Zwingen uns die Grenzen des Wachstums zum nachhaltigen Wirtschaften? Von der Wachstums- zur Postwachstumsgesellschaft

vorgelegt als Hausarbeit am Institut für Politische Wissenschaft der RWTH-Aachen University

„Wir müssen Abschied nehmen von einer Wirtschaft, deren Wachstum auf Kosten von Lebenschancen anderer Menschen und unser aller Lebensgrundlagen geht, und zu einer sozialen und ökologischen Marktwirtschaft finden, die das Richtige wachsen lässt, nämlich das Wohlergehen der Menschen und ihrer Lebensumwelt.“

Dieses Zitat stammt aus dem Buch „Postwachstumsgesellschaft: Konzepte für die Zukunft“, herausgegeben von Irmi Seidl und Angelika Zahrnt. Es ist dem Geleitwort entnommen, dass von dem ehemaligen Bundespräsidenten Horst Köhler geschrieben wurde. In diesem verdeutlicht er, wie wichtig es sei, sich mit Alternativen zu den etablierten Wirtschaftsmodellen auseinanderzusetzen, um nachfolgenden Generationen ein lebenswertes Leben zu ermöglichen. Die Postwachstumsökonomie betrachtet solche Alternativen mit Blick auf eine Reduktion des Wirtschafts-wachstums. Demnach soll Abschied genommen werden von der Vorstellung grenzenlosen Wachstums, welches Einfluss auf die Verknappung von Ressourcen hat und zudem eine Abhängigkeit von Versorgungsketten auf überregionaler Ebene schafft. Die Postwachstumsökonomie baut darauf auf, den Fokus auf ein ökonomisches System zu verlagern, welches nicht auf dem Anstieg des Bruttoinlandsprodukts basiert.

Die vorliegende Arbeit soll der Fragestellung nachgehen, inwieweit die Grenzen des Wachstums uns zu einem nachhaltigen Wirtschaften zwingen. Ist es möglich, von einer Wachstumsgesellschaft, die auf die Steigerung des wirtschaftlichen Wohlstands ausgelegt ist, in eine Postwachstumsgesellschaft zu gelangen? An welche Grenzen stößt Wachstum, wie wird Wirtschaftswachstum gemessen und was ist unter dem oftmals zitiertem Wort Nachhaltigkeit zu verstehen? Worum geht es in der Postwachstumsökonomik und welche Bedeutung spielen in diesem Kontext die Begriffe Suffizienz und Subsistenz? Es soll aber auch um die Frage nach der Umsetzbarkeit der Ideen von Postwachstum gehen, im Zusammenhang einer nachhaltig wirtschaftenden Gesellschaft und darum, welche Verantwortung der Politik und der Bevölkerung beigemessen werden kann.
Zum Abschluss sollen die Ergebnisse dieser Arbeit kritisch reflektiert und ein Ausblick gegeben werden.

Bei meiner Literaturrecherche bin ich über ganz verschiedene Wege an meine Arbeit herangegangen. Es kristallisierten sich einige Werke heraus, mit denen ich mich sehr intensiv auseinandersetzte. Zum einen habe ich mich sehr mit dem Buch von Niko Paech „Befreiung vom Überfluss“ und seinen Ausführungen über einen möglichen Wandel zur Postwachstumsgesellschaft beschäftigt. Niko Paech geht vor allem auf eine Notwendigkeit der Reduktion des Wachstums in einer Volkswirtschaft ein. Er liefert Handlungsalternativen, die es ermöglichen, von einer Konsumgesellschaft in eine Ge-sellschaft zu gelangen, die im Einklang mit der Natur und knappen Ressourcen leben kann. Er analysiert zudem, wie man sich von dem übermäßigen Konsumverhalten der Menschen lösen kann. Des Weiteren konzentrierte ich mich besonders auf den Bericht des Club of Rome „Grenzen des Wachstums“ von 1972, um herauszufinden, warum ein Umdenken überhaupt sinnvoll sein kann und warum es sich lohnt, sich mit der Idee einer Postwachstumsökonomie gedanklich auseinanderzusetzen. Ich möchte mit dieser Hausarbeit herausfinden, welchen Weg ich gehen könnte; einen Weg des Konsums mit allen daraus resultierenden Folgen oder einen Weg der Reduktion von Konsum und Wachstum zum Wohle der Umwelt und der Lebensqualität. Es erscheint hier schon objektiv betrachtet logisch, welcher Weg gegangen werden sollte. Jedoch zeigt das Handeln vieler Menschen in ihrem Alltag, trotz einem oftmals selbstzugeschriebenen Umweltbewusstsein, dass es subjektiv betrachtet doch nicht so einfach ist einen richtigen und guten Weg für sich selbst zu finden und diesen dann auch zu gehen.

2. Grenzen des Wachstums
2.1 Indikatoren zur Messung von Wirtschaftswachstum
Es existieren eine ganze Reihe von Indikatoren zur Bewertung und Messung ökonomi-schen Wachstums. Eine Regierung strebt nach ständig steigender Prosperität und wird folglich staatliches Handeln immer so gestalten, diesem Ziel zuträglich zu sein. „Die Wirtschaft muss wachsen, fortwährend wachsen. Wächst sie einmal nicht, ist das ein Drama, eine »Rezession«; schrumpft sie gar, ist das eine Tragödie, eine »Depression«.“
Eine allgemein anerkannte Methode, um Wirtschaftswachstum messbar machen und Vergleichbarkeit zwischen den Volkswirtschaften herstellen zu können, ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP). Dabei handelt es sich um die Erfassung aller Güter und Dienst-leistungen, die innerhalb eines Jahres in einer Volkswirtschaft erzeugt wurden. Es exis-tieren zwei verschiedene Verfahren das BIP berechnen zu können. Bei dem nominalen BIP wird dieses anhand tatsächlich existierender Marktpreise bestimmt, hingegen das reale BIP mit Hilfe konstanter Preise. Dieses wird heutzutage jedoch immer kritischer betrachtet, da z. B. private Leistungen (Hausarbeit u. a.), die erbracht und statistisch kaum erfasst werden können, nicht berücksichtigt werden. Um diese privat erbrachte Arbeit messbar machen zu können, bedarf es einer regelmäßigen und möglichst vollständigen Erfassung solcher Leistungen. Dies ist jedoch nicht trivial, da eine Differen-zierung zwischen Erwerbstätigkeit und Freizeitaktivität kaum möglich ist.

