Die nachhaltige Ernährung der Weltbevölkerung

vorgelegt als Hausarbeit am Institut für Politische Wissenschaft der RWTH-Aachen

Die vorliegende Hausarbeit möchte der Frage nachgehen wie eine nachhaltige Ernährung der Weltbevölkerung aussehen kann. Dafür ist sie in zwei Teile unterteilt. Der erste Teil der Hausarbeit geht der Frage nach, warum die industrielle Landwirtschaft nicht in der Lage ist die Menschheit nachhaltig zu ernähren, warum sie es nie gewesen ist und warum sie es auch in Zukunft nicht sein wird.

Dies wird anhand der negativen Auswirkungen dieser Art der Landwirtschaft auf die Ernährungssicherheit, die Gesundheit der Menschen, die kleinbäuerliche Landwirtschaft, die natürlichen Ressourcen und die Wissenschaft aufgezeigt. Im zweiten Teil der Hausarbeit wird dann erläutert wie eine nachhaltige Landwirtschaft aussehen könnte. Dabei wird zuerst erklärt, warum Kleinbauern der Schlüssel für eine nachhaltige Landwirtschaft sind. Im Anschluss wird die Agrarökologie und ihre Entstehungsgeschichte vorgestellt und welche Rolle sie bei einer nachhaltigen Ernährung der Weltbevölkerung spielen könnte. Schließlich werden noch einige ausgewählte Beispiele für eine erfolgreiche Umsetzung der Agrarökologie vorgestellt.

Die industrielle Landwirtschaft

Im Folgenden wird anhand von ausgewählten Bereichen aufgezeigt, wie sich die industrielle Landwirtschaft negativ auswirkt. Die industrielle Landwirtschaft hat auch noch auf viele andere Bereiche negative Auswirkungen. Diese können aber nicht alle behandelt werden, weil dies den Rahmen einer Hausarbeit sprengen würde. Im Folgenden wird sich auf die, meiner Meinung nach, wichtigsten Auswirkungen konzentriert.
Was bedeutet industrielle Landwirtschaft überhaupt? Laut dem Lexikon der Geographie handelt es sich um eine Form der Landwirtschaft bei der industriespezifische Produktionsverfahren zum Einsatz kommen (Spektrum 2018:1). Betriebe, die industrielle Landwirtschaft betreiben, zeichnet „u.a. ein hoher Spezialisierungsgrad, die Verwendung technischer Verfahren, ein hoher Kapitaleinsatz und der Übergang zur standardisierten Massenproduktion“ aus (Spektrum 2018:1). Dabei muss „zwischen der Industrialisierung des Produktionsprozesses und der Herausbildung von Betriebsformen, die industriellen Charakter haben“ unterschieden werden (Spektrum 2018:1). Es gibt vier Ursachen für den Prozess der Industrialisierung. Erstens wurden Agrartechnologien entwickelt, die u.a. zu einer Mechanisierung der Landwirtschaft geführt haben. Zweitens wurden industrielle Verfahrensweisen erforscht und die Betriebe in dem Einsatz dieser beraten. Drittens förderte eine gezielte Agrarpolitik sowie eine auf die industrielle Landwirtschaft zugeschnittene Steuergesetzgebung diese Form der Landwirtschaft. Viertens kam es zu Konzentrationsprozessen in der Nahrungsmittelindustrie und im Lebensmittelhandel (Spektrum 2018:1).

Auswirkungen auf die Ernährungssicherheit

Im Jahr 2017 waren laut der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (FAO) weltweit knapp 821 Millionen Menschen chronisch unterernährt. Das sind fast 11% der Weltbevölkerung bzw. einer von neun Menschen (FAO 2018a:XII). Bis zum Jahr 2014 sank die Anzahl der Unterernährten kontinuierlich, wie Abbildung 1 zeigt. Seit dem Jahr 2015 steigt sie aber wieder an (FAO 2018a:3). Laut der FAO litten darüber hinaus im Jahr 2013 mehr als zwei Milliarden Menschen an einer Mangelernährung. Das bedeutet, dass sie ein Defizit an mindestens einem Mikronährstoff aufweisen (FAO 2013:IX). Im Gegensatz dazu reicht die landwirtschaftliche Produktion nicht nur aus, um alle Menschen auf der Erde zu ernähren, sondern es könnten sogar 12 bis 14 Milliarden Menschen ernährt werden. Im Jahr 2017 standen jedem Menschen rein rechnerisch 2.904 Kilokalorien (kcal) zur Verfügung. Im Jahr 2000 waren es noch 2.716 kcal (FAO 2018b:1).
Mindestens zwei Drittel der unterernährten Menschen lebt auf dem Land (Löwenstein 2011:27), eine andere Quelle spricht sogar von mehr als 70% (Haerlin 2013:4). Der Rest der Unterernährten lebt überwiegend in Megastädten (Haerlin 2013:6). Die Ursachen für den Hunger sind vielfältig und bedingen bzw. verstärken sich teilweise gegenseitig. Eine der Hauptursachen besteht darin, dass die Menschen häufig kein Land besitzen (Löwenstein 2011:27). Aber auch wenn sie Land besitzen, werden sie häufig Opfer, insbesondere in Ländern des globalen Südens, des sogenannten Landgrabbings (Löwenstein 2011:27). Landgrabbing bezeichnet den Kauf oder die Pacht von Agrarflächen durch v.a. private aber auch staatlichen Investoren sowie Agrarunternehmen mit dem Ziel auf diesen Flächen Agrarrohstoffe anzubauen. Hierbei befinden sich die Verkäufe häufig in einem rechtlichen Graubereich (Haerlin 2013:16). Laut der Internetseite „landmatrix.org“ sind seit dem Jahr 2000 Agrarflächen mit einer Gesamtfläche von mehr als 49 Millionen Hektar an Investoren gegangen. Dies entspricht einer Fläche, die mehr als fünfmal so groß ist wie der Staat Portugal (Land Matrix 2019:1). Eine andere wichtige Ursache für Hunger ist ein zu geringes Einkommen (Löwenstein 2011:27). Das führt dazu, dass sich die Menschen keine Lebensmittel kaufen können, wenn sie z.B. nicht genug geerntet oder Ernteausfälle zu verzeichnen haben (Haerlin 2013:4). Darüber hinaus führt es dazu, dass sich die Menschen keine oder nicht ausreichende Produktionsmittel leisten können. Des Weiteren können sie sich keine Lagermöglichkeiten für ihre Agrarerzeugnisse leisten (Haerlin 2013:4). Schätzungen zufolge gehen bspw. „10 bis 30% des weltweit geernteten Getreides nach der Ernte durch Schädlingsfraß, Pilzbefall oder Feuchtigkeit verloren“ (Löwenstein 2011:33).


