
Raphaela Kell: Circular Economy ist kein Materialproblem, sondern ein Komplexitätsproblem
Warum die größte Chance regionaler Wirtschaftsentwicklung nicht an fehlenden Technologien, sondern an fehlender Koordination scheitert
Wenn heute über die wirtschaftliche Zukunft von Regionen diskutiert wird, dominieren Themen wie Künstliche Intelligenz, Wasserstoff, Digitalisierung oder die Energiewende. Die Kreislaufwirtschaft erscheint dagegen häufig als Randthema der Umweltpolitik – wichtig für Ressourcenschutz und Abfallvermeidung, aber selten als strategischer Hebel regionaler Wirtschaftsentwicklung.
Genau darin könnte jedoch einer der größten Denkfehler unserer Zeit liegen.
Denn die Circular Economy ist weit mehr als ein Instrument des Umwelt- und Klimaschutzes. Richtig verstanden besitzt sie das Potenzial, gleich mehrere der drängendsten Herausforderungen unserer Zeit gleichzeitig zu adressieren: Sie kann Regionen unabhängiger von volatilen Rohstoffmärkten machen, neue industrielle Wertschöpfung schaffen, Innovationskraft fördern, Lieferketten resilienter gestalten, die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen stärken und gleichzeitig einen entscheidenden Beitrag zur Bewältigung der Klima-, Ressourcen- und Abfallkrisen leisten.
Kaum ein anderes wirtschaftliches Zukunftskonzept vereint ökologische und ökonomische Chancen in vergleichbarer Weise.
Und dennoch kommt der Übergang zu einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft deutlich langsamer voran, als es angesichts dieser Potenziale zu erwarten wäre.
Dabei mangelt es keineswegs an Ideen.
Noch nie wurde so intensiv an kreislauffähigen Produkten, innovativen Recyclingverfahren, digitalen Materialpässen, Produktpässen, neuen Geschäftsmodellen oder datenbasierten Stoffstromanalysen geforscht wie heute. Unternehmen entwickeln beeindruckende Technologien, Hochschulen generieren kontinuierlich neues Wissen, Start-ups bringen innovative Lösungen auf den Markt und auf europäischer wie nationaler Ebene entstehen ambitionierte Strategien und Förderprogramme.
Trotzdem bleibt vielerorts der Eindruck bestehen, dass die Vielzahl dieser Innovationen bislang nicht die Dynamik entfaltet, die notwendig wäre, um eine echte wirtschaftliche Transformation auszulösen.
Warum ist das so?
Nach mehreren Jahren wissenschaftlicher Beschäftigung mit der Kreislaufwirtschaft drängt sich mir eine Erkenntnis immer stärker auf:
Vielleicht stellen wir die falsche Frage.
- Wir fragen meist, welche Technologien noch fehlen.
- Welche Materialien verbessert werden müssen.
- Welche Recyclingverfahren effizienter werden können.
- Welche digitalen Werkzeuge wir zusätzlich benötigen.
Doch möglicherweise liegt die eigentliche Herausforderung an einer ganz anderen Stelle.
- Vielleicht ist die Kreislaufwirtschaft gar kein Material- oder Technologieproblem.
- Vielleicht ist sie vor allem ein Komplexitätsproblem.
Dieser Perspektivwechsel verändert den Blick auf die gesamte Debatte.
Denn wenn diese These zutrifft, reicht es nicht aus, immer neue Technologien zu entwickeln oder weitere Forschungsprojekte zu initiieren. Dann müssen wir uns stärker mit der Frage beschäftigen, wie eine Region die Vielzahl ihrer Akteure, Stoffströme, Infrastrukturen und Entscheidungsprozesse überhaupt so organisieren kann, dass aus vielen guten Einzelideen ein funktionierendes Gesamtsystem entsteht.
Um zu verstehen, weshalb dies so bedeutsam ist, lohnt sich zunächst ein Blick darauf, wie Innovation in den meisten Bereichen unserer Wirtschaft entsteht.
Dort folgt sie häufig einem vergleichsweise einfachen Muster: Ein Unternehmen entwickelt ein besseres Produkt, findet Kundinnen und Kunden, und der Markt sorgt – vereinfacht gesprochen – für dessen Verbreitung. Natürlich geschieht auch dieser Prozess nie völlig automatisch. Wettbewerb, Investitionen und politische Rahmenbedingungen spielen eine wichtige Rolle. Dennoch basiert das Grundprinzip auf einer vergleichsweise direkten Beziehung zwischen Angebot und Nachfrage.
Genau dieses Denkmuster übertragen wir häufig unbewusst auch auf die Kreislaufwirtschaft.
- Wir entwickeln bessere Recyclingtechnologien.
- Wir digitalisieren Materialinformationen.
- Wir optimieren Produktdesigns.
- Wir schaffen neue Geschäftsmodelle.
- Und wir gehen häufig davon aus, dass sich daraus mit der Zeit nahezu automatisch eine funktionierende Circular Economy entwickeln wird.
Doch genau an dieser Stelle beginnt das eigentliche Missverständnis. Denn wir behandeln die Kreislaufwirtschaft häufig wie einen Markt.