Neben dem Bruttoinlandsprodukt gibt es noch eine ganze Reihe anderer Ansätze und Verfahren zur Erfassung der volkswirtschaftlichen Leistungsfähigkeit eines Landes. Viele bekannte Ökonomen haben sich dieser Thematik angenommen, darunter Alfred Marshall in seinem Werk „Principles of Economics“ , Joseph Alois Schumpeter entwi-ckelte die „Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung“ und John Maynard Keynes die „Treatise on Money“ , um nur einige relevante Werke zu nennen.

Ein Ziel der wirtschaftswissenschaftlichen Forschung besteht in dem Verständnis der Gesetzmäßigkeiten wirtschaftlichen Handelns und der Erkenntnisse darüber, wie eine Wirtschaft gestaltet werden kann, um Wachstum zu generieren. Weniger erforscht sind jedoch die Probleme und Herausforderungen, die durch ökonomisches Wachstum hervorgerufen werden. Dies erscheint besonders bemerkenswert vor dem Hintergrund der wachsenden Erkenntnis, dass Wirtschaftswachstum auf Kosten der Umwelt und Lebensbedingungen weiter vorangetrieben wird. Natürlichen Ressourcen sind endlich und folglich ist ein
Umdenken in der Gesellschaft und insbesondere auch auf globaler Ebene unausweichlich. Bereits der „Club of Rome“ zeigte mit seinem Bericht von 1972 auf, wo die Grenzen des Wachstums liegen. Im Folgenden soll näher auf diesen Bericht eingegangen werden.

2.2 Der „Club of Rome“
Der Bericht „Die Grenzen des Wachstums“ des Club of Rome erschien im Jahr 1972 und befasst sich im Wesentlichen mit verschiedenen Indikatoren und Interdependenzen, mithilfe derer die immer stärker auftretenden Menschheitsprobleme ergründet werden sollen. Die Politik und ihre Entscheidungsträger sollten dazu animiert werden die globalen Probleme zu reflektieren.

Um die Grenzen des Wachstums zu bestimmen, wurden zwei `Hauptgruppen´ gebildet. Zum einen die Gruppe der materiellen Grundlagen, die auf physiologischen und industriellen Aktivitäten beruhen. Hierbei handelt es sich um Nahrungsmittel, natürliche Stoffe und Kernbrennstoffe, Rohstoffe und das ökologische System der Welt. Bei Letzterem sind zählbare Größen gemeint, wie bebaubares Land, Metalle oder auch Frischwasser. Diese genannten materiellen Grundlagen bestimmen letztlich die Grenzen des Wachs-tums. Die zweite Gruppe behandelt soziale Gegebenheiten. Hierbei geht es um den Ein-fluss einer steigenden Menschheitsbevölkerung auf Themen wie Völkerfrieden, Erziehung und Beschäftigung, soziale Stabilität und technischen Fortschritt. Diese Indikato-ren sind schwer zu erfassen und Änderungen kaum vorhersehbar. Demnach könnten nur Informationen über Menge und Verteilung von materiellen Gütern auf künftige Probleme hinweisen.
Da der Bericht viele verschiedene Aspekte analysiert, soll im Folgenden die Umweltverschmutzung beispielhaft hervorgehoben und näher betrachtet werden, um die Herangehensweise des Club of Rome darzustellen. Nach deren Aussagen wird die Umweltverschmutzung exponentiell zunehmen. Demnach wächst der Schadstoffausstoß schnel-ler als die Bevölkerung, jedoch lässt sich bei den meisten Schadstoffen ein kausaler Zusammenhang mit dem Bevölkerungswachstum und dem industriellen Wachstum feststellen.
Ein sehr aussagekräftiges Merkmal des Reichtums und somit auch des Wohlstands von Menschen wird durch den Grad der Energienutzung nach Person dargestellt. Jährlich wächst die Energienutzung pro Person um 1,3 Prozent und 97 Prozent der industriell verwendeten Energie entfällt auf natürliche Vorkommen (Stand 1972). Hierzu zählen Öl, Kohle oder auch Erdgase, die bei ihrer Verbrennung Kohlendioxid (CO2) produzie-ren, welches in die Atmosphäre geleitet wird. Dadurch entsteht ein Volumen von 20 Milliarden Tonnen CO2 im Jahr. Die folgende Grafik verdeutlicht die Konzentration an CO2 in der Atmosphäre von 1860 bis 1972 (nachfolgende Daten sind Prognosewerte), abzüglich der Menge, die durch das Wasser der Ozeane absorbiert wird. Demnach ergibt sich eine Steigerung des Kohlendioxidgehalts in der Luft um 0,2 Prozent jährlich :

„Berechnungen, die den CO2-Austausch zwischen Atmosphäre, Biosphäre und den Ozeanen berücksichtigen, lassen im Jahr 2000 einen Gehalt von 380 ppm erwarten, dreißig Prozent mehr als 1860.“

Aber auch bei der Betrachtung der Verfügbarkeit von Nahrungsmitteln ergaben sich alarmierende Prognosen. Zum Zeitpunkt der Entstehung des Berichts galten ca. 50 bis 60 Prozent der Weltbevölkerung als unterernährt und der Club of Rome stellte sich die Frage, ob die Grenzen der Nahrungsmittelproduktion zu dem Zeitpunkt schon erreicht gewesen seien, da zwar die Gesamtproduktion im landwirtschaftlichen Sektor weiterhin steige, jedoch das Bevölkerungswachstum noch schneller anwachsen würde.

Anhand der Analyse der oben genannten Hauptgruppen durch den Club of Rome lässt sich abschließend sagen, dass die Schwierigkeiten der Menschen sich daraus entwickeln, dass die Erde mit ihren Ressourcen endlich ist. Diese werden immer sichtbarer und erscheinen unlösbar, je mehr das menschliche Handeln sich den Grenzen der weltlichen Kapazität nähert. Durch eine stetig wachsende Bevölkerung und der damit verbundene Anstieg von benötigten Nahrungsmitteln und Gebrauchsgütern, sowie Wasser und sauberer Luft ergeben sich weitere ökologische Herausforderungen, die es zu bewältigen gilt.