Die Einkommenssituation v.a. der Kleinbauern verschlechtert sich auch durch „die Abhängigkeit von den Lieferanten ihrer Betriebsmittel“ (Löwenstein 2011:31). Ein anderes Problem ist auch, dass der Handel von Agrarrohstoffen an den Börsen dazu führt, dass Grundnahrungsmittel verteuert werden (Löwenstein 2011:29). Eine weitere Ursache für Hunger ist das fehlende Wissen der Bauern bzw. ihr Zugang zur Erlangung von Wissen (Haerlin 2013:4), „denn die Abfolge von falscher landwirtschaftlicher Nutzung, Erosion und Exodus hat sich im Lauf der Menschheitsgeschichte oft und oft wiederholt“ (Löwenstein 2011:37). Erosion führt u.a. zum Verlust von fruchtbaren Böden, was wiederum die Erträge der Landwirtschaft verringert und dadurch den Hunger verstärkt (Löwenstein 2011:41). Naturkatastrophen sind eine weitere Ursache für Hunger und stellen zeitweise die Hauptursache dar (Löwenstein 2011:28).

Abbildung 1: Entwicklung der Anzahl der Unterernährten von 2005 bis 2017 (FAO 2018a:3).

Auswirkungen auf die Gesundheit

Weltweit sind deutlich mehr Menschen übergewichtig als unterernährt. Laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) war im Jahr 2016 39% der erwachsenen Weltbevölkerung (über 18 Jahre) übergewichtig. 13% der erwachsenen Weltbevölkerung ist krankhaft fettleibig. Der Großteil der Weltbevölkerung lebt in Ländern, in denen mehr Menschen in Folge von Übergewicht und Fettleibigkeit sterben als durch Unterernährung (WHO 2018:1). Im Weltagrarbericht heißt es (IAASTD 2009b:54):
Gut 85% der Menschheit sind zwar ausreichend mit Proteinen und Energie versorgt, aber nur zwei Drittel mit genügend Vitaminen und essenziellen Mineralstoffen. Die Versorgung der armen Bevölkerung mit vielen dieser Nährstoffe hat sich verschlechtert. Dies ist die Folge verminderter Ernährungsvielfalt durch verstärkte Monokulturen von Grundnahrungsmitteln (Reis, Weizen und Mais) und des Verlustes einer Reihe nährstoffreicher Pflanzen in lokalen Ernährungssystemen.
Da die industrielle Landwirtschaft auf Monokulturen setzt, ist die Mangelernährung eine direkte Folge dieser Form der Landwirtschaft. Zusammen mit der Unter- und Überernährung ist die Fehlernährung schon heute die Hauptursache für nicht ansteckende Krankheiten und betrifft die Hälfte der Weltbevölkerung (Haerlin 2013:7). Der Einsatz von Pestiziden in der industriellen Landwirtschaft steht im Verdacht bei Landwirten das Risiko für eine Parkinsonerkrankung zu erhöhen (Löwenstein 2011:134). Außerdem sterben jährlich mindestens 40.000 Menschen an den Folgen einer Pestizidvergiftung, wobei die Dunkelziffer hierbei sehr hoch eingestuft wird (Löwenstein 2011:135). Insgesamt zählt die Landwirtschaft zu den drei gefährlichsten Berufen weltweit. Mindestens 170.000 Landwirte sterben jährlich durch Arbeitsunfälle (Haerlin 2013:8). „Hauptursache sind Unfälle mit Maschinen, Vergiftungen mit Pestiziden oder anderen Agrarchemikalien, aber auch physische Überbelastung, Lärm, Staub, Allergien und von Tieren übertragene Krankheiten“ (Haerlin 2013:8). Darüber hinaus führt der Einsatz von Antibiotika in der industriellen Landwirtschaft zu einer steigenden Resistenz der Keime (IAASTD 2009a:198). So werden global die Hälfte der Antibiotika in der industriellen Tierhaltung eingesetzt (Löwenstein 2011:142). Interessant ist auch der starke Anstieg von Allergien und Unverträglichkeiten, insbesondere in Ländern, in denen die industrielle Landwirtschaft am stärksten verbreitet ist. In den USA und dem Vereinigten Königreich leiden z.B. 30% der Erwachsenen an Heuschnupfen. Diese Krankheit kam in diesen Ländern vor 200 Jahren praktisch gar nicht vor (Löwenstein 2011:136).

