensmitteln ermittelt und sowohl in eine Steigerung des Erzeugerpreises als auch des Verbraucherpreises umgerechnet.

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Fridays for Future“ – Steinmeier gibt die Richtung vor

Student der Gesellschaftswissenschaften an der RWTH-Aachen

Nun also auch der Bundespräsident…

Nachdem sich bereits einige deutsche Politikerinnen und Politiker positiv über die „Fridays for Future“-Bewegung geäußert haben, springt jetzt auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier den Jugendlichen zur Seite. Anders als einige prominente Beispiele, spricht er nicht über die versäumten Schulstunden oder eine eventuelle Fremdsteuerung der Bewegung als Teil hybrider Kriegsführung. Viel wichtiger sind ihm die Würdigung des politischen Engagements der Schülerinnen und Schüler sowie die Hervorhebung der Relevanz ihres Anliegens. Wie er betont, sei es in puncto Klimawandel fünf vor zwölf. Steinmeier hilft so den Jugendlichen ihre Proteste zu legitimeren und gibt der deutschen Politik die Richtung vor: Nicht kleinlich kritisieren, sondern unterstützen!
Wie der Bundespräsident sehr wohl wissen wird, ist es in Sachen Klima bereits fünf nach zwölf. Hoffentlich verleiten seine Worte die Jugendlichen dazu, mit noch mehr Nachdruck auf das Thema aufmerksam zu machen, um so die Politik davon zu überzeugen, sich endlich aus vermeintlichen Sachzwängen zu befreien und das politische Engagement der zukünftigen Wählerinnen und Wähler mit neuen Initiativen sowie ambitionierteren Handlungen zum Klimaschutz zu belohnen.

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Interview mit Niklas Luhmann

Pexels / Pixabay

N. Voth, Stud. der RWTH-Aachen

Die Gesellschaft ist geprägt durch viele Faktoren und eine Menge Soziologen haben versucht, diese Faktoren auf einen Entscheidenden zu reduzieren. Peter Groß und seine „Multioptionsgesellschaft“, die Konkurrenz- oder Wettbewerbsgesellschaft von Dietmar J. Wetzel, die Erlebnisgesellschaft, die Risikogesellschaft u.v.m.. Niklas Luhmann würde die Rolle der Differenzierung aus all diesen Gesellschaftsdiagnosen ableiten, weil er annimmt, unsere gesamte Wahrnehmung beruhe auf Differenzierung. Differenzierung ist eine Unterscheidung, die ein Akteur Luhmann – Akteur in jedem Bewusstseinszustand unternimmt. Nach langer Verhandlung mit Jesus und Gandhi, wegen denen ich nun dreimal den Planeten retten muss, konnte ich sie erweichen Luhmann heute in unserer Show erscheinen zu lassen.

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Gedankenspiel: Aachen, hier ist besetzt.

Manne 1409 / pixabay

N. Voth: Stud. RWTH-Aachen

Wilde Graffitis mit politischen Parolen, selbstgezimmerte Fenster. Mit einem Knopfdruck auf die Hausklingel, der nichts als Stille offenbart. Mit diesen Attributen kann man das einzige besetzte Haus in Aachen beschreiben. Es mag unbewohnt erscheinen, doch das laute Bellen, welches aus der zweiten Etage dröhnt, widerspricht dem Anschein. Was hat es damit auf sich, mit diesem geheimnisvollen Haus?

Zugang bekommen nur Freunde… Oder Reporter, die stundenlang klopfen, rufen und friedliche Absichten bekunden. Kein Wunder. Denn betreten geschieht hier auf eigene Gefahr und dort leben sowieso. Die Wände bröckeln auseinander, im Erdgeschoss dringt der Geruch von Baustelle und Schimmel in die Nase, Stücke der maroden Decke und der einst stilvollen Hausfassade liegen auf dem Boden verteilt. Was dieses Haus noch zusammenhält sind die vier Besetzer, oder auch: die vier Säulen des Hauses.

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Gedankenspiel: Deutsche Wirtschaftshilfe in der Türkei

Geralt / Pixabay

Stefan Mingers, Stud. der Gesellschaftswissenschaften an der RWTH-Aachen

2018 reiste Bundeswirtschaftsminister Peter Altmeier mit einer Reihe deutscher Wirtschaftsgrößen in die Türkei. Ziel dieses Besuchs war es, die schwierigen Beziehungen zwischen Ankara und Berlin zu verbessern und gleichzeitig dazu beizutragen die wirtschaftliche Lage in der Türkei zu beruhigen.

Zwar machte im Rahmen der Reise vor allem das beschlossene Bahnprojekt in einer Größenordnung von 35 Milliarden Euro von sich reden, doch der eigentliche wirtschaftliche Zweck wird gewesen sein, in einem Klima der wirtschaftlichen Ver-unsicherung ein deutliches Zeichen zu setzen: Die deutsche Wirtschaft sucht weiterhin intensiven Kontakt in die (mit?) Türkei und möchte andere Investoren ermuti-gen es ihr gleich zu tun, um so die ökonomische Lage im Land zu stabilisieren. Schließlich befindet sich die türkische Wirtschaft aktuell im Sturzflug.

Man könnte sagen, dass es die Bundesregierung ehrt, nach jahrelangen Grabenkämpfen mit der Türkei nicht nachtragend zu sein und den Kurs in Richtung einer Normalisierung der Beziehungen auch mit Hilfe wirtschaftlicher Hebel fortsetzen zu wollen. Neben der Frage, wie wünschenswert diese Normalisierung überhaupt ist, sollte man sich auch fragen, ob es hier überhaupt um eine wie auch immer geartete Versöhnungspolitik oder auch die bloßen Interessen der deutschen Wirtschaft geht.

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