„Wir haben gezeigt, daß die Gesellschaft bei weiterer Verfolgung dieses Ziels über kurz oder lang gegen eine der vielen endgültigen Grenzen für das Wachstum der Erde stoßen wird.“ Der folgende Abschnitt setzt sich vor dem Hintergrund der Erkenntnisse des Club of Rome mit den Möglichkeiten der Entwicklung eines nachhaltigen Wirtschafts-systems auseinander. Dazu wird zunächst versucht den Begriff der Nachhaltigkeit zu definieren und einzugrenzen.

3. Entwicklung eines nachhaltigen Wirtschaftssystems
3.1 Der Nachhaltigkeitsbegriff
Der Nachhaltigkeitsbegriff wurde von Carl von Carlowitz geprägt und geht auf die Waldwirtschaft zurück. Ihm zufolge solle in einem Wald nur so viel Holz geschlagen werden, wie dieser sich innerhalb einer bestimmten Zeit auf natürliche Weise erholen könne. Das Prinzip hinter dem Begriff der Nachhaltigkeit sollte somit sicherstellen, dass das natürliche System sich regenerieren kann und dieses somit langfristig erhalten bleibt. Eine weitere heute sehr verbreitete Definition von Nachhaltigkeit geht auf den Brundtland-Bericht von 1987 zurück. In diesem Bericht wird Nachhaltigkeit als eine Entwicklung beschrieben, die gewährleistet, dass spätere Generationen mindestens ge-nauso gut gestellt sind, wie heutige Generationen, um ihre Bedürfnisse befriedigen zu können. Es wird eine gerechte Verteilung von Wohlstand und Wachstum angestrebt, bei der die Kluft zwischen Arm und Reich verringert wird. Im Wirtschaftskontext wird Nachhaltigkeit oftmals als ein Zustand definiert, in dem keine Gewinne erwirtschaftet werden, die in Folge dessen in Umwelt- und Sozialprojekte investiert werden, sondern als einen Zustand, in dem die Gewinne von Anfang an umwelt- und sozialverträglich erwirtschaftet werden.

Die Tatsache, dass der Begriff der Nachhaltigkeit sich in vielen verschiedenen Bereichen etabliert hat, erschwert es diesen end- und allgemeingültig zu definieren. Heutzu-tage umfasst der Begriff vor allem die Bereiche Umwelt, Politik, Wirtschaft, Sozialwissenschaften und Marktforschung. Es existieren verschiedene Formvarianten in jedem gesellschaftlichen Teilbereich und somit wird der Nachhaltigkeitsbegriff immer abstrakter. Es kann jedoch davon ausgegangen werden, dass Nachhaltigkeit immer verstanden werden kann, als eine Kombination bedachter Ressourcennutzung und dem Schutz von Natur und Umwelt. Die Ausdehnung des Begriffs war der definitorischen Klarheit von Nachhaltigkeit jedoch abträglich und sorgte für eine zunehmende Undifferenziertheit.

Für das Verständnis der vorliegenden Hausarbeit soll jedoch eine Fokussierung auf eine eingegrenzte Definition erfolgen. Die Definition des Brundtland-Berichts erscheint hier als sinnvoll, da diese als die Etablierteste verstanden werden kann.

3.2 Die Notwendigkeit der Suffizienz und Subsistenz
Die Begrifflichkeiten Suffizienz und Subsistenz spielen eine entscheidende Rolle in Bezug auf die Betrachtung der Postwachstumsökonomie. Daher sollen diese beiden Begriffe im Vorfeld definiert werden.

Bei der Suffizienz geht es um das Beachten der natürlichen Ressourcen und deren Grenzen sowie um Bemühungen seinen eigenen Rohstoffverbrauch gering zu halten. Hierbei geht es auch um eine Art Selbstbegrenzung und um ein angemessenes Maß an Konsum und dessen Verzicht. Der Begriff Suffizienz zielt somit auf einen Rückgang der Konsumtätigkeit ab, damit eine nachhaltige Entwicklung gewährleistet werden kann. Es geht aber auch um die Gewinnung von Zeitsouveränität, also um die richtige Verwendung der individuellen Zeit. Subsistenz hingegen ist geprägt von dem Grundgedanken der Eigenproduktion. Dabei geht es um einen Rückgang des globalen Handels hin zu einer regionalen Produktion, um den regionalen Anbau von Nahrungsmitteln oder auch um die Ansiedlung von Handwerksbetrieben in der Region. Die Nutzungsdauer von Produkten spielt zudem ebenfalls eine entscheidende Rolle. Hierbei geht es darum, Produkte länger zu nutzen und zu reparieren, damit diese nicht so schnell ersetzen werden müssen, sowie um die Instandhaltung derselbigen. Was genau diese beiden Begriffe mit dem Postwachstumsgedanken zu tun haben, wird im Folgenden Kapitel näher erläutert.

3.2.1 Postwachstumsökonomie
Wenn von Postwachstum die Rede ist, wird sich auf einen Begriff bezogen, der noch nicht sehr etabliert ist und dessen Ausgestaltung und Differenzierung noch anhält. Die Auseinandersetzung mit dieser Begrifflichkeit und der dahinterstehenden Thematik nimmt in neuerer Zeit jedoch an Intensität zu. Der Wachstumskritiker und Nachhaltig-keitsforscher Prof. Dr. Niko Paech vertritt die Auffassung der Notwendigkeit einer Entschleunigung und „Entrümplung“ der Welt. Als ein wichtiger Akteur in der Postwachstumsökonomie liegt das Hauptaugenmerk in diesem Abschnitt auf Niko Paech und sei-nen Erkenntnissen bzw. seinem Verständnis von Postwachstum.