Auswirkungen auf die kleinbäuerliche Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist auch im 21. Jahrhundert noch die wichtigste Einkommensquelle für die Mehrheit der Menschheit (Haerlin 2013:21). „Ein Drittel aller arbeitenden Menschen ist in der Landwirtschaft beschäftigt“ (Haerlin 2013:21). Dass die industrielle Landwirtschaft v.a. den Kleinbauern und Subsistenzlandwirten ihre Lebensgrundlage entzieht, zeigt sich beispielhaft in Ländern, in denen der Großteil der Landwirtschaft industrialisiert worden ist. So hat sich die Anzahl der landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland von ca. 904.700 Betriebe im Jahr 1975 auf etwa 266.700 Betriebe im Jahr 2018 reduziert (Statista 2018:25). Damit einhergehend stieg die durchschnittliche Fläche, die ein Betrieb bewirtschaftet von 11,1 Hektar im Jahr 1970 auf 60,5 Hektar im Jahr 2016 (BMEL 2018:7).
Die industrielle Landwirtschaft wird auch als landwirtschaftliche Tretmühle bezeichnet. Diese funktioniert folgendermaßen: Ein Bauer, der als erster eine neue Technologie nutzt, die günstiger oder produktiver ist, als die, die die anderen Bauern nutzen, verdient nur bis zu einem bestimmten Zeitpunkt mehr als seine Konkurrenten. Fangen nämlich seine Konkurrenten ebenfalls an die neue Technologie einzusetzen, wird die Produktion erhöht, was wiederum zu sinkenden Preisen führt. In der Folge verdienen dann alle Bauern, die die neue Technologie nicht einsetzen, weniger (IAASTD 2009a:73). Ein Betrieb, der unter den Bedingungen der industriellen Landwirtschaft tätig ist, muss die Fläche, die er bewirtschaftet vergrößern. Da der Boden aber eine endliche Ressource ist, kann er nur in seltenen Fällen vermehrt werden. Außerdem wird diese Ressource in der Regel nicht nach den marktwirtschaftlichen Prinzipien von Angebot und Nachfrage gehandelt (Haerlin 2013:21).
Ein weiterer Umstand, der insbesondere die Kleinbauern bedroht, die Lebensmittel für den Weltmarkt produzieren, ist die staatliche Subventionierung. Hiervon profitieren vor allem die industriellen Landwirtschaftsbetriebe, aber auch Unternehmen, die mit Lebensmitteln handeln oder sie verarbeiten. Dabei werden nicht nur einzelne landwirtschaftliche Produkte subventioniert, sondern auch Betriebe oder Produktionsformen sowie der Export. Diese Subventionierung hat einen großen Einfluss auf die Weltmarktpreise landwirtschaftlicher Waren und auf die Herstellungskosten. Im Jahr 2012 beliefen sich die Subventionen weltweit auf 415 Milliarden US-Dollar (Haerlin 2013:22).
Kleinbauern, die versuchen industrielle Landwirtschaft zu betreiben, sind häufig auf Kredite angewiesen, um die Produktionsmittel dafür zu erwerben. Dabei erhalten sie diese Kredite in der Regel zu sehr schlechten Konditionen. Sie können die Kredite nur solange bedienen, wie sie keine Missernten haben. Sobald sie eine Missernte zu verzeichnen haben, verdienen sie nicht genug, um ihre Familien zu ernähren und gleichzeitig die Kredite zu bedienen. In der Folge hungern ihre Familien und in einigen Fällen begehen die Bauern sogar Selbstmord, weil sie keinen anderen Ausweg mehr sehen. Zu Selbstmordwellen kam es v.a. in Indien (Löwenstein 2011:160).

Auswirkungen auf die natürlichen Ressourcen

Im Folgenden wird betrachtet, welche Rolle die industrielle Landwirtschaft bei der Ausbeutung der natürlichen Ressourcen spielt. Es soll anhand der Atmos-, Bio-, Hydro- und Pedosphäre aufgezeigt werden, welche negativen Folgen die industrielle Landwirtschaft hervorruft und warum sie nicht in der Lage ist die natürlichen Ressourcen nachhaltig zu nutzen.