Tatsächlich entwickelt sie sich jedoch viel eher wie ein Ökosystem. Und Ökosysteme entstehen nicht dadurch, dass einzelne Arten besonders erfolgreich sind. Sie entstehen durch Beziehungen. Nicht durch die Stärke einzelner Elemente, sondern durch ihr Zusammenspiel.
Vielleicht gilt genau das auch für die Kreislaufwirtschaft.
Warum Kreislaufwirtschaft kein Produkt, sondern ein Innovationsökosystem ist
Genau an diesem Punkt unterscheidet sich die Kreislaufwirtschaft grundlegend von vielen anderen Innovationsfeldern.
Ein Unternehmen kann eine neue Maschine entwickeln. Es kann eine Software programmieren, eine Batterie verbessern oder ein neues medizinisches Verfahren zur Marktreife bringen. Auch wenn dafür häufig Kooperationen notwendig sind, liegt die eigentliche Innovationsleistung zunächst bei einem einzelnen Akteur. Gelingt es, ein überzeugendes Produkt zu entwickeln, kann der Markt seine Verbreitung übernehmen.
Die Kreislaufwirtschaft funktioniert jedoch nach einer anderen Logik.
Sie entsteht nicht in einem Unternehmen – Sie entsteht zwischen Unternehmen!
Genauer gesagt: zwischen Unternehmen, Kommunen, Forschungseinrichtungen, Genehmigungsbehörden, Entsorgungsunternehmen, Investoren, Wirtschaftsförderungen, Handwerksbetrieben, Planungsbüros und vielen weiteren Akteuren, die bislang häufig nur lose miteinander verbunden sind.
Eine kreislauffähige Innovation entfaltet ihren Nutzen nämlich erst dann, wenn zahlreiche weitere Voraussetzungen gleichzeitig erfüllt sind.
Ein innovativer Baustoff aus Sekundärmaterialien oder regenerativen Ausgangsmaterialien wird sich kaum etablieren, wenn Architekturbüros ihn nicht kennen oder öffentliche Ausschreibungen ihn nicht berücksichtigen. Selbst wenn Interesse besteht, können fehlende Normen oder Genehmigungsverfahren seine Anwendung erschweren. Hersteller investieren wiederum nur dann in neue Produktionsverfahren, wenn ausreichend Nachfrage besteht. Gleichzeitig entsteht diese Nachfrage häufig erst, wenn geeignete Produkte verfügbar sind.
Ähnliche Wechselwirkungen finden sich nahezu überall in der Kreislaufwirtschaft.
Eine hochmoderne Recyclinganlage benötigt verlässliche Stoffströme, bevor sich Investitionen rechnen. Materialpässe entfalten ihren Wert erst dann, wenn ihre Informationen von Unternehmen, Behörden und Planenden tatsächlich genutzt werden. Digitale Datenräume bleiben wirkungslos, wenn niemand die Daten in konkrete Kooperationen übersetzt. Innovative Start-ups finden selbst mit überzeugenden Technologien häufig keinen geeigneten Standort, wenn ihnen regionale Unternehmensnetzwerke, Pilotkunden oder passende Infrastrukturen fehlen.
Mit jeder zusätzlichen Innovation wächst deshalb nicht nur die Zahl der Möglichkeiten – sondern auch die Zahl der gegenseitigen Abhängigkeiten.
Genau darin liegt die eigentliche Komplexität der Circular Economy.
Je erfolgreicher einzelne Akteure innovieren, desto wichtiger wird die Koordination zwischen ihnen.
Diese Erkenntnis führt zu einem Perspektivwechsel.
Die entscheidende Innovation der Kreislaufwirtschaft besteht nicht allein in neuen Materialien, digitalen Werkzeugen oder Recyclingverfahren. Sie besteht darin, diese Bausteine zu einem funktionierenden regionalen Gesamtsystem zusammenzuführen. Aber das geschieht nicht wie von Geisterhand geführt, sondern bedarf einer koordinierenden Institution, die regionale Wertschöpfungsnetzwerke plant und organisiert. Gerade für das Abpassen von Bedarf und Angebot bei regionale anfallenden und erforderlichen Stoffströme und Materialangeboten braucht es digitale Matchingplattformen, damit Anbieter und Nachfrageseite rechtzeitig zusammenfinden.
Wir sprechen im Kontext mit regionaler Wirtschaftsentwicklung häufig von Wertschöpfungsketten. Tatsächlich haben wir es jedoch zunehmend mit Wertschöpfungsnetzwerken zu tun – dynamischen Gefügen aus Unternehmen, Forschung, Verwaltung und Infrastruktur, deren Leistungsfähigkeit von der Qualität ihrer Beziehungen abhängt – und Netzwerke bilden sich selten automatisch, sondern müssen gezielt aufgebaut werden.
Vielleicht erklärt gerade dieser Unterschied, weshalb sich die Kreislaufwirtschaft bislang vielerorts langsamer entwickelt als erwartet. Denn wir versuchen häufig, einzelne Zahnräder immer weiter zu perfektionieren, wundern uns jedoch darüber, dass die Maschine als Ganzes nicht in Bewegung kommt.
Die Zahnräder sind vielerorts längst vorhanden. Es fehlen jedoch häufig die Verbindungen zwischen ihnen.