3.2.2 Nachhaltigkeitsimplikation des Postwachstums
Durch die Globalisierung und dem steigenden Konsum- und Mobilitätsniveau wuchs die Abhängigkeit des überregionalen Handels. Nach Paech gleicht der stetig ausgeweitete Wohlstand einem Kartenhaus, welches eine zunehmende Instabilität ausmacht. Es stellt sich somit die Frage, ob es eine alternative Existenzform zum Wirtschaftswachstum gibt. Eine Postwachstumsökonomie muss darauf beruhen, dass die vorherrschenden kulturellen und strukturellen Wachstumstreiber weitestgehend ausgeschaltet werden. Dies kann nur gelingen, wenn die Produktionsketten verkürzt und entflechtet werden. Dadurch wird der Fremdversorgungsgrad reduziert und die regionale Lokal- und Selbstversorgung aus-
geweitet. Damit ist das Kriterium der Subsistenz erfüllt. Bei den kulturellen Wachstumstreibern kann nur über den Begriff der Suffizienz argumentiert werden. Bei der Postwachstumsökonomie handelt es sich somit um eine Theorie der Suffizienz und Subsistenz, die nun näher betrachtet wird.

Ein Rückbau der Produktionsketten ermöglicht es, die an das eingesetzte Kapital gebundenen monetären Ansprüche zu senken, sofern die verkürzten Produktionsketten auch genutzt werden. Es existieren mehrere Merkmale, die solch eine „Ökonomie der Nähe“ kennzeichnen: Zum einen besteht eine Transparenz zwischen Kapitalgebern und Kapitalnehmern. Wenn ein Kapitalgeber nicht nur monetäre Mittel bereitstellt, sondern auch die Produkte der Kapitalnehmer nachfragt, entsteht Transparenz und somit Vertrauen. Unsicherheiten bezüglich hoher monetärer Risikokompensationen würden ver-mindert werden. Des Weiteren spielt Empathie eine entscheidende Rolle, da die soziale Eingliederung in die Ökonomie gewährleistet wird. Wenn Beziehungen zwischen Marktteilnehmern existieren, die nicht in einem anonymen Markt bestehen, wird die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass Profit- und Kapitalertragsmaximierung verringert werden. Diese Maximierung wiederum wird aufgrund informeller Beziehungen und Normvorstellungen eingedämmt. Der Effekt wird durch eine zunehmende Identifizierung mit der beheimateten Ökonomie verstärkt.

Ein weiteres Merkmal betrifft die Verwendungskontrolle. Kapitalgeber haben die Möglichkeit selbst zu entscheiden und zu kontrollieren, in welche Bereiche ihr Kapital eingesetzt wird. Sie können ihr Geld dort einsetzen, wo sie sich ethisch verordnen.
Monetäre Mittel können somit in ökologische, künstlerische oder soziale Projekte inves-tiert werden. Zudem kann Geld in Unternehmen gesetzt werden, die eine ähnliche oder äquivalente politische Ausrichtung verfolgen. Es existieren aber auch noch eine Reihe weiterer positiver Effekte regionaler Ökonomien. Die Transportwege verkürzen sich und die Möglichkeit verbesserter geschlossener Kreisläufe ist somit gegeben.

Es ist allerdings schwer den Industriekomplex zum Rückbau zu bewegen und somit Wertschöpfungsketten zu verkürzen. „Diese Reduktion wäre zu einem Teil als Suffizienzleistung und zum anderen Teil durch moderne Subsistenzpraktiken aufzufangen.“ Die kleinste Wertschöpfungskette würde einer vollständigen Subsistenz entsprechen. Ein Beispiel hierfür wäre ein Gemeinschaftsgarten, der von mehreren Akteuren betrieben wird. Diese Selbstversorgung würde kaum Kapital benötigen, keine Gewinne erwirtschaften, keine Zinsen erheben und somit kein Wachstum generieren. Wenn es zu einer Verkürzung der Beschäftigungsarbeit kommen würde, könnten Selbst- und Fremdversorgung so kombinieren werden, dass die Anhängigkeit vom geldlichen Einkommen sinkt. Mithilfe urbaner Subsistenz lassen sich zudem drei Outputkategorien konzipieren:

Bei der ersten Kategorie geht es um eine Nutzenausweitung über Gemeinschaftsnutzung. Sie beinhaltet die Chance materielle Produkte durch soziale Beziehungen zu er-setzen und zwar dann, wenn zum Beispiel ein Nachbar ein Brot für einen anderen backt und dieser eine Gegenleistung erbringt, die nicht monetär ist. Ein Tausch von Gütern oder die Gemeinnutzung elektronischer Geräte zählen auch in diese Kategorie. Eine weitere Möglichkeit besteht in der Verlängerung einer Nutzungsdauer, bei der Güter nicht voreilig ersetzt, sondern gepflegt, instandgehalten und repariert werden. Dadurch entsteht kein Konsumverzicht, da das Gut weiterhin verwendet werden kann. Materielle Produktion wird somit durch eigens erbrachte Leistungen ersetzt. Wenn es möglich wäre, die Lebensdauer von Gebrauchsgütern zu verdoppeln, könnte durch handwerkliche Instandhaltung die Produktion neuer Güter halbiert werden. Dies würde einen Rückbau des Industriekomplexes begünstigen, ohne dass ein Verlust im Konsumsektor entstehen würde. Die dritte und letzte Outputkategorie ist die der Eigenproduktion, die zugleich ein Bedürfnisfeld berührt, welches sich bei Zusammenbruch zu einer Überlebensfrage wandelt.
Gerade bei dem Anbau von Lebensmitteln erweisen sich Dachgärten, Hausgärten oder Gemeinschaftsgärten als besonders nützlich. Sie sorgen nicht, wie der konventionelle Sektor im Agrar- und Lebensmittelbereich, für schwerwiegende ökologische Schäden.

Wenn man diese o.g. Outputkategorien so kombiniert, dass diese optimal auf individuelle Neigungen, Umfeldbedingungen und Fähigkeiten abgestimmt sind, entsteht ein potenzieller Mehrwert, aus dem in einer Postwachstumsökonomie geschöpft werden kann. Der Wohlstand würde sich nicht verringern, obwohl die Produktion rückläufig wäre und
monetäre Einkommen an Wert verlieren, da bereits besitzende Produkte länger genutzt werden könnten. Diese urbane Subsistenz bedient sich mehrerer Inputs, die in Form marktfreier Güter bereitgestellt werden müssten. Zum einen die eigene Zeit, die aufgewandt wird, um Tätigkeiten zu verrichten, die handwerklich, manuell, substanziell oder künstlerisch sind. Zudem müssten handwerkliche Kompetenzen vorhanden sein und auch ein gewisses Maß an Improvisationsgeschick, um Selbstversorgung und Nutzendauerverlängerung zu gewährleisten. Zu guter Letzt sind soziale Beziehungen unver-meidlich, da sie die Gemeinschaftsnutzung erst umsetzbar machen.