Auswirkungen auf die Atmosphäre

Die Landwirtschaft ist einer der größten Emittenten von Treibhausgasen. Sie stößt direkt 5.100 bis 6.100 Millionen Tonnen CO²-Äquivalenten pro Jahr aus (Pye-Smith 2011:9). Von allen anthropogen verursachten Treibhausgasemissionen liegt der Anteil der Landwirtschaft und durch sie veränderte Landnutzung bei 31 Prozent (Haerlin 2013:34). „Verarbeitung, Transport, Kühlung, Erhitzung, Zubereitung und Entsorgung von Lebensmitteln hinzugerechnet (…), ergibt sich daraus, dass über 40 Prozent aller Emissionen davon abhängen, wie wir uns ernähren und Landwirtschaft betreiben“ (Haerlin 2013:34). Die Landwirtschaft ist vor allem für den Ausstoß von Treibhausgasen verantwortlich, die einen deutlich höhere Klimawirkung haben, als CO². So stammen 47 Prozent der Methan- und 58 Prozent der Lachgas-Emissionen aus der Landwirtschaft (Pye-Smith 2011:9). Zwischen 1990 und 2005 sind die Emissionen von Methan und Lachgas aus der Landwirtschaft um 17 Prozent gestiegen. Bis zum Jahr 2030 wird ein weiterer Anstieg dieser Emissionen von 35 bis 60 Prozent erwartet, besonders durch die steigende Nutzung von Stickstoffdünger und einem wachsenden Tierbestand (Bellarby et al. 2008:6).
Die Emissionsquellen für die Treibhausgase aus der Landwirtschaft sind zahlreich. Einige davon, wie die Erzeugung und Nutzung von Mineraldüngern und Pestiziden sowie der Einsatz von Maschinen gehen direkt auf das Konto der industriellen Landwirtschaft (Haerlin 2013:34). So beträgt die Weltproduktion von mineralischem Stickstoff z.B. 100 Millionen Tonnen pro Jahr. Um diese Menge zu produzieren sind 200 Millionen Tonnen Erdöl nötig (Löwenstein 2011:123). Weitere Quellen sind die Umwandlung von Wäldern und Grünland in Ackerflächen, die Verdauung von Wiederkäuern, organischer Dünger, das Verbrennen von Ernterückständen, der Nassreisanbau und die Bewässerung (Haerlin 2013:34). Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Intensität eines Bewirtschaftungs-systems und der Höhe der Treibhausgasemissionen: Je intensiver eine Agrarfläche bewirtschaftet wird, desto mehr Treibhausgase werden emittiert (IAASTD 2009b:47).
Das ein Großteil der Treibhausgasemissionen der Landwirtschaft eingespart werden könnten, zeigen allein die Verluste und die Verschwendung in der Lebensmittelkette. Abbildung 2 zeigt, dass von 4.600 Kilokalorien essbarer Feldfrüchte nur 2.000 Kilokalorien beim Verbraucher ankommen. Es gehen also 56 Prozent auf dem Weg vom Feld in den Haushalt verloren. Ein größerer Teil der Verluste geht auf die Tierfütterung zurück, der kleinere Teil auf die Verteilung bzw. den Transport und die Entsorgung (Haerlin 2013:35).

Abbildung 2: Verluste und Verschwendung in der Lebensmittelkette (Haerlin 2013:35).


Auswirkungen auf die Biosphäre

Bei den Auswirkungen der industriellen Landwirtschaft auf die Biosphäre muss zwischen den Folgen für die Agrobiodiversität und denen für die natürliche Biodiversität unterschieden werden. Grundsätzlich reduziert die industrielle Landwirtschaft die Agrobiodiversität, indem sie nur eine sehr geringe Anzahl an Viehrassen und Pflanzensorten einsetzt. Außerdem sind eine ganze Reihe von landwirtschaftlichen Produktionssystemen durch die vermehrte Massenproduktion von einigen wenigen Feldfrüchten verloren gegangen. Global betrachtet haben beim Nutztierbestand ein paar sehr ertragreiche Rassen, die dem industriellen Produktionssystem angepasst worden sind, die meisten lokalen Rassen ersetzt. Es gibt zurzeit noch 7.616 Nutztierrassen weltweit. Davon werden 6.536 Rassen nur lokal gezüchtet, was bedeutet, dass es sie nur in einem einzigen Land gibt. Von diesen lokalen Rassen sind 20 Prozent vom Aussterben bedroht. Im Zeitraum von 2001 bis 2007 sind schon 62 Rassen ausgestorben. Durch diese Reduzierung der Vielfalt sinkt der Genpool, wodurch es schwieriger wird in Zukunft neue Rassen zu züchten. Das stellt insbesondere vor dem Hintergrund des Klimawandels und den damit veränderten Umweltbedingungen ein großes Risiko dar (IPES 2016:21). Die Konzentration auf die sechs Feldfrüchte Weizen, Mais, Gerste, Roggen, Hafer und Reis hat die Möglichkeit einer gesunden Ernährung der Weltbevölkerung deutlich verschlechtert (Löwenstein 2011:122).
Die industrielle Landwirtschaft hat einen großen Anteil an dem Rückgang der natürlichen Biodiversität, wobei die Umwandlung von natürlichen Ökosystemen in Ackerflächen den größten Anteil ausmacht. In Abbildung 3 sind die planetaren Systeme und ihre Grenzen dargestellt. Es zeigt sich, dass der Verlust an Biodiversität die Grenze deutlich überschritten hat. Die Rate, mit der die Arten aussterben, liegt heute um den Faktor 100 bis 1.000 höher als die als natürlich angesehene (Rockström et al. 2009:474). Durch die industrielle Landwirtschaft ist der Beitrag, den die Landwirtschaft für die Erhaltung von natürlichen Ökosystemen leistet, deutlich zurückgegangen. Besonders problematisch dabei ist der weltweite Rückgang von Bestäubern. Dieser Rückgang ist auf eine landwirtschaftliche Intensivierung, die Zerstückelung von Lebensräumen und den Einsatz von Pestiziden, darunter insbesondere der Neonicotinoide, zurückzuführen. Die Populationen an Bienen, Fliegen, Faltern, Fledermäusen und Vögeln bestäuben nicht nur die Pflanzen, sondern leisten auch einen wichtigen Beitrag bei der Bekämpfung von Schädlingen. Auf Monokulturen ist das Vorkommen von Bestäubern deutlich geringer als auf Feldern, auf denen sich auch Futtermittel und Nistplätze für diese befinden (IPES 2016:22). Gravierend ist hierbei insbesondere der Rückgang der Bienenpopulationen weltweit, da Bienen die Mehrheit der Feldfrüchte bestäuben, die von Menschen angebaut werden (Löwenstein 2011:119). Zum Beispiel hat sich in den USA der Bestand von den vier am häufigsten vorkommenden Bienenarten in den letzten Jahrzehnten um etwa 96 Prozent verringert (Löwenstein 2011:118). Bienen leisten mit der Bestäubung weltweit einen wirtschaftlichen Beitrag im Wert von 224 Milliarden US-Dollar (Löwenstein 2011:119).

