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Der Resilienzbegriff

… und wie wir regionale Resilienz verstehen

Während im Wissenschaftsbetrieb der Begriff Resilienz (lat. resilire  = ab-, zurückspringen‘ oder ‚abprallen‘) eine breite Verwendung erfährt, ist er einem überwiegenden Teil der Bevölkerung wie auch  vielen Akteuren in Wirtschaft und Politik wenig zugänglich.

Zunächst fand  der Begriff in den Material-, Natur- und Ingenieurswissenschaften und dann  in der Stadtentwicklung wie auch im Katastrophenschutz Anwendung. Mit Resilienz ist die Widerstandsfähigkeit eines beliebigen Systems gegen eine Störung gemeint. Resiliente Systeme kollabieren nicht, sondern haben die Fähigkeit sich zu regenerieren. Im Fokus dieser Forschungsbereiche steht die Frage, wie Materialien, technische Systeme, aber auch Ökosysteme widerstandsfähiger  d.h. resilienter gegen äußere Störungen und Einflüsse entwickelt werden und wie sie möglichst schnell und unbeschadet wieder in ihre Ausgangssituation, vor Eintritt der Störung, zurückfinden können.

Dieser Untersuchungsansatz fand auch in der Psychologie Anwendung. Hier beschreibt Resilienz die Fähigkeit des Menschen, sich nach persönlichen Krisen und traumatischen Erlebnissen seelisch zu stabilisieren. Die Frage, warum manche Menschen äußere Störungen seelisch besser verkraften und belastbarer sind als andere Menschen mit gleichen Krisenerlebnissen, steht bei diesem Untersuchungsansatz im Fokus. Auf Grundlage der psychologischen Resilienzanalyse werden Strategien bzw. Therapien entwickelt, die Patienten gegen äußere Belastungen und Krisen widerstandsfähiger machen sollen. Persönliche Krisen sollen nicht nur schneller überwunden werden, im Idealfall werden diese nicht mehr als Lebenskrise wahrgenommen und können somit sogar vermieden werden.

Die politisch-ökonomische Resilienz, die wir mit unserem regionalpolitischen Ansatz mitbegründen möchten, baut methodisch auf diesen grob skizzierten Resilienz-Ansätzen auf.

Mit einem signifikanten Unterschied:  Wir streben die Entwicklung eines Resilienz-Konzeptes an, das sich nicht nur als Reaktionsstrategie auf etwaige Krisen versteht und  lediglich darauf ausgerichtet ist, möglichst schnell wieder in den Ausgangszustand der Region vor Einbrechen einer möglichen Krise zurückzukehren. Es geht uns nicht vorrangig um regionale Regenerations- bzw. Stabilisierungsmaßnahmen im Fall auftretender Krisen. Die zu erwartenden Krisen in den Bereichen Wirtschaft, Gesellschaft und Umwelt werden unseres Erachtens in ihrer Dimension möglicherweise zu vielschichtig, disruptiv und zu stark miteinander verzahnt sein, um ihr Auftreten abwarten zu können und erst dann Maßnahmen zu ihrer Bewältigung einzuleiten.

Beispiele für sich andeutende Krisen sind wachsende Umweltprobleme, sich verknappende Ressourcen, wirtschaftliche Fehlentwicklungen und nachfolgende sozialen Spaltungen, demokratiefeindliche Monopolbildungen und Machtkonzentrationen sowie zunehmende Politikverdrossenheit. Angesichts dessen zielen wir auf die Entwicklung einer Resilienzstrategie, die etwaige und miteinander verflochtene Krisen schneller überwinden und  vermeiden hilft.

Darüber hinaus interpretieren wir regionale Resilienz insbesondere auch als politische Befähigung, Veränderungsprozesse als Chance zur gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Erneuerung wahrzunehmen und zielgerichtet anzustoßen.

In Verbindung mit innovativen, nachhaltigen gesellschafts-, umwelt- und wirtschaftspolitischen Flankierungen und Zielsetzungen, die wir gemeinsam mit unseren Partnern für die regionale Ebene entwickeln wollen,  möchten wir dazu beitragen, die Öffentlichkeit für Resilienz-erfordernde Veränderungen zu sensibilisieren und entsprechende Konzepte zur Risikovermeidung und auch Chancennutzung zu entwickeln.

Die kontinuierliche Überprüfung und Korrektur dieses Transformationsprozesses  sind zentrale Bausteine unserer wissenschaftlichen Arbeit. Wir verstehen Resilienz somit als fortlaufenden visionären Prozess, der von einem gemeinsamen und konstruktiven Lernen geprägt ist. Dem Bottom-up-Ansatz folgend, können unsere regionalen Zielsetzungen und Strategien in die landes- und bundespolitische Ebene übersetzt und u.a. über das Instrument der Städtepartnerschaften in den durch die SDGs  (Sustainable Development Goals) gerahmten, internationalen Nachhaltigkeitsprozess eingebunden werden.