Oder, um das Bild vom Beginn dieses Beitrags aufzugreifen: Wir behandeln die Kreislaufwirtschaft noch immer wie einen Markt. Tatsächlich entwickelt sie sich jedoch wie ein Ökosystem. Und Ökosysteme wachsen nicht dadurch, dass einzelne Arten besonders erfolgreich sind. Sie wachsen, weil Beziehungen entstehen, sich stabilisieren und immer neue Wechselwirkungen hervorbringen.
Genau diese Beziehungen bilden letztlich auch das Fundament einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft.
Warum der Markt allein die Kreislaufwirtschaft nicht organisieren kann
An dieser Stelle entsteht häufig ein Missverständnis.
Wer darauf hinweist, dass die Kreislaufwirtschaft stärker koordiniert werden muss, gerät schnell in den Verdacht, die Leistungsfähigkeit von Märkten infrage zu stellen oder allzu stark in den Leitplanken einer „Planwirtschaft“ agieren zu wollen. Tatsächlich ist jedoch das Gegenteil der Fall.
Märkte gehören zu den leistungsfähigsten Mechanismen, die wir kennen, wenn es darum geht, Angebot und Nachfrage effizient zusammenzuführen, Innovationen hervorzubringen und Ressourcen produktiv einzusetzen. Viele technologische Durchbrüche der vergangenen Jahrzehnte wären ohne unternehmerische Initiative, Wettbewerb und Investitionsbereitschaft kaum denkbar gewesen.
Die Besonderheit der Kreislaufwirtschaft besteht deshalb nicht darin, dass Marktmechanismen versagen. Sie besteht darin, dass sie auf Voraussetzungen angewiesen ist, die Märkte allein nur begrenzt oder zeitlich stark verzögert hervorbringen können.
Denn die Circular Economy ist kein linearer Marktprozess. Sie ist ein Netzwerk aus zahlreichen voneinander abhängigen Entscheidungen, die zum Teil zeitgleich ablaufen müssen, damit das Räderwerk ineinandergreifen kann und beispielsweise Angebote und Nachfrage nach recycelten Materialien oder Produkten nicht aneinander vorbeilaufen.
Ein Unternehmen investiert in neue Recyclingtechnologien nur dann, wenn ausreichende Stoffströme verfügbar sind. Diese Stoffströme entstehen jedoch häufig erst durch neue Sammelsysteme, veränderte Produktdesigns oder kommunale Infrastruktur. Hersteller kreislauffähiger Produkte investieren wiederum erst dann in neue Produktionsverfahren, wenn sie auf einen verlässlichen Markt für Sekundärmaterialien vertrauen können. Gleichzeitig wächst dieser Markt erst, wenn genügend Unternehmen bereit sind, entsprechende Materialien einzusetzen. Öffentliche Auftraggeber schaffen Nachfrage, benötigen dafür aber geeignete Produkte, belastbare Qualitätsstandards und Rechtssicherheit.
Jeder Akteur wartet gewissermaßen darauf, dass sich auch andere bewegen.
Ökonominnen und Ökonomen sprechen in solchen Fällen von Koordinationsproblemen. Die Entscheidung eines einzelnen Akteurs hängt wesentlich davon ab, welche Entscheidungen andere Akteure treffen. Für die Kreislaufwirtschaft ist genau diese Situation charakteristisch.
Deshalb erinnert ihr Aufbau weniger an die Einführung eines neuen Produkts als an den Aufbau einer gemeinsamen Infrastruktur.
Niemand würde erwarten, dass ein funktionierendes Schienen-, Strom- oder Glasfasernetz ausschließlich durch voneinander unabhängige Einzelentscheidungen entsteht. Solche Systeme benötigen gemeinsame Zielbilder, langfristige Investitionen, abgestimmte Standards und Institutionen, die ihre Entwicklung koordinieren. Die Kreislaufwirtschaft weist überraschend viele Gemeinsamkeiten mit solchen Infrastrukturen auf.
Auch sie entfaltet ihren gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Nutzen erst dann, wenn zahlreiche Bausteine gleichzeitig vorhanden sind und dauerhaft ineinandergreifen.
Genau deshalb wird die organisatorische Dimension der Transformation häufig unterschätzt.
Während wir erhebliche Ressourcen in die Entwicklung neuer Technologien investieren, beschäftigen wir uns vergleichsweise selten mit der Frage, wie die Vielzahl dieser Innovationen überhaupt in funktionierende regionale Wertschöpfungssysteme übersetzt werden kann, d.h. wie der Wissenstransfer kontinuierlich und vielleicht auch schon einmal jenseits von Patentrechten professionalisiert werden kann.
Dabei ist genau dies die eigentliche Herausforderung. Die entscheidende Ressource der Kreislaufwirtschaft ist deshalb nicht allein Kunststoff, Stahl, Beton oder Lithium. Sie ist die Fähigkeit einer Region, die Beziehungen zwischen ihren Akteuren dauerhaft zu organisieren.
Damit verändert sich auch der Blick auf Innovation selbst. Innovation besteht nicht mehr ausschließlich darin, etwas Neues zu erfinden.
Innovation bedeutet zunehmend auch, neue Formen der Zusammenarbeit zu ermöglichen.