Der Zeit wird bei Betrachtung von Suffizienz eine besondere Rolle zugeschrieben. Nach Paech besteht eine positive Korrelation zwischen Zeit und Glücksempfindung, die nicht durch Geld aufgewogen werden kann. Die Erwerbstätigkeit müsste ausgeweitet werden, um einen höheren Lebensstandard erreichen zu können. Dies wiederrum verringert aber die Zeit, um sich auf Kindererziehung, Haushalt, Garten oder soziales Engagement zu konzentrieren. Um diese Bereiche des Lebens dennoch abdecken zu können, werden weitere monetäre Mittel benötigt, die durch Erwerbstätigkeit geschaffen werden und somit Zeit beanspruchen. Der Konflikt wird dann verstärkt, wenn nicht einmal genug Zeit übrigbleibt, um konsumieren zu können. An diesem Punkt liegt das Augenmerk in einem neuen Verständnis von Suffizienz und zwar einem jenseits von Verzicht. In modernen Gesellschaften ist nicht mehr die Kaufkraft ein Engpassfaktor, sondern die Zeit. Wir sind nicht in der Lage, jedem Konsumgut angemessen viel Zeit entgegenzubringen, da der Faktor Zeit sich nicht verändert. Ein Tag hat 24 Stunden, nicht mehr und nicht weniger. Das Ziel glücklich zu sein hängt heutzutage folglich mehr von dem Faktor Zeit ab. Es fällt zunehmend schwerer zur Ruhe zu kommen, da ganz gleich wo wir stehen, wir auf ein Display schauen und mit Angeboten überflutet werden. Die Selbstverwirklichung hängt am Konsum. Dadurch entsteht Oberflächlichkeit, die nicht das Lebensglück fördert, sondern psychische Krankheiten wie Burnout. Wenn es aber geschafft werden könnte, sich auf eine geringere Anzahl von Optionen im Konsumbereich zu beschränken, damit die eigene Zeit und Aufmerksamkeit ausreicht, um diesen Konsum auch zu genießen, ist man davor geschützt, wie ein „Hamster in seinem Rad“ orientierungslos zu werden.

Es ist unmöglich Wachstum ins Unendliche steigen zu lassen und Wachstum ist ein Hindernis, um ein gutes Leben für alle zu gewährleisten. Daher erscheint eine Schrumpfung der Ökonomie unausweichlich. Für dieses Schrumpfen müssen verschiedene As-pekte betrachtet werden, um die Produktion und den Konsum zu einem Rückgang zu bewegen und eine Postwachstumsökonomie zu gestalten. Zum einen müssen bestimmte Wirtschaftssektoren geschrumpft werden, die nicht einer sozialökologischen Umwand-lung ausgesetzt werden können. Hierbei geht es u. a. um die Autoindustrie, Kohlekraft-werke, Atomkraftwerke, Rüstungsindustrie, industrielle Landwirtschaft und den Flug-verkehr. Zudem müssen andere Wirtschaftssektoren ausgebaut werden, vor allem die erneuerbaren Energien, Personennahverkehr, Bildung, ökologische Landwirtschaft und die Gesundheits- und Altersvorsorge etc. Die Folge aus dem Schrumpfen einiger und dem Wachsen anderer Wirtschaftssektoren sorgt dafür, dass das Ergebnis des Bruttoin-landprodukts sich signifikant rückläufig verhält. In der Konsequenz werden die fossilen Sektoren mehr zurückgehen als die solidarischen Wirtschaftssektoren.

Um den Anteil der „fossilistischen Wirtschafssektoren“ zu reduzieren, könnten Unternehmen, die sich fossiler Rohstoffe bedienen, in solche umwandeln werden, die nach-haltig produzieren. Es existieren jedoch Branchen, bei denen eine Konversion nicht möglich ist und diese daher aufgelöst werden müssten. Anhand einer Analyse der 100 finanzstärksten Konzerne der Welt wurde jedoch deutlich, dass diese fossilistischen Unternehmen einen erheblichen Anteil der Volkswirtschaften ausmachen und zwar nicht bezogen auf Arbeitsplätze oder die Produktion von Gebrauchsgütern, sondern wertmäßig. Ungefähr 50-60 % der Umsätze dieser Konzerne sind angesiedelt in der Autoindustrie, der Ölförderung und -verarbeitung und dem Flugzeugbau. Zudem zählen 7 der 10 größten Unternehmen zur Ölbranche. Dennoch ist davon auszugehen, dass bis Mitte des gegenwärtigen Jahrhunderts, das BIP um ein Drittel gesenkt werden könne, bei Umsetzung des oben skizzierten Vorgehens. Dies erscheint zunächst nach einer enormen Reduktion, jedoch bedeutet dieser Rückgang nicht zwangsläufig, dass dadurch die Lebensqualität, Gerechtigkeit und Gleichheit verringert wird. Zudem ist es kein Wandel in die „Steinzeit“, wie einige Kritiker annehmen. Dennoch würde damit eine große Veränderung der bisherigen wirtschaftlichen und sozialen Strukturen einhergehen. Das Ziel einer solidarischen Postwachstumsgesellschaft besteht darin, durch die optimale Ausrichtung von Produktion und Konsum eine größtmögliche Bedürfnisbe-friedigung zu erreichen. Dabei soll nur ein kleiner Teil an Arbeit, Produktion und Res-sourcen verwendet und die ökologischen Schranken nicht überschritten werden. Der kapitalistischen Wirtschaftsordnung wird somit eine effizientere entgegengesetzt, die sich gegenläufig zu der etablierten Ordnung ausrichtet.

