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Henrique Romeiro Cavalcanti : 11 Prozent weniger Informatikstudierende – Warnsignal oder Wandel der Bildungswege?

Zwischen 2024 und 2025 ist die Zahl der Studienanfängerinnen und Studienanfänger im Fach Informatik an US-Universitäten um 11 % gesunken. Das ist die Zahl aus Kapitel 7 des AI Index Report 2026, an der ich hängen geblieben bin. Der Report bietet dafür genau eine Erklärung: Die Automatisierung von Programmieraufgaben hat den Einstiegsmarkt für In-formatik-Absolventen verlangsamt. Das ist plausibel, aber auch bequem, und ich glaube, es greift zu kurz.
Auffällig ist nämlich vor allem, was in diesem Kapitel nicht vorkommt: Es misst Bildung fast ausschließlich über Abschlüsse, Einschreibungen, Abschlussquoten und Studienfächer. Bootcamps kommen nicht vor, Zertifikate auch nicht, Autodidakten ebenso wenig. Kein Wort dazu, ob Arbeitgeber das Können höher gewichten als Titel. Ein Kapitel, das so gebaut ist, kann einen Rückgang nur als Verlust lesen, auch dann, wenn die Kompetenz einfach den Ort gewechselt hat. Genau dort würde ich ansetzen.
Softwareentwicklung ist eines der wenigen Felder, in denen Können unmittelbar überprüfbar ist: ein Repository, ein Portfolio, eine Programmieraufgabe im Bewerbungsverfahren. All das sagt mehr über jemanden aus als eine Abschlussnote. Der Abschluss ist hier ein Signal, kein Befähigungsnachweis. Wer Medizin praktizieren will, braucht die Approbation. Wer Software schreiben will, braucht Software, die er geschrieben hat, oder eben nur einen Lap-top und ein Programm, mit dem er oder sie schreiben kann.
Daraus folgt der Punkt, den ich für den eigentlichen Kern halte: Weil der Abschluss in der Informatik keinen Zugang, sondern ein Renditeversprechen darstellt, reagiert dieses Fach empfindlicher auf Zweifel als andere. Sobald die erwartete Rendite ins Wanken gerät, bricht die Nachfrage schnell ein. Der Rückgang um 11 % wäre damit vielleicht auch Ausdruck dieser Unsicherheit.
Vielleicht sagt dieser Rückgang am Ende weniger über die Informatik aus als über uns. Wir denken ein Studium fast nur noch als Investition. Ein Fach, das nur noch so gedacht wird, verliert seine Studierenden genau in dem Moment, in dem die Rendite unsicher wird. Ganz unabhängig davon, wie interessant es ist.
Ob die 11 % ein Warnsignal oder bloß eine Korrektur sind, wird sich erst in einigen Jahren zeigen. Sicher ist nur: Wer Bildung ausschließlich an Abschlüssen misst, wird die Antwort dort nicht finden.

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