Gerade in der Kreislaufwirtschaft entscheidet sich der Erfolg deshalb weniger an der Qualität einzelner Technologien als an der Qualität der Beziehungen zwischen den Menschen und Institutionen, die diese Technologien entwickeln, anwenden, finanzieren, regulieren und miteinander verbinden. Je komplexer ein Innovationssystem wird, desto wichtiger wird seine Fähigkeit zur Selbstorganisation.
Und genau hier beginnt die eigentliche Zukunftsaufgabe regionaler Entwicklungspolitik.
Die eigentliche Zukunftsfrage lautet: Wer organisiert die Transformation?
Wenn die Kreislaufwirtschaft tatsächlich weniger einem klassischen Markt als einem regionalen Innovationsökosystem gleicht, dann drängt sich zwangsläufig eine weitere Frage auf:
Wer sorgt eigentlich dafür, dass dieses Ökosystem entsteht?
Erstaunlicherweise wird genau diese Frage in der Circular-Economy-Debatte bislang nur selten gestellt.
Wir diskutieren intensiv über neue Materialien, Recyclingtechnologien, digitale Produktpässe oder innovative Geschäftsmodelle. Wir investieren erhebliche Mittel in Forschung, fördern Reallabore und unterstützen Unternehmen bei der Entwicklung zirkulärer Innovationen.
- Doch wer übernimmt die Aufgabe, all diese Bausteine dauerhaft miteinander zu verbinden?
- Wer identifiziert neue regionale Stoffstrompotenziale?
- Wer bringt Unternehmen zusammen, die voneinander profitieren könnten, sich bislang aber gar nicht kennen?
- Wer erkennt, dass ein Nebenprodukt des einen Unternehmens zum wertvollen Rohstoff eines anderen werden könnte?
- Wer übersetzt wissenschaftliche Erkenntnisse in konkrete wirtschaftliche Kooperationen?
- Wer macht innovative Materialien und Verfahren in der regionalen Unternehmenslandschaft bekannt?
- Wer begleitet Unternehmen bei der Suche nach geeigneten Pilotpartnern?
- Wer erkennt regulatorische Hürden frühzeitig und entwickelt gemeinsam mit Verwaltung, Wirtschaft und Wissenschaft praktikable Lösungen?
- Und wer sorgt schließlich dafür, dass das Wissen eines erfolgreich abgeschlossenen Forschungsprojektes nicht mit dessen Förderende wieder verschwindet?
Gerade an dieser Stelle wird deutlich, dass die Kreislaufwirtschaft eine andere organisatorische Infrastruktur benötigt als viele klassische Innovationsprozesse.
Forschungseinrichtungen verfügen über exzellentes Wissen und treiben technologische Entwicklungen entscheidend voran. Gleichzeitig sind Forschungsprojekte naturgemäß zeitlich begrenzt. Mitarbeitende wechseln, Förderschwerpunkte verändern sich und mit dem Ende eines Projektes endet häufig auch ein Teil der aufgebauten Netzwerke.
Das ist kein Mangel wissenschaftlicher Arbeit – Es ist Ausdruck ihrer eigentlichen Aufgabe.
Forschung soll neues Wissen schaffen. Transformation dagegen bedeutet, dieses Wissen über viele Jahre hinweg kontinuierlich in regionale Wertschöpfung zu übersetzen.
Dafür braucht es andere Strukturen. Ebenso wenig können Unternehmen diese Aufgabe allein übernehmen. Ihre Verantwortung besteht darin, wettbewerbsfähige Produkte zu entwickeln, wirtschaftlich erfolgreich zu arbeiten und Innovationen zur Marktreife zu bringen.
Auch Kommunalverwaltungen besitzen nur begrenzte personelle Ressourcen, um die Vielzahl technischer, wirtschaftlicher und regulatorischer Entwicklungen kontinuierlich zu begleiten. Gerade kleinere und mittlere Kommunen stehen bereits heute vor einer Vielzahl komplexer Zukunftsaufgaben – von der Klimaanpassung über die Digitalisierung bis hin zur Fachkräftesicherung und Haushaltskonsolidierung.
Die Folge ist nachvollziehbar. Obwohl nahezu alle Beteiligten das Potenzial der Kreislaufwirtschaft erkennen, fehlt häufig die Zeit, die personellen Kapazitäten oder der institutionelle Auftrag, diese Potenziale systematisch zusammenzuführen.
Genau hier entsteht eine Lücke. Keine technologische Lücke. Keine finanzielle Lücke. Sondern eine institutionelle Koordinationslücke.
Sie entscheidet oftmals darüber, ob aus einzelnen Innovationen tatsächlich regionale Wertschöpfung entsteht oder ob gute Ideen nebeneinander existieren, ohne ihre gemeinsame Wirkung entfalten zu können.
Vielleicht erklärt genau diese Lücke, weshalb vielerorts der Eindruck entsteht, dass die Kreislaufwirtschaft langsamer voranschreitet als ihre technologischen Möglichkeiten eigentlich erlauben würden.
Denn Innovation entsteht nicht allein durch neue Ideen.
Sie entsteht dort, wo Ideen dauerhaft miteinander in Beziehung treten.