Zu beachten ist jedoch, dass eine rein ökologisch ausgeprägte Wachstumspolitik zu keiner optimalen Lösung der Gegenwartsprobleme führen kann. Es können aber Konzepte wie eine radikale Umverteilung, Wirtschaftsdemokratie, Arbeitszeitverkürzung und Kapitalkontrolle als notwendig betrachtet werden, vor allem in Hinblick auf die Verbesserung sozialer Gerechtigkeit und der Bekämpfung von Ausbeutung. Diese Konzepte könnten mit anderen Konzepten gekoppelt werden. Dabei geht es um die (Wieder-)Aneignung von Gemeingütern, die Deglobalisierung, neuen Arbeitsformen und die Energiedemokratie. Diese Verknüpfung geschieht nicht über eine Wirtschaft, die weiterwächst, sondern über eine Wirtschaft, die solange schrumpft, bis sie sich stabilisiert hat. „Die Herausforderung besteht darin, Sand ins ökonomische Getriebe zu werfen, um dort anzusetzen, wo die Ursachen des Wachstums liegen.“ Um eine neue Ökonomie gestalten zu können, muss das Gefüge zwischen Konsum, Arbeit, Investitionen und Produktivität neu ausgerichtet werden. Um dies gewährleisten zu können existieren verschiedene Möglichkeiten, die im Folgenden näher betrachtet werden.

Um eine Postwachstumsgesellschaft zu konzipieren, muss in erster Linie der bestehende Kapitalismus umgekehrt werden. Zudem müssen dem Markt und der staatlichen Verwaltung Güter entzogen werden, die lebensnotwenig sind (Luft, Wasser, Wälder u. a.), um diese dann kollektiv verwalten zu können. Aber auch die Lenkung von Investitionen ist hier besonders zu betrachten. Dieser Aspekt ist einer der Schwierigsten, um einen Umbau hin zum Postwachstum zu gewährleisten. Auf der einen Seite dienen Investitionen dazu, Wirtschaftswachstum voranzutreiben, was aber wiederum den Naturver-brauch und den Materialeinsatz erhöht. Andererseits sind Investitionen für den Umbau in eine Postwachstumsgesellschaft unvermeidlich, gerade in Bezug auf die Transformation der bestehenden ökonomischen Struktur. Damit sind Investitionen gemeint, die sich z. B. auf Effizienzsteigerungen und den sozial-ökonomischen Umbau beziehen und notwendig sind, um eine Lebensweise zu sichern, welche für alle sozial und gerecht gestalten werden kann. Hierrunter fallen ökologisches Wohnen, Ernährungssouveränität und kollektive Mobilität. Es spielen aber auch Investitionen in Bildung, Sorgeökonomie und Gesundheit und Soziales eine entscheidende Rolle. Zudem ist der Klimawandel zu entschärfen, der Forst wiederaufzubauen, der entstehende Industriemüll zu verarbeiten und die „fossilistische“ Infrastruktur rückläufig zu gestalten. Es zeigt sich, dass ohne Investitionen keine Lebensgrundlage geschaffen werden kann, die ein gutes Leben mit Blick auf einer Postwachstumsökonomie anstrebt.
Nach Niko Paech basiert Postwachstum darauf, zu einem Handeln zurückzukehren, dass verantwortungsvoll und ökologisch ist. So ein Handeln setzt eine Umkehr des bestehenden Wohlstandsmodells voraus und es muss dafür gesorgt werden, dass diese Reduktion von Wachstum in der Gesellschaft und im eigenen Lebensstil vergegenwärtigt wird.

3.3 Handlungsalternativen verschiedener Akteure
Wenn man erklären möchte, warum es Umweltschädigungen gibt, bedarf es einer genaueren Betrachtung menschlichen Verhaltens. Vielen Akteuren ist bewusst, dass Umweltschutz eine wichtige Aufgabe in der Gesellschaft darstellt. Die meisten sind den-noch nicht bereit einen Beitrag dazu zu leisten, die Umwelt zu schützen, da dies zu Aufwendungen führen würde und immer die Gefahr bestünde, dass andere Akteure nicht ebenso handeln (Trittbrettfahrerverhalten). Das führt zum einen dazu, dass die eigenen Anstrengungen durchkreuzt werden und zum anderen zu ökonomischen Nachteilen für diejenigen, die nachhaltig agieren. Welche Handlungsalternativen können gewählt werden, um nachhaltiges Wirtschaften zu ermöglichen und über dieses zu einer Postwachstumsgesellschaft zu gelangen? Im Folgenden wird sich mit dieser Thematik auseinandergesetzt.

3.3.1 Die Politik
1992 wurde in Rio de Janeiro das Leitbild nachhaltiger Entwicklung skizziert. Auf dieser Konferenz für Umwelt und Entwicklung verpflichtete sich die internationale Staatengemeinschaft zur Begrenzung der wachsenden Schere zwischen den Industrie- und Entwicklungsländern und sollte dafür zu sorgen, dass die natürliche Umwelt besser ge-schützt wird. Um dieses Leitbild umsetzen zu können, wurde auf der Rio-Konferenz die „Agenda 21“ verabschiedet. Es folgten die Millenniumsentwicklungsziele der Vereinten Nationen (Post 2015-Agenda) und die Umbenennung der Post 2015-Agenda in die 2030-Agenda. Die am 25. September 2015 verabschiedete 2030-Agenda soll die rele-vanten Politikbereiche, mithilfe der internationale Zusammenarbeit, maßgeblich prägen. Die einzelnen Volkswirtschaften sollen bis 2030 in Richtung nachhaltiger Entwicklung umgestaltet werden. Es zeigt sich immer deutlicher, dass im Bereich des Klimawandels, der Biodiversität, der Armut und des Hungers auf der Welt umgesteuert werden muss, besonders aufgrund des hohen Ressourcenverbrauchs der einzelnen Wirtschaften. Hier-zu dient u. a. die Nachhaltigkeitsstrategie der Bundesregierung, die 2002 entwickelt wurde. Sie umfasst 21 Themenfelder die nachhaltige Entwicklung gewährleisten sollen. Zur Transparenz berichten das Statistische Bundesamt und die Bundesregierung regelmäßig inwieweit die gesetzten Ziele erreicht wurden und welche weiterentwickelt werden müssen.

Die wichtigsten Ziele der Nachhaltigkeitsstrategie beziehen sich vor allem auf den Ein-satz von Rohstoffen, Energieproduktivität, Senkung des Primärenergieverbrauchs und Treibhausgase, sowie die Erhaltung der Artenvielfalt in Deutschland. Die Strategie wird fortlaufend weiterentwickelt und umfasst vier Leitlinien: Lebensqualität, Generationengerechtigkeit, internationale Verantwortung und sozialen Zusammenhalt. Diese Weiterentwicklung enthält auch die alltäglichen Handlungen der deutschen Regierung und die Entscheidungsfindung zur Umsetzung der Strategie. Somit liegt die Verantwortung der Politik auf Handlungen, die eine nachhaltige Entwicklung ansteuern.
Die Entwicklung einer Postwachstumsgesellschaft könnte nach Paech zusätzlich über Rahmenbedingungen ergänzt werden. Mithilfe von Geld- und Finanzmarktreformen könnte dafür gesorgt werden, dass kein erneut unkontrolliertes Wachstum entstünde, indem Wachstumszwänge durch die Reformen gemildert werden. Zudem könnten Ge-nossenschaftsbanken gegründet werden, die transparent demokratische Mitgestaltungsmöglichkeit schaffen und mithilfe einer sozialökologischen Ausrichtung eine Kapital-beschaffung vermeiden, die im geringeren Maße zins- und renditeorientiert ist. Eine Dämpfung von Gewinnerwartungen wäre zudem möglich über veränderte Unterneh-mensformen wie Non-Profit-Firmen, Stiftungen oder Genossenschaften. Formen der Bodennutzungsbeschränkung wären zudem denkbar. Hierbei kann ein Investor nicht Eigentümer über die Ressource Boden werden, sondern nur Pächter. Dies gewährleistet, dass Spekulationsgewinne gedämpft werden. Eine Bereicherung über Wertsteigerungen der Ressource wären ausgeschlossen.

Eine Postwachstumsökonomie würde die Politik und die in ihr agierenden Akteure überfordern, da die Systemlogik des Konsums zurzeit noch durch einen Wettbewerb des Überbietens gekennzeichnet ist. Eine Reduktion der Wirtschaft „greift“ unsere Lebens-stile an und viele Bürger würden einen Einschnitt in ihre Lebensweise dazu veranlassen, die Politik, die genau diese in Frage stellt, nicht zu wählen. Nach Niko Paech will eine demokratisch gewählte Regierung kein Risiko eingehen und so hänge diese dem gesellschaftlichen Wandel hinterher. Somit kann der notwendige Wandel nicht an die Politik delegiert werden, sondern die Gesellschaft ist gefragt. Denn eine Regierung ist erst bereit eine Postwachstumsökonomie zu gestalten, wenn ihr genügend Zuspruch und Bereitschaft von den Bürgern signalisiert wird. Somit sind wir bei der Verantwortung der deutschen Bevölkerung angelangt, um die es im nächsten Unterkapitel gehen wird.

3.3.2 Die deutsche Bevölkerung
In diesem Kapitel wird Bezug genommen bzw. der Fokus auf zwei Akteure (Unternehmen und private Haushalte) gelegt und deren Möglichkeiten des wirtschaftlichen Handelns und der eventuellen Handlungsrichtungen in eine Postwachstumsgesellschaft.
Das Verhalten von Menschen (bestimmt durch die psychische Prägung) wird über Vorgänge gesteuert, die der Aufnahme und Weiterverarbeitung erhaltener Informationen dienen. Bei einer Steigerung des Umweltbewusstseins wird gleichzeitig auch das Ver-halten dahingehend beeinflusst. Da beim Umweltbewusstsein Divergenzen zwischen der Absicht und dem tatsächlichen Verhalten bestehen können, bedeutet ein erhöhtes Umweltbewusstsein nicht gleichzeitig, dass nun auch verstärkt umweltbewusst gelebt wird. Das liegt daran, dass das Umweltbewusstsein einen kleinen Bereich der psychischen Prägung eines Menschen darstellt. Es gibt viele weitere Facetten, die aus den Be-dürfnissen einer Person abgeleitet werden können. Hierzu zählen vor allem Sicherheit, Selbstverwirklichung, Anerkennung und Bequemlichkeit. Einige dieser Bereiche kollidieren mit dem Umweltbewusstsein und am Ende wird die tatsächliche Handlung zwischen den einzelnen Facetten abgewogen. Aufgrund dieser Erkenntnis kann es dazu kommen, dass ein Mensch sich als umweltbewusst wahrnimmt, aber aufgrund anderer Präferenzen nicht so handelt.
Damit viele Menschen sich für eine Entwicklung hin zur Postwachstumsgesellschaft entscheiden, müssen Anreize gesetzt werden. Ihnen muss ein besseres Leben versprochen werden, was jedoch schwierig erscheint, da die Kriterien für ein gutes Leben, durch die Attraktivität des Konsums und den Vorstellungen von Fortschritt und Wohl-stand vorgegeben sind.
Die meisten Güter die Konsumenten kaufen haben Einfluss auf die Umwelt und da spielt es keine Rolle, ob dies Dienstleistungen sind oder Konsumgüter. Diese Beeinflus-sung beginnt bereits bei der Produktion von Gütern, bei deren Gebrauch und endet nicht einmal mit dem verlieren des Nutzens für den Konsumenten. Der Einfluss von privaten Haushalten auf den Umweltverbrauch ist je nach Konsumbereich unterschiedlich groß. Daher ist es notwendig diese Konsumbereiche separat zu betrachten. Zum einen gibt es die Bereiche Gesundheit, Bildung und Sicherheit. Hierbei handelt es sich nicht um Haushaltskonsumbereiche, sondern um Staatskonsum. Wohingegen Textilien und deren Reinigung, Hygiene und allgemeine Körperpflege den privaten Haushalten direkt zugeordnet werden können. An dieser Stelle kann ein Konsument durchaus Einfluss auf die Entwicklung der Umwelt nehmen, indem er z. B. Second-Hand-Mode kauft, statt Kleidung von Modeketten. Oder Konsumenten greifen auf ökologisch optimierte Güter zurück, auf umweltverträgliche Mobilität, sozial vertretbares Einkaufsverhalten bei Le-bensmitteln, sowie Geldanlagen die sozial und etisch vertretbar sind. Es spielen hierbei aber auch Empfindungen eine große Rolle. Umweltbewusst und nachhaltig zu leben bedeutet auch tolerant, partnerschaftlich und gesund zu leben. Dinge bewusst zu genie-ßen und Konsum nicht als ein gegebenes Recht anzusehen, sondern als etwas Bewusstes und Genussvolles. Dabei sollte auf Qualität geachtet werden und nicht darauf unbedingt der gängigen Mode nachzueifern. Um Nachhaltigkeit praktizieren und auf übermäßigen Konsum verzichten zu können, müssen die Politik und die Bevölkerung zusammenarbeiten, denn nur so ist es möglich, nachhaltige Lebensstile effektiv umzusetzen und in die Gesellschaft zu integrieren.
Um die Bevölkerung als Ganzes fassen zu können, muss die Rolle von Unternehmen näher betrachtet werden. Um im Sinne von Niko Paech eine Postwachstumsgesellschaft zu kreieren, muss nach dem Rückbau der Wirtschaft ein Umbau im unternehmerischen Bereich getätigt werden. Die Produktion neuer Güter muss so ablaufen, dass die Le-benszeit dieser Güter sich verlängert und Reparaturen einfach zu bewerkstelligen sind. Durch diese Neuproduktion würde sich der Bedarf an diesen Gütern verringern. Eine Verkürzung der bestehenden Wertschöpfungsketten und die Reduktion bzw. Umverteilung der Arbeitszeiten wären sinnvolle Maßnahmen mit denen Unternehmen Einfluss auf die Gestaltung einer Postwachstumsgesellschaft nehmen könnten. Aber auch eine regionale Beschaffung von Rohstoffen, Regionalvermarktung und spezielle Kurse für Konsumenten wären denkbar, um Produkte eigenständig reparieren zu können. Die aufgezeigten Maßnahmen begünstigen nachhaltiges Wirtschaften und weisen den Weg in eine Postwachstumsgesellschaft. Diese Ansätze zeigen jedoch nur einen Bruchteil von dem, was getan werden kann, aber sie wären zumindest ein guter Anfang.