Abbildung 3: Die planetaren Systeme und ihre Grenzen (Rockström et al. 2009:472).

Auswirkungen auf die Hydrosphäre

Die Landwirtschaft ist mit einem Anteil von 70 Prozent der größte Verbraucher von Süßwasser weltweit. Ihr Verbrauch hat sich in den letzten 50 Jahren verdreifacht und es wird davon ausgegangen, dass der Verbrauch bis 2050 um weitere 19 Prozent ansteigt. Dabei nutzt die Landwirtschaft das meiste Wasser zur Bewässerung (Haerlin 2013:31). Global betrachtet, werden „40 Prozent aller Lebensmittel (…) auf künstlich bewässerten Flächen angebaut“ (Haerlin 2013:31). Die industrielle Landwirtschaft verbraucht aus mehreren Gründen mehr Wasser als andere Formen der Landwirtschaft. Erstens ist die Bodenqualität schlechter und das Ackerland liegt länger brach, was dazu führt, dass der Wasserabfluss größer ist und weniger Wasser im Boden gespeichert wird. Zweitens verbrauchen tierische Produkte aus industrieller Produktion deutlich mehr Wasser als aus Weidehaltung. Und drittens werden in der industriellen Landwirtschaft Agrarflächen teilweise im riesigen Maßstab bewässert, was zu einer Übernutzung des Grundwassers führt (IPES 2016:20f).
Deutlich gravierender als die Übernutzung des Süßwassers ist aber dessen Verschmutzung durch die industrielle Landwirtschaft (Haerlin 2013:31). Monokulturen über weite Flächen erhöhen den Abfluss von Regenwasser und die Bodenerosion, was zu einer großflächigen Verschmutzung von Böden und Gewässern führt. Darüber hinaus hat die übermäßige Düngung mit Pflanzennährstoffen, dabei insbesondere Nitrat und Phosphat, ebenfalls eine Verschmutzung von Gewässern zur Folge. Industrielle Landwirtschaft, die an Flussmündungen oder an Küsten betrieben wird, hat einen negativen Einfluss auf das marine Leben, was sich u.a. durch niedrigere Erträge bei Küstenfischern niederschlägt. Außerdem sind an einigen Flussmündungen durch den Eintrag von Düngemitteln und Pestiziden sogenannte „Todeszonen“ entstanden (IPES 2016:19). Die industrielle Landwirtschaft trägt auch durch die industrielle Massentierhaltung zur Verschmutzung von Gewässern bei. Der Gülle, die dabei entsteht, wird zu einem Problem, wenn nicht genügend Ackerflächen zur Verfügung stehen auf denen sie ausgebracht werden könnte. Wird dann zu viel Gülle auf einer Ackerfläche ausgebracht, wird sie zum einen durch Niederschläge fortgespült zum anderen versickert sie ins Grundwasser. Das kann viele verschiedene negative Folgen haben, u.a. die Vermehrung von Bakterien (IPES 2016:20).

Auswirkungen auf die Pedospähre

Auf der Erde sind 23 Prozent aller bewirtschafteten Böden degradiert (IAASTD 2009a:40). Laut einer Schätzung der Vereinten Nationen sind „zwischen 1950 und 1990 ein Drittel aller fruchtbaren Böden weltweit durch Degradation verlorengegangen“ (Löwenstein 2011:41). Zurzeit gibt es einen jährlichen Verlust von 12 Millionen Hektar fruchtbarer Böden (IPES 2016:19). Wissenschaftler schätzen, dass die Bodenerosion Kosten im Wert von 400 Milliarden US-Dollar pro Jahr verursacht. Dabei sind sowohl die Kosten für die Bauern enthalten als auch indirekte Kosten für Wasserwege, Infrastruktur und die Gesundheit (IAASTD 2009a:518).
„Zu den wichtigsten Degradierungsprozessen gehören Erosion, Versalzung, Staunässe, Verdichtung, Verhärtung, Versauerung, Verlust organischer Substanz, Nährstoffverlust, biologische Verarmung und Vergiftung des Bodens“ (IAASTD 2009a:40). Alle Prozesse, die zur Degradierung von Böden beitragen, werden von der Landwirtschaft beeinflusst (IAASTD 2009a:40). Monokulturen und der Einsatz von Maschinen gelten als die Hauptursachen für die Degradierung (IPES 2016:18). Eine besonders gefährliche Entwicklung stellt die zunehmende Versalzung von Böden dar. Diese wird durch falsche Bewässerung ausgelöst und macht den Boden unfruchtbar (Löwenstein 2011:39). Wenn die aktuelle Entwicklung sich fortsetzt, wird im Jahr 2050 die Hälfte der bewässerten Agrarflächen von Versalzung betroffen sein (IPES 2016:19).

Auswirkungen auf die Wissenschaft

Die Forschung im Bereich der industriellen Landwirtschaft hat in der Regel nur ein Ziel: den wirtschaftlichen Gewinn zu maximieren (Haerlin 2013:40). Dabei werden die Folgen für die Umwelt und die Gesundheit sowie die Gesellschaft, egal ob sie positiv oder negativ sind, nicht berücksichtigt (IAASTD 2009a:497). Konkret funktioniert die Forschung nach dem folgenden Prinzip, es wird auch das Technologie-Transfer-Modell genannt: Wissenschaftler entwickeln eine technische Lösung für ein von ihnen vorher definiertes Problem. Anschließend wird diese neue Technologie den Bauern von Beratern erläutert, welche sie dann einsetzen (Haerlin 2013:40). Kritisch ist der zunehmende Einfluss der Agrarindustrie auf die Wissenschaft zu sehen und zwar indem sie universitäre Forschung direkt finanziert. Dabei knüpft die Industrie ihre Finanzierung an Bedingungen, die einer unabhängigen Forschung zuwiderlaufen. In vielen Fällen behält sich das geldgebende Unternehmen vor alle Forschungsergebnisse als erstes patentrechtlich zu verwerten. Darüber hinaus wird das Recht zur Veröffentlichung der Ergebnisse sowie der Austausch dieser eingeschränkt. Dadurch werden wissenschaftliche Ergebnisse praktisch privatisiert (IAASTD 2009a:72).
Besonders stark ist der Einfluss der Agrarindustrie auf die grüne Gentechnologie. 95 Prozent aller Wissenschaftler, die in diesem Bereich tätig sind, werden von der Industrie bezahlt. Gleichzeitig wird die Forschung der unabhängigen Wissenschaftler vonseiten der Gentechnikindustrie torpediert, indem sie ihnen ihr Saatgut entweder gar nicht oder nur unter Bedingungen, die die Forschung einschränkt, zur Verfügung stellt (Kreiß 2015:69f). Dies führt dazu, dass es kaum unabhängige Studien zu der grünen Gentechnologie gibt. Die staatlichen Behörden erteilen die Zulassungen dann meist ausschließlich auf Basis der herstellereigenen Studien (Kreiß 2015:69).

Eine nachhaltige Landwirtschaft

Nachdem im ersten Teil der Hausarbeit aufgezeigt worden ist, warum die industrielle Landwirtschaft nicht in der Lage ist die Menschheit zu ernähren, soll im folgenden Teil dargestellt werden, wie eine nachhaltige Landwirtschaft konkret aussehen kann. Dabei soll zuerst die kleinbäuerliche Landwirtschaft betrachtet werden und warum in ihr der Schlüssel zum Erfolg liegt. Im Anschluss wird die Agrarökologie vorgestellt und wie durch sie Ernährungssouveränität und eine globale Ernährungssicherung gewährleistet werden kann. Abschließend werden einige ausgewählte agrarökologische Maßnahmen vorgestellt.

Kleinbäuerliche Landwirtschaft

Dass der Schlüssel zum Erfolg für eine nachhaltige Erzeugung von Lebensmitteln gerade in der kleinbäuerlichen Landwirtschaft liegt, zeigt allein schon der Umstand, dass Kleinbauern immer noch 70 Prozent der von der Weltbevölkerung konsumierten Lebensmittel erzeugen (Löwenstein 2011:170). Darüber hinaus ist „die Produktivität pro Fläche und Energieverbrauch in kleinen, diversifizierten Bauernhöfen viel höher (…) als in intensiven Bewirtschaftungssytemen in bewässerten Gebieten“ (IAASTD 2009b:22). Aus diesen Gründen ist eine Stärkung der kleinbäuerlichen Landwirtschaft durch Investitionen das beste Mittel, um die weltweite Unter- und Fehlernährung zu beseitigen und gleichzeitig die Belastungen der Landwirtschaft für die Natur zu reduzieren (Haerlin 2013:23). Bei der industriellen Landwirtschaft wird der Schwerpunkt auf die Kulturen gelegt, mit denen der höchste Ertrag erzielt werden kann. Im Gegensatz dazu sollten die Kleinbauern auf andere Prioritäten setzen. Die oberste Priorität sollte zuallererst die ausreichende und vor allem gesunde Ernährung der Familie haben. An zweiter Stelle sollte die Ernährung der Nutztiere stehen, da diese eine Absicherung für die Familie in Notsituationen darstellen. Drittens muss der Boden „ernährt“ werden, sprich so genutzt werden, dass er langfristig die Erträge der Familie sichert. Zu guter Letzt sollte es um die Ernährung des Marktes gehen, damit die Familie ein Einkommen hat (Löwenstein 2011:181).
Die kleinbäuerliche Landwirtschaft kann auf vielfältige Art und Weise gestärkt werden. Am wichtigsten ist dabei, dass die Kleinbauern Rechtssicherheit bzgl. des Grund und Bodens haben, auf dem sie leben und den sie bewirtschaften. Darüber hinaus brauchen sie ausreichend Wasser, Werkzeuge und Geld, um überhaupt sinnvoll wirtschaften zu können (Haerlin 2013:23). Eine auf die Kleinbauern zugeschnittene Infrastruktur sollte aus „Brunnen, Straßen, einer Gesundheitsversorgung, Bildungs- und Beratungseinrichtungen sowie Kommunikationsmitteln“ bestehen (Haerlin 2013:23). Eine solche Infrastruktur sollte am besten von staatlicher Seite zur Verfügung gestellt werden. Darüber hinaus müssen ausreichend Lager- und Transportmöglichkeiten geschaffen werden, damit die Kleinbauern lokale und regionale Märkte versorgen können. Außerdem brauchen die Kleinbauern Kredite zu fairen Konditionen, um investieren zu können sowie bezahlbare Versicherungen, die sie bei Missernten absichern (Haerlin 2013:23). In Bezug auf die Anbaumethoden können die Erträge der Kleinbauern durch „meist einfache Technologien und Kenntnisse, geeigneteres Saatgut und eine Vielzahl agrarökologischer Strategien“ deutlich gesteigert werden (Haerlin 2013:23).

Agrarökologie

Eine allgemeingültige Definition von der Agrarökologie gibt es nicht, weil es sich hierbei um mehr als eine rein wissenschaftliche Disziplin handelt. Darunter wird auch eine landwirtschaftliche Praxis verstanden, aber auch eine globale Bewegung, die dieses Konzept, insbesondere seit den 80er Jahren des 20. Jahrhunderts, verbreitet (Haerlin 2013:28). Grob vereinfacht, handelt es sich bei der Agrarökologie um Systeme, die zuallererst wissensintensiv sind. Darüber hinaus versuchen sie mit möglichst wenigen oder überhaupt keinen externen synthetischen Produktionsmitteln innerhalb eines Betriebes oder zwischen benachbarten Betrieben Kreisläufe zu schaffen und dabei sowohl einen gesunden Boden zu schaffen als auch gesunde Lebensmittel zu produzieren (IAASTD 2009a:67). Wissensintensiv bedeutet hierbei, dass die Agrarökologie zum einen auf traditionelles und lokales Wissen und zum anderen auf moderne Wissenschaft setzt (Haerlin 2013:28). Die Wissenschaftler und Kleinbauern sollen sich auf Augenhöhe begegnen und voneinander lernen (Löwenstein 2011:186). Die Agrarökologie ist eine interdisziplinäre Wissenschaft, die unterschiedliche Disziplinen wie Ökologie, Biologie, Agrarwissenschaften, Ernährungskunde, Medizin und Sozialwissenschaften zusammenbringt (Haerlin 2013:28). „Agrarökologie setzt auf die Einbeziehung des Wissens aller Beteiligten. Entscheidend ist deren praktischer Beitrag zur Lösung komplexer Probleme mit den vor Ort verfügbaren Ressourcen“ (Haerlin 2013:28). Es ist wichtig zu betonen, dass es bei der Agrarökologie nicht darum geht eine vorindustrielle Landwirtschaft zu betreiben und auch nicht eine industrielle Landwirtschaft, die einfach keine Chemikalien verwendet (Löwenstein 2011:169).
Auf externe Produktionsmittel zu verzichten, bedeutet zuerst einmal mit den natürlich vorhandenen Ressourcen wie der Sonne, dem Wasser und dem Boden sowie der Arten- und Sortenvielfalt zu arbeiten (Haerlin 2013:28). Dünger, ein Produktionsmittel, das in der industriellen Landwirtschaft zugekauft werden muss, wird in der Agrarökologie aus Kompost selbst hergestellt. Dieser soll den Humusgehalt im Boden erhöhen, was viele verschiedene positive Auswirkungen hat. So wird z.B. die Erosion verringert oder auch mehr CO² im Boden gespeichert (Löwenstein 2011:194).
Es stellt sich natürlich die Frage, ob mit einer agrarökologischen Landwirtschaft die Weltbevölkerung ernährt werden könnte. Es ist grundsätzlich besser von Ernährungssouveränität und von globaler Ernährungssicherung zu sprechen als von Welternährung. Da der Großteil der unterernährten Menschen auf dem Land leben und die meisten davon Kleinbauern sind, sollte das oberste Ziel sein, dass sich diese Menschen möglichst selbst ernähren können (Löwenstein 2011:208). Dies ist durch eine agrarökologische Landwirtschaft zu erreichen, weil sie „eine höhere Energieeffizienz und bessere Produktionseffizienz pro Fläche erreicht als die konventionelle industrielle Landwirtschaft“ (IAASTD 2009a:67). Kalkulationen zeigen, dass mit der Agrarökologie zwischen 2.640 und 4.380 Kilokalorien pro Person am Tag erzeugt werden können (IAASTD 2009a:67). Das bedeutet einen Zuwachs der Nahrungsmittelproduktion um bis zu 50 Prozent im Vergleich zu heute (Löwenstein 2011:209). Da die agrarökologische Landwirtschaft deutlich weniger maschinelle Arbeitskraft einsetzt als die industrielle, kann diese Form der Landwirtschaft eine Chance insbesondere für Länder sein, in denen es nicht genug Arbeitsplätze außerhalb der Landwirtschaft gibt (IAASTD 2009a:67).

Beispiele für Agrarökologie

Im folgenden Abschnitt sollen einige Beispiele für die erfolgreiche Implementierung von agrarökologischen Maßnahmen aufgezeigt und deren Auswirkungen dargestellt werden.
Es gibt nur sehr wenige Langzeitstudien, die die Produktivität der agrarökologischen mit der industriellen Landwirtschaft vergleichen. Eine der wenigen solcher Studien, die über einen Zeitraum von 30 Jahren die Erträge von Mais und Sojabohnen in den beiden Anbaumethoden in den USA erhoben hat, ist zu dem Ergebnis gekommen, dass die Erträge insgesamt gleich hoch waren. Die agrarökologische Landwirtschaft konnte dabei insbesondere in trockenen Jahren höhere Erträge vorweisen als die industrielle. Eine andere Studie, die 286 agrarökologische Projekte in 57 Entwicklungsländern ausgewertet hat, konnte hingegen aufzeigen, dass die Bauern die Produktivität im Durchschnitt um 79 Prozent steigern konnten (IPES 2016:31).
Ein sehr erfolgreiches Beispiel für die Einführung der agrarökologischen Landwirtschaft ist der Inselstaat Haiti. Dort wurde im Jahr 1985 eine Nichtregierungsorganisation mit dem Ziel gegründet die Situation der Menschen in allen Bereichen zu verbessern. Zunächst wurden die Bauern nur mit hochwertigem Saatgut versorgt. Dann wurden auch Sorten entwickelt werden, die an die lokalen Bedingungen angepasst sind (Löwenstein 2011:175f). Daraus entwickelte sich ein Programm, bei dem es darum ging „Beratung zu organisieren und den Menschen zu helfen, ein System landwirtschaftlicher Nutzung zu etablieren, dass eine durchgehende Selbstversorgung, dauerhaftes Bareinkommen, das Ende der Erosion und den Aufbau der Bodenfruchtbarkeit ermöglicht“ (Löwenstein 2011:176). Durch dieses Programm konnten die Bauern ihre Erträge verdoppeln, teilweise sogar verdreifachen (Löwenstein 2011:177). Ein weiterer Erfolg dieses Programms besteht darin, dass das Selbstbewusstsein der Bauern sich gesteigert hat und sie sich nicht mehr schämen Landwirtschaft zu betreiben (Löwenstein 2011:184). Inzwischen setzen mehr als 12.000 Familien im Süden Haitis auf die agrarökologische Landwirtschaft (Löwenstein 2011:183).
Auch auf den Philippinen wurden mit der agrarökologischen Landwirtschaft große Erfolge erzielt. Im Jahr 1985 gründeten Bauern und Wissenschaftler gemeinsam die Organisation MASIPAG um, „auf der Grundlage der traditionellen Sorten eigene, an die lokalen Bedingungen angepasste Reissorten zu züchten“ (Löwenstein 2011:187). So wurden bis heute mehr als 2.000 lokale Sorten gezüchtet und die Organisation ist in fast der Hälfte aller Provinzen des Landes tätig. In 672 Basisgruppen haben sich etwa 35.000 Bauern mit ihren Familien zusammengeschlossen. MASIPAG züchtet inzwischen nicht mehr nur Reissorten, sondern entwickelt die Agrarökologie zusammen mit den Bauern stetig weiter (Löwenstein 2011:188). Eine Studie aus dem Jahr 2009, die die ökologisch wirtschaftenden Betriebe mit denen, die industrielle Landwirtschaft betreiben verglich, kam zu dem Schluss, dass die Agrarökologie die Lebensbedingungen der Bauern in allen Bereichen deutlich verbessert hatte. Für die Studie wurden in den Jahren 2007 und 2008 840 ausgewählte und vergleichbare Betriebe nach der Veränderung ihrer Situation seit dem Jahr 2000 befragt (Löwenstein 2011:189). So gab die Mehrheit der Ökobauern an, dass sich ihre Ernährungssituation und -unabhängigkeit deutlich verbessert habe. Unter den konventionellen Bauern sahen das noch nicht einmal die Hälfte so. Darüber hinaus sagten die Ökobauern, dass sie sich nun viel gesünder und ausgewogener ernähren würden. Ähnlich deutlich war das Bild auch in Bezug auf die ökonomische Situation. Die ökologisch wirtschaftenden Betriebe konnten ihre Eigenkapital kontinuierlich steigern, während die konventionellen Betriebe eine Abnahme zu verzeichnen hatten. Außerdem nahm bei den Ökobauern der Anteil derjenigen ab, die verschuldet waren. In Bezug auf die Reiserträge je Hektar konnte zwischen den ökologisch und industriell wirtschaftenden Betriebe kein Unterschied festgestellt werden. Die Studie machte auch soziale Unterschiede zwischen den beiden Anbaumethoden deutlich. Sie zeigte, dass die Ökobauern sich politisch mehr engagieren, mit ihren Nachbarbetrieben besser zusammenarbeiten und ihre Zukunft besser einschätzen als die konventionellen Bauern (Löwenstein 2011:190f).

Fazit

Zusammenfassend kann festgestellt werden, dass die industrielle Landwirtschaft nicht in der Lage ist die Weltbevölkerung nachhaltig zu ernähren. Die Wissenschaft ist sich einig, dass es so nicht weitergehen kann. Die industrielle Landwirtschaft zerstört ihre eigenen Grundlagen, indem sie die natürlichen Ressourcen übernutzt und eine Erneuerung dieser nicht ermöglicht. Sie ist von fossilen Rohstoffen abhängig, die endlich sind. Sie schafft es nicht alle Menschen auf dieser Erde zu ernähren, obwohl sie es rein rechnerisch könnte. Sie trägt durch den Einsatz von Monokulturen und damit einhergehend nur wenigen verschiedenen Nutzpflanzen zu einer ungesunden Ernährung der Menschen bei. Im Gegensatz dazu steht die agrarökologische Landwirtschaft, die mit deutlich weniger Ressourcen mehr und v.a. gesündere Nahrungsmittel produzieren kann als die industrielle. Die Agrarökologie versucht die natürlichen Ressourcen weitgehend zu schonen und teilweise sogar deren Erneuerung aktiv zu unterstützen. Sie sollte von wissenschaftlicher, staatlicher und zivilgesellschaftlicher Seite stärker gefördert werden.

Literatur

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Food and Agriculture Organization of the United Nations (2013): The state of food security and agriculture. Rom: FAO.
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