Regionale Koordinationszentren oder -Hubs – die unterschätzte Infrastruktur der Circular Economy
Wenn die bisherige Argumentation zutrifft, dann verändert sich auch die Sicht auf die organisatorischen Voraussetzungen einer funktionierenden Kreislaufwirtschaft.
Bislang wird häufig angenommen, dass ausreichend Forschung, geeignete Förderprogramme und engagierte Unternehmen ausreichen, um die Transformation mit Einzelprojekten schrittweise voranzutreiben. Zweifelsohne sind all diese Bausteine unverzichtbar. Doch sie beantworten noch nicht die Frage, wer die Vielzahl dieser Aktivitäten langfristig miteinander verbindet.
Denn ein Innovationsökosystem entsteht nicht von selbst. Es muss gepflegt, weiterentwickelt und immer wieder neu organisiert werden.
Genau deshalb verfügen erfolgreiche Wirtschaftsregionen seit Jahrzehnten über Institutionen, die weit mehr leisten als klassische Verwaltung. Industrie- und Handelskammern, Wirtschaftsförderungen, Technologiezentren oder Clusterorganisationen verfolgen alle dasselbe Grundprinzip: Sie schaffen Beziehungen, bündeln Wissen, initiieren Kooperationen und begleiten Entwicklungsprozesse über viele Jahre hinweg.
Die Kreislaufwirtschaft stellt jedoch nochmals höhere Anforderungen: Sie verbindet unterschiedlichste Branchen, Verwaltungsebenen und wissenschaftliche Disziplinen. Sie betrifft Produktentwicklung ebenso wie Bauleitplanung, Abfallwirtschaft, öffentliche Beschaffung, industrielle Produktion, Handwerk, Digitalisierung, Finanzierung und Genehmigungsrecht. Gleichzeitig verändern sich neue Materialien, Technologien, gesetzliche Rahmenbedingungen und Marktbedingungen in hoher Geschwindigkeit.
Kein einzelner Akteur kann diese Komplexität dauerhaft überblicken.
Gerade deshalb stellt sich die Frage, ob Regionen künftig nicht eine neue Form organisatorischer Infrastruktur benötigen – Einrichtungen, deren zentrale Aufgabe nicht darin besteht, selbst Projekte umzusetzen, sondern die Voraussetzungen dafür zu schaffen, dass viele Projekte überhaupt erfolgreich ineinandergreifen können.
Ein solches regionales Koordinationszentrum würde keine bestehenden Institutionen ersetzen. Im Gegenteil.
Seine Aufgabe bestünde gerade darin, die vorhandenen Kompetenzen besser miteinander zu verbinden.
- Es würde wissenschaftliche Erkenntnisse schneller in die Unternehmenslandschaft tragen.
- Es würde Unternehmen über neue Technologien, Materialien und Kooperationsmöglichkeiten informieren.
- Es könnte regionale Stoffstrompotenziale sichtbar machen, Akteure entlang von Wertschöpfungsketten zusammenbringen und neue Pilotprojekte initiieren.
- Es könnte Kommunen dabei unterstützen, regulatorische Entwicklungen einzuordnen und Chancen für die regionale Wirtschaft frühzeitig zu erkennen.
- Es könnte Fördermöglichkeiten bündeln, Partnerschaften vermitteln und dafür sorgen, dass Erfahrungen aus abgeschlossenen Projekten nicht verloren gehen, sondern dauerhaft für weitere Transformationsprozesse nutzbar bleiben.
Mit der Beschreibung dieser Aufgaben ist allerdings erst die halbe Herausforderung benannt.
Entscheidend ist nicht nur die Aufgabe, sondern auch die Organisationslogik, d.h., wie eine solche Institution organisiert sein muss, damit sie diese Aufgaben überhaupt wirksam erfüllen kann.
Die Entwicklung regionaler Kreislaufökosysteme verlangt eine Organisationskultur, die durch Eigeninitiative, Kreativität, Vernetzung, Geschwindigkeit und unternehmerisches Denken geprägt ist. Sie muss Chancen erkennen, Kooperationen und Projekte initiieren, neue Akteure zusammenbringen und flexibel auf technologische, wirtschaftliche oder regulatorische Veränderungen reagieren können. Ihr Erfolg bemisst sich letztlich nicht an der Zahl verwalteter Projekte, sondern an der Wirkung, die sie für die regionale Transformation entfaltet.
Genau darin unterscheiden sich die Organisationslogiken einer transformationsorientierten Koordinationsagentur und einer kommunalen Verwaltung.
Die Stärke kommunaler Verwaltungen liegt in Rechtsstaatlichkeit, Verlässlichkeit, Transparenz und der Umsetzung demokratisch legitimierter Entscheidungen. Diese Aufgaben sind unverzichtbar und bilden das Fundament eines funktionierenden Gemeinwesens. Die Entwicklung regionaler Innovationsökosysteme folgt jedoch einer anderen Logik.
Sie verlangt kontinuierliche Netzwerkarbeit, Moderation, Akteursmobilisierung, Flexibiltät, strategische Kommunikation und die Fähigkeit, unterschiedliche Interessen immer wieder zu gemeinsamen Lösungen zusammenzuführen.
Verwaltung schafft Verlässlichkeit. Transformation schafft Zukunft. Beides ist notwendig – aber beides folgt unterschiedlichen Organisationslogiken.
Deshalb erscheint es sinnvoll, regionale Koordinationsstrukturen organisatorisch so auszugestalten, dass sie mit hoher Eigenständigkeit, klar definierten und messbaren Wirkungszielen und einer engen Einbindung von Wirtschaft, Wissenschaft, Kommunen und Zivilgesellschaft arbeiten können. Die strategischen Ziele sollten gemeinsam von den relevanten regionalen Akteuren entwickelt werden. Der Erfolg einer solchen Einrichtung sollte sich daran messen lassen, welche konkreten Fortschritte sie für die Entwicklung der regionalen Kreislaufwirtschaft erzielt – etwa durch neue Kooperationen, funktionierende Stoffkreisläufe, einen beschleunigten Wissenstransfer, zusätzliche regionale Wertschöpfung sowie die Ansiedlung zirkulär wirtschaftender Unternehmen und neuer Zukunftsbranchen, die den regionalen Strukturwandel aktiv vorantreiben.
Die Organisationsform muss deshalb den Aufgaben und Zielvorgaben folgen – nicht umgekehrt.
Eine solche Organisationsform ist jedoch nicht nur eine Frage effizienter Zusammenarbeit. Sie entscheidet letztlich darüber, ob regionale Transformationsprozesse überhaupt langfristig erfolgreich gestaltet werden können.
Denn genau hier liegt eine der größten Herausforderungen der Kreislaufwirtschaft: Sie entwickelt sich nicht in einzelnen Projekten, sondern über viele Jahre hinweg – durch kontinuierliches Lernen, den Aufbau von Vertrauen und die schrittweise Entstehung neuer Kooperationen. Während Forschungsprojekte, Förderprogramme oder politische Legislaturperioden naturgemäß zeitlich begrenzt sind, entwickelt sich der Aufbau regionaler Kreislaufökosysteme über Jahrzehnte. Vertrauen zwischen Unternehmen entsteht nicht innerhalb weniger Monate. Neue Wertschöpfungsnetzwerke wachsen schrittweise. Kooperationen müssen aufgebaut, gepflegt und immer wieder an neue technologische, wirtschaftliche und regulatorische Rahmenbedingungen angepasst werden.
Genau an dieser Stelle stößt der Begriff einer Koordinationsagentur jedoch an seine Grenzen. Denn die eigentliche Aufgabe besteht nicht darin, eine weitere Institution oder auch Verwaltungseinheit zu schaffen, sondern eine neue Form regionaler Governance zu etablieren.
Ein dauerhaft erfolgreicher Transformationsprozess sollte weder von einer einzelnen Organisation oder Akteursgruppe noch von einer einzelnen Finanzierungsquelle getragen werden. Ebenso wenig sollte seine kontinuierliche Weiterentwicklung allein von kurzfristigen politischen oder finanziellen Rahmenbedingungen abhängen.
Vielmehr braucht die Kreislaufwirtschaft eine Organisationsform, die von den maßgeblichen regionalen Akteuren gemeinsam getragen wird. Genau deshalb erscheint der Begriff eines Circular-Economy-Hubs treffender als der einer Koordinationsagentur.
Ein Hub ist eine dauerhafte Plattform gemeinsamer Verantwortung.
Kommunen, Wirtschaft, Wissenschaft, Kammern, Entsorgungswirtschaft, Finanzierungsakteure und Zivilgesellschaft gestalten die strategische Entwicklung der regionalen Kreislaufwirtschaft gemeinsam. Jede dieser Akteursgruppen bringt eigene Kompetenzen, Perspektiven und Ressourcen ein. Keine von ihnen sollte den Transformationsprozess allein steuern. Gerade in dieser gemeinsamen Verantwortung liegt die besondere Stärke eines Hubs.
Sie schafft eine institutionelle Stabilität, die weit über die Laufzeit einzelner Projekte oder Wahlzyklen hinausreicht.
Gleichzeitig verteilt sie Verantwortung, Finanzierung und Gestaltung auf mehrere starke Schultern. Gerade in Zeiten angespannter kommunaler Haushalte erhöht eine solche breit aufgestellte Trägerstruktur die Widerstandsfähigkeit regionaler Transformationsprozesse erheblich. Sie macht die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft robuster gegenüber auslaufenden Förderprogrammen, personellen und politischen Wechseln oder finanziellen Engpässen einzelner Akteure.
Die operative Arbeit eines solchen Hubs würde dabei von einer professionell arbeitenden, wirkungsorientierten Koordinationsstruktur übernommen. Die strategischen Ziele würden gemeinsam von den beteiligten Akteuren entwickelt.
Der Erfolg eines solchen Hubs bemisst sich deshalb nicht an der Zahl verwalteter Projekte, sondern an seiner Wirkung für die Region. Maßgeblich sind beispielsweise
- neue Kooperationen und belastbare Wertschöpfungsnetzwerke,
- erfolgreiche Matching-Prozesse zwischen Unternehmen und Stoffströmen,
- funktionierende regionale Stoffkreisläufe,
- ein beschleunigter Wissenstransfer zwischen Forschung und Wirtschaft,
- zusätzliche regionale Wertschöpfung,
- die Ansiedlung zirkulär wirtschaftender Unternehmen und neuer Zukunftsbranchen,
- neue Arbeitsplätze und wirtschaftliche Impulse im Bereich der Circular Economy,
- eine höhere regionale Unabhängigkeit von volatilen internationalen Rohstoff- und Lieferketten,
- eine messbare Verringerung des Primärrohstoffverbrauchs,
- sinkende Abfallmengen und höhere Wiederverwendungs- und Recyclingquoten,
- vermiedene Treibhausgasemissionen sowie
- die insgesamt gestiegene Zukunftsfähigkeit und Resilienz der Region.
