Thema Mobilität: von einer autogerechten Stadt zu einer menschengerechten Stadt

Von einer autogerechten Stadt zu einer menschengerechten Stadt

Das drohende Dieselfahrverbot in Innenstädten sowie der Vorschlag eines kostenlosen öffentlichen Nahverkehrs (ÖPNV) