Naomi Klein, Warum nur ein New Green Deal unseren Planeten retten kann

   Naomi Klein ist eine kanadische Journalistin, Globalisierungskritikerin und politische Aktivistin. Ihr Buch „ Warum nur ein New Green Deal unseren Planeten retten kann“, erschien im Jahr 2019 bei Hoffmann und Campe und ist das dritte Buch über Klimawandel, das auf dieser Website von mir vorgestellt wird.

Nach dem Buch von Rifkin „Der globale Green New Deal“  und dem Sachbuch von Rahmstorf / Schellnhuber „Der Klimawandel“ unterscheidet sich Naomi Kliens Buch in erster Linie durch ihre Fundamentalkritik. Der Kampf gegen den Klimawandel wird eingebettet in den Kampf für eine gerechte antikapitalistische Welt , für gleiche Frauenrechte, für die Rechte indigener Völker, für weniger Rohstoffverbrauch, für gerechte Verteilung…   Folgerichtig formuliert sie auf Seite 102 die Kardinalfrage: „Ist Entkoppelung möglich?“ , also gibt es erfolgreiche Klimapolitik trotz Wachstums? Rifkin gesteht diese Möglichkeit im Prinzip zu, ihm reicht eine Umstellung auf grüne Energie,Klein kritisiert weitgehender den Überkonsum westlicher Nationen. Für sie stellt sich die Klimabewegung als eine transformative soziale Bewegung dar.


Dass Anstrengungen zum Guten möglich sind, beweisen ihrer Meinung nach historische Beispiele wie der New Deal unter Roosevelt, die Mobilisierung im 2.WK oder der Marshallplan ( S.50f). Klein sieht im Kampf gegen den Klimawandel eine Chance zur Veränderung des Wirtschaftssystems. Klimawandel kann nicht durch Einzelmaßnahmen wie Geoengineering angegangen werden, auch nicht durch noch so heldenhafte Einzelaktionen, Klimawandel bedarf der Systemänderung.

Auf Seite 252 erwähnt sie den IPCC-Bericht von 2018, wonach die CO2 – Emissionen weltweit innerhalb von 12 Jahren um 50% gesenkt werden müssen, um eine Temperaturerhöhung von „lediglich“ 1,5 Grad noch zu schaffen. Viel Zeit bleibt also nicht mehr für die Erfolgsaussichten der von Klein anvisierten Systemänderung. Im Grunde läßt die Autorin den Leser allein, denn alle möglichen Aktivitäten geraten von ihr in die Kritik. Neben möglichen partiellen Teillösungsansätzen des Geoengineering  gerät z.B. auch der Emissionsausgleich , also die Kompensation für Flugmeilen durch Wiederaufforstung , zur Benachteiligung indigener Völker. Wie die Wende zur dekarbonisierten Wirtschaft vollzogen werden soll, bleibt freilich offen, ausser durch Aktivismus der Aktivistinnen wie sie. – Vielleicht entspricht es auch nicht dem Anliegen der Autorin, praktibable Wege für interessierte und der Thematik offene Leser aufzuzeigen! Nach der Lektüre der rund 320 Seiten kam mir der Gedanke, dass N.Kleins ureigener Antrieb ein kommerzieller sei! Ihr Buch reiht – im Deckblatt nicht angekündigt!- vergangene Vorträge und Aufsätze aus der Vergangenheit aneinander, preist ihre eigenen Aktivitäten und verweist ständig auf eigene Bücher. Ihre eigene CO2 – Bilanz dürfte keine Rolle spielen, denn den Rückgang der Korallen im Great Barrier Reef musste sie selber beim Tauschvorgang inspiziert haben, australischen Umweltschützern ist weniger zu vertrauen. Oder ihr Reisebericht über die Ausbeutung der indonesischen Arbeiterinnen bekommt nur durch die Anschaulichkeit der Unmittelbarkeit Authentizität: „Als ich  sechundzwanzig war, reiste ich nach Indonesien und auf die Philippinen, um für mein erstes Buch No Logo! zu recherchieren. Ich hatte mir lediglich vorgenommen, die Arbeiterinnen zu treffen, die die Kleidung und Elektrogeräte herstellen, die meine Freunde und ich kauften. Und das gelang mir auch. Ich verbrachte Abende auf auf dem Betonfußboden von armseligen Schlafsälen, in denen freundliche, kichernde Teenager ihre karge Freizeit verbrachten…“(S.150) Die Tantiemen dieses Buches werden für komfortablere Schlafgelegenheiten sorgen!

Ich werde weiter für unsere Website schreiben, in voraussichtlich drei Jahren alle Artikel in einem großen Band mit grünem, rot angehauchten Umschlag zusammenstellen (1 Woche Arbeit!) und dann unter dem reisserischen Titel „Green and red Deal“ veröffentlichen. Ach ja, der Preis darf sich nicht unter 25 € bewegen, also in Rifkin- und Klein-Kategorien. Meine missionarische Tätigkeit steht dabei hinter der kommerziellen Absicht, denn wie schreibt Naomi Klein auf Seite 15: „So traurig es ist, die Antwort auf die Frage „Was kann ich als Einzelperson tun, um den Klimawandel aufzuhalten“? lautet: Nichts. Sie können nichts tun.“ – Doch, sie können zumindest mit  Fakten operieren, die stimmen, aber die Autorin ordnet alle Unbillen klimatischer Ereignisse dem großen Klimakiller unter. Die Wasserknappheit in Kappstadt war eine solche Auswirkung, doch das stimmt wenn überhaupt nur partiell. Ich habe mit Menschen gesprochen, die in Kapstadt leben, der Wassermangel beruhte auf den Auswirkungen von El Nino,der durch den Klimawandel natürlich verstärkt werden könnte, aber dafür gibt es keine Beweise. Es passt auch, dass Frau Klein eine einzigartige These über die kleine Eiszeit von 1600 -1700 hervorzaubert. Gemäß einer Studie von Prof. Mark Maslin verursachte die Kleine Eiszeit das Genozid indigener Völker. Die Wissenschaftler zeigten, dass angesichts der Millionen, die durch Krankheiten ums Leben kamen oder abgeschlachtet wurden, riesige zuvor landwirtschaftlich genutzte Landstriche von Wildpflanzen und Bäumen zurückerobert wurden. Damit wurde Kohlenstoff gebunden und es folgte eine Abkühlung der Erde. Die Studie „Earth system impacts of the European arrival and great dying in the Americas after 1492, veröffentlicht im Quarternary Science Review 207 (2019), p 13-36 steht mir als pdf-Datei zur Verfügung. Nach N.Klein überzeugt die Studie, weil es ihr passt! Nicht erwähnt bleibt die gängige Erklärung des  Maunder Minimums, also dem Ausbleiben der Sonnenflecken zwischen 1650- 1720, unerwähnt auch die Unerklärlichkeit von Wetterschwankungen in der Tendenz, aber nicht durchgängig!

– Warum diese harsche Kritik an einem Buch, das die gleiche Gesinnungstendenz verfolgt?

Mit zunehmender Dauer der Lektüre zweifelte ich an der Echtheit  dieser Gesinnung!  Abgesehen von der kommerziellen und unehrlichen Vorgehensweise im Buch wird jedes und alles einer „richtigen“ weil allumfassenden Weltanschaung untergeordnet, bei der übrigens auch sozialistische Versuche der Vergangenheit schlecht wegkommen. Dem Leser bleiben nur zwei Erkenntnisse: verändert alles und macht schnell, denn wir haben keine Zeit. Rifkin und vor allem N.Klein gebähren sich als die Gurus aller Vorkämpfer gegen den Klimawandel, sie wandeln auf dem Pfad narzisstischer Führerschaft.

Ich will wissen, wie der Kampf gegen den Klimawandel realistisch zu führen ist, und ich glaube auch, dass er Verzicht bedeutet. Ich will aber Wege aufgezeichnet wissen, wie mein Nachbar dazu zu bewegen ist, die morgendlichen Brötchen beim 300 Meter entfernten Bäcker nicht mit dem Auto zu holen, sondern mit dem Fahrrad oder zu Fuß. Welche Wege können wir praktisch gehen, welche sind erfolgversprechend, welche ein Irrweg?    Dazu brauche ich keine Belehrungen über die Ausbeutung indigener Völker in der Vergangenheit und keine anschaulichen Tauchberichte über den Niedergang australischer Gewässer.

In Konsequenz verbleiben – zumindest für mich als Fazit – nur zwei Genres von Büchern, diese Problematik gängig zu thematisieren. Einmal das Sachbuch, hierzu nochmals der Hinweis auf Rahmstorf/ Schellnhuber, und der Roman, der uns in die Problematik hineintauschen läßt und uns emphatisch mitnimmt, wie z.B. der Schwarm. Rifkin und Klein kommerzialisierten-vielleicht sogar unbewußt- eine Bewegung zu ihrem persönlichen Gunsten. Ich hoffe, Greta passiert nicht das Gleiche.

Green Deal