- …sowie die Fähigkeit der Region, neue Transformationsprozesse künftig eigenständig und kontinuierlich weiterzuentwickeln.
Vielleicht unterschätzen wir bislang genau diese Bedeutung von Governance-Strukturen.
Wir investieren erhebliche Mittel in die Entwicklung technologischer Innovationen. Deutlich weniger Aufmerksamkeit erhält jedoch die Frage, wie wir die organisatorische Infrastruktur schaffen, die notwendig ist, damit diese Innovationen ihre wirtschaftliche Wirkung überhaupt entfalten können.
Dabei könnte gerade diese organisatorische Infrastruktur künftig über die Wettbewerbsfähigkeit ganzer Regionen entscheiden. Regionen konkurrieren künftig nicht mehr allein über Gewerbeflächen, Steuersätze oder Verkehrsanbindungen. Sie konkurrieren zunehmend über ihre Fähigkeit, Wissen, Unternehmen, Kapital, Verwaltung und Innovation zu einem lernenden regionalen System zu verbinden.
Die Fähigkeit zur gemeinsamen Koordination wird damit selbst zu einem wirtschaftlichen Standortfaktor.
Vielleicht ist genau dies die eigentliche Infrastruktur des 21. Jahrhunderts. Nicht Verkehrswege, Gewerbegebiete, Energieversorgung, Glasfasernetze, Forschungsgebäude oder Einzelhandelsstandorte allein. Sondern Institutionen und Governance-Strukturen, die Beziehungen und Zukunft ermöglichen.
Strukturen, die Wissen in Zusammenarbeit übersetzen und aus Komplexität gemeinsame Entwicklung entstehen lassen.
Das Ziel ist deshalb nicht die Gründung einer weiteren Institution zum Selbstzweck.
Das Ziel ist eine Region, die lernt, ihre Transformation und Zukunftsfähigkeit gemeinsam zu organisieren.
Ein dauerhaft arbeitender Circular-Economy-Hub wäre in dieser Hinsicht das organisatorische Rückgrat einer lernenden und zukunftsfähigen regionalen Kreislaufwirtschaft.
Die Kreislaufwirtschaft beginnt in den Köpfen – und in den Regionen und Kommunen
Wenn die Überlegungen dieses Essays zutreffen, dann steht die Kreislaufwirtschaft heute an einem entscheidenden Wendepunkt.
Die technologischen Grundlagen entwickeln sich rasant. Forschungseinrichtungen erarbeiten nahezu täglich neue Erkenntnisse. Unternehmen investieren in innovative Materialien, digitale Lösungen und kreislauffähige Geschäftsmodelle. Europa setzt mit neuen Richtlinien wichtige Impulse, und auch auf nationaler Ebene wächst das Bewusstsein für die strategische Bedeutung einer ressourcenschonenden Wirtschaft.
Die eigentliche Frage lautet deshalb nicht mehr, ob die Kreislaufwirtschaft technisch möglich ist. Sie lautet vielmehr, ob wir bereit sind, die organisatorischen Voraussetzungen zu schaffen, damit diese Innovationen ihre Wirkung tatsächlich entfalten können.
Gerade für Kommunen und Regionen eröffnet sich hier eine historische Chance.
Wer Kreislaufwirtschaft weiterhin vor allem als Umwelt- oder Abfallthema betrachtet, unterschätzt, wie bereits geschrieben, ihr wirtschaftliches Potenzial. Die Circular Economy entwickelt sich zunehmend zu einer neuen Form regionaler Wirtschafts- und Strukturpolitik. Dort, wo heute regionale Stoffkreisläufe entstehen, entstehen morgen neue Wertschöpfungsketten. Dort, wo Unternehmen, Forschung, Verwaltung und Wirtschaftsförderung gemeinsam an zirkulären Lösungen arbeiten, entstehen Innovationen, neue und zukunftsfähige Branchen und Unternehmenslandschaften, Arbeitsplätze und wirtschaftliche Resilienz.
Die entscheidende Frage lautet deshalb nicht mehr, ob Kommunen sich mit der Kreislaufwirtschaft beschäftigen sollten.
Die entscheidende Frage lautet, wie schnell sie beginnen, ihre Regionen gezielt darauf vorzubereiten.
Denn die Regionen, die heute die organisatorischen Voraussetzungen schaffen, werden morgen die attraktivsten Standorte für zirkuläre Unternehmen, innovative Start-ups und neue Wertschöpfung sein. Sie werden unabhängiger von internationalen Rohstoffkrisen, widerstandsfähiger gegenüber globalen Lieferkettenstörungen und attraktiver für Unternehmen, die nach verlässlichen regionalen Innovationsökosystemen suchen.
Genau deshalb sollte die Entwicklung der Kreislaufwirtschaft künftig nicht länger als Nebenschauplatz kommunaler Umweltpolitik behandelt werden.
Sie gehört ins Zentrum regionaler Wirtschafts-, Innovations- und Strukturpolitik.
Damit verbindet sich zugleich eine zweite Erkenntnis.
Wenn die größte Herausforderung der Kreislaufwirtschaft tatsächlich in der Organisation komplexer Beziehungen liegt, dann benötigen Regionen auch die organisatorischen Fähigkeiten, diese Beziehungen dauerhaft zu entwickeln. Dies geschieht nicht nebenbei. Es braucht Menschen, die Netzwerke aufbauen, wissenschaftliche Erkenntnisse in wirtschaftliche Kooperationen übersetzen, Unternehmen zusammenbringen, Kommunen begleiten, Fördermöglichkeiten erschließen und langfristige Entwicklungsprozesse moderieren.
Ob diese Aufgabe künftig durch neue regionale Koordinationszentren, weiterentwickelte Wirtschaftsförderungen oder andere institutionelle Modelle wahrgenommen wird, kann je nach Region unterschiedlich beantwortet werden. Entscheidend ist weniger die Organisationsform als die Funktion: Regionen benötigen dauerhaft arbeitende Strukturen, die Komplexität organisieren und den Aufbau regionaler Kreislaufökosysteme kontinuierlich begleiten.
Vielleicht wird genau diese Fähigkeit in Zukunft zu einem der wichtigsten Standortfaktoren überhaupt. Wir werden dann Regionen nicht mehr nur danach beurteilen, wie gut ihre Verkehrsanbindung, ihre Gewerbeflächen oder ihre Steuersätze sind.
Wir werden auch fragen:
- Wie gut gelingt es ihnen, Wissen zu teilen?
- Wie schnell entstehen neue Kooperationen?
- Wie eng arbeiten Wissenschaft, Wirtschaft, Verwaltung und Politik zusammen?
- Wie lernfähig ist das regionale Innovationssystem?
Mit anderen Worten:
Die Wettbewerbsfähigkeit von Regionen wird zunehmend auch zu einer Frage ihrer Koordinationsfähigkeit.
Vielleicht wird man in einigen Jahrzehnten auf unsere Zeit zurückblicken und feststellen, dass die Technologien für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft längst vorhanden waren. Dass das Wissen vorhanden war. Dass engagierte Unternehmen, Forschende und Kommunen bereitstanden. Und dass die eigentliche Herausforderung nicht mehr allein darin bestand, weitere Innovationen zu entwickeln.
Sondern darin, ihre Zusammenarbeit zu organisieren. Die Kreislaufwirtschaft beginnt deshalb nicht erst in Recyclinganlagen, Fabriken oder Laboren.
Sie beginnt dort, wo Regionen lernen, ihre Zukunft gemeinsam zu gestalten. Denn die Regionen, die Komplexität organisieren können, werden nicht nur nachhaltiger sein. Sie werden auch die wirtschaftlich erfolgreichsten Regionen des 21. Jahrhunderts werden.
Regionen, die dauerhaft Strukturen schaffen, um Wissen, Akteure und Innovationen miteinander zu verbinden, werden die wirtschaftlichen und ökologischen Chancen der Circular Economy am erfolgreichsten nutzen.
Fünf Thesen für die Circular Economy der Zukunft
-
- Circular Economy ist nicht nur ein Material- und Technologieproblem – sie ist vor allem ein Komplexitätsproblem. Technologische Innovationen bleiben unverzichtbar. Ihr Erfolg hängt jedoch zunehmend davon ab, wie gut sie in funktionierende regionale Systeme eingebettet werden.
-
- Kreislaufwirtschaft entwickelt sich nicht wie ein Markt, sondern wie ein regionales Innovations-Ökosystem. Nicht einzelne Akteure entscheiden über ihren Erfolg, sondern die Qualität ihrer Beziehungen und ihrer Zusammenarbeit.
-
- Die wichtigste Ressource der Circular Economy sind nicht nur modernste Recyclingtechnologien, Sekundär- oder regenerative Rohstoffe, sondern funktionierende Beziehungen zwischen Unternehmen, Wissenschaft, Verwaltung und Gesellschaft. Wo Vertrauen, Wissenstransfer und Kooperation fehlen, bleiben auch die besten Technologien unter ihren Möglichkeiten.
-
- Kommunen sind nicht nur Regulierer der Kreislaufwirtschaft, sondern Mitgestalter regionaler Wettbewerbsfähigkeit. Wer die Kreislaufwirtschaft frühzeitig als strategische Wirtschafts- und Strukturpolitik versteht, stärkt zugleich Innovation, Resilienz und regionale Wertschöpfung.
-
- Die Zukunft der Kreislaufwirtschaft entscheidet sich an der Koordinationsfähigkeit von Regionenn.
————————————————-
Dieser Artikel entstand in Kooperation mit DACE (Datenkompetenzzentrum für Circular Economy Daten). DACE ist ein vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) gefördertes Projekt.

Koordinations-Hub Aachen für Kreislaufwirtschaft, Kreislaufwirtschaft Aachen