4. Fazit und Ausblick
Die vorliegende Arbeit setzt sich mit einer möglichen Alternative zum gegenwärtig etablierten Wirtschaftsmodell auseinander. Dieses könnte uns Menschen eine andere Richtung aufzeigen, wenn es um die Frage eines lebenswerten Lebens für nachfolgende
Generationen und der Umstellung zu einem ökologisch vertretbaren Wirtschafssystem geht. Diese Alternative in Form einer Postwachstumsökonomie könnte durch Reduktion des Wirtschaftswachstums die Möglichkeit eröffnen, von dem „Konsumzwang“ Abschied zu nehmen und die Probleme der Ressourcenverknappung, Abhängigkeiten im Versorgungssektor, Globalisierung und der Vorstellung einer ständig wachsenden Wirtschaft anzugehen. Eine nachhaltige Wirtschaft wäre womöglich eine Chance diese problematische Situation der Erde kritisch zu betrachten und Lösungen für ein nachhaltiges und gutes Leben umzusetzen. Es ist jedoch zu beachten, dass solch eine Wandlung in eine Postwachstumsgesellschaft auch mit Schwierigkeiten einhergeht. Hierbei geht es nicht nur um strukturelle Veränderungen, sondern auch um die Einstellungen der Menschen, deren Empfinden und Ehrgeiz, sich für diese Wandlung einzusetzen. Die Politik und die Bevölkerung müssen näher zusammenrücken und gemeinsam Strategien und Rahmenbedingungen entwickeln, die es auch Menschen mit geringem Bildungsstand oder Einkommen ermöglichen, deren Nutzen zu erkennen und nach diesen Strategien zu handeln bzw. ihren Beitrag zu leisten, bei der Umsetzung einer nachhaltigen Wirtschaft. Zudem kann auf lange Sicht nicht nur Deutschland regional betrachtet werden, da gerade wir Deutschen und auch andere Industrienationen, einen großen Einfluss auf die Umwelt der Dritte-Welt-Länder haben. Gerade im globalisierten Wettbewerb werden diese schlechter gestellten Länder, aufgrund der Bestrebungen reicher Nationen, ver-mehrt unter Druck gesetzt. Die Idee einer Postwachstumsökonomie erscheint sehr verlockend, wenn dadurch nachhaltige Ziele erreicht werden können. Es ist jedoch nicht möglich solch eine Ökonomie über einen kurzen Zeitraum zu betrachten. Es wird vermutlich viel Zeit beanspruchen eine Wirtschaft, die durch Nachkriegsjahre, entwickelte Einstellungen der Menschen, politische Steuerungen und anderen Indikatoren geprägt ist, von einem kapitalistisch gegenwärtigen Niveau auf ein nachhaltiges und rückläufiges zu bewegen.
Die Auseinandersetzung mit der Thematik zeigt, dass sich immer noch viel zu wenig mit den Grenzen des Wachstums und deren Folgen beschäftigt wird. Meine Literaturrecherche war sehr umfangreich, da kaum Arbeiten ausfindig gemacht werden konnten, die Postwachstum betrachten. Ich denke die Ansätze, die aufgezeigt werden, um eine Postwachstumsgesellschaft zu ermöglichen, sind in ihrem Kern durchaus vertretbar, um keinen Verzicht aufkommen zu lassen. Jedoch bin ich auch der Meinung, dass dieses
Konzept nicht direkt umgesetzt werden kann. Es bedarf einer Reihe an vorrangegange-nen Planungen und Handlungen, um überhaupt den Gedanken fassen zu können, mit dem Umbau des aktuellen Wirtschaftssystems zu beginnen. Wir Menschen scheinen noch nicht weit genug zu sein, um klar vor Augen zu sehen, dass ein Umdenken zum Wohle der Lebensbedingungen und auch der Umwelt unausweichlich ist.

6. Literaturverzeichnis

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