Ulrich Eberl (DE)

Smarte Maschinen, Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert

Buchbesprechung: Ulrich Eberl, Smarte Maschinen, Wie künstliche Intelligenz unser Leben verändert, München 2016

Ulrich Eberl ist einer der renommiertesten Wissenschafts- und Technikjournalisten deutscher Sprache. Er promovierte an der TU München in Biophysik und leitete 20 Jahre lang bei Siemens die Innovationskommunikation, zudem gründete er das Zukunftsmagazin „Pictures of the future“.

Sein Buch „Smarte Maschinen“ gibt einen anschaulichen Überblick über die Möglichkeiten von Robotern und sogenannten smarten Maschinen. Bilder und Graphiken veranschaulichen die Materie. Es lohnt sich auch, angeführte links auf you tube anzuklicken , um sich z.B. die Amazonlogistik (Picking Challenge) zu veranschaulichen. Eine Lektüre also, die Lernprozesse anregt und schon deshalb unbedingt empfehlenswert ist.

Eberl gibt eine Bestandsaufnahme der bislang erreichten Robotererfolge. Zunächst im Jahr 1996, in dem deep blue den Schachweltmeister Kasparov geschlagen hatte, dann der Erfolg Watsons im Jahre 2011, der Sieg über die Jeopardy-Weltmeister. Auch hier lohnt ein link zu you tube, schauen sie sich an, wie zwischen zwei Menschen ein Robotergesicht mitwirkt und am Ende die Oberhand gewinnt. Unglaubliches passierte im Jahr 2016 als AphaGo den Go – Spieler Lee Sedol im japanischen Spiel Go schlug. Diese Leistung eines Computers hielt niemand für möglich und verwirrte selbst die Fachwelt.

Die Beispiele belegen einen technologischen Paradigmawechsel, „programmieren war gestern, heute geht es darum, dass Maschinen  in höherem Maßes selbst kognitive Fähigkeiten besitzen und sie anwenden“. Kurz: „Die Ära der autonomen, lernenden und kooperativen Maschinen hat bereits begonnen.“ (S.27) Als Gründe für diese Entwicklung führt Eberl in Übereinstimmung mit anderen Autoren dieser Thematik die exponentielle Zunahme der Rechengeschwindigkeit und der Menge an Daten an (Moore’sches Gesetz). Eberl verweist zudem auf die Zunahme der Kommunikationsfähigkeit der Computer sowie auf die Datenexplosion durch cloud.

Was bedeutet diese Entwicklung für die Zukunft?  Zunächst wird sie Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt haben. Gemäß der angeführten Studie von Frey/Osborne ( auch hier lohnt ein link!) werden in den nächsten Jahren in Deutschland wahrscheinlich 18 Millionen Menschen durch smarte Maschinen ersetzt. Die Verlierer werden aus der Mittelschicht kommen (Büroarbeiten, Bankkaufleute, Logistiker, Betriebswirte…), Gewinner sind Hochqualifizierte und Geringverdiener, deren Lohnkosten unter den Roboterkosten liegen. Desweiteren wird unser Privatleben zunehmend offener. Dazu eine sehr schöne Anekdote aus dem Buch: 2012 erhielt ein Familienvater in den USA von der Supermarktkette Target plötzlich ständig Werbebroschüren über Babynahrung und Babykleidung. Er rief beim Filiallleiter an und fragte nach, warum er diese Werbung erhalte, da die Familie nur erwachsene Kinder und keine Babys habe. DerFilialleiter informierte ihn daraufhin, dass das Kaufverhalten von unparfümierten Körpercremes und Nahrungsmittelergänzungsmitteln seiner 17 jährigen Tochter darauf schliessen lasse, dass sie schwanger sei. Vom Vater zur Rede gestellt bestätigte sie die Schwangerschaft , was für alle Beteiligten mit Ausnahme des Babys peinlich war.

Wo finden wir die zukünftigen Einsatzorte smarter Maschinen? Eigentlich überall, als helping hand in Pflegeheimen und in Krankenhäusern, als Datenträger in Justiz und Verwaltung in der Landwirtschaft (precision farming), beim Straßenverkehr usw Eberl verweist nicht zu Unrecht auf die demographische Keule in den meisten westlichen Industrienationen. In der BRD wird bis 2060 jeder Dritte über 65 Jahre alt sein, jeder Achte über 80 und es wird eine Verzehnfachung der über 100jährigen geben. An anschaulichen und zum Teil überraschenden Beispielen zeigt er, wie Roboter den kommenden Pflegenotstand lindern könnten.

In einem Zukunftsausblick erwähnt Eberl auch die neuen Forschungswege neuromorpher Chipstrukturen mit der Zielsetzung der Schaffung humanoider Roboter. In einem Kapitel beschreibt er den analogen Prozess des Lernens bei Mensch und Robotertechnologie. Anders als z.B. Martin Ford sieht er jedoch kaum Gefahren für die Singularität ( Aneignung aller intellektueller Fähigkeiten des Menschen durch künstliche Intelligenz), wobei seine Argumentation ( „wir wollen kein solches System“) hinterfragenswert erscheint.

Zum Schluß ein Ausflug in die Sience Fiction Literatur. Eberl benennt die von dem berühmten Science Fiction Autor Isaac Asimov aufgestellten drei fundamentalen Gesetze der Robotik:

  • Ein Roboter darf keinen Menschen verletzen oder durch Untätigkeit zu Schaden kommen lassen.
  • Ein Roboter muss den Befehlen eines Menschen gehorchen, es sei denn, solche Befehle stehen im Widerspruch zum ersten Gesetz.
  • Ein Roboter muss seine eigene Existenz schützen, solange dieser Schutz nicht dem ersten oder zweiten Gesetz widerspricht.

Vielleicht fallen Ihnen Situationen ein, die das Praktizieren der fundamentalen Gesetze widersprüchlich erscheinen lassen. Nicht nur deshalb eine zum Nachdenken anregende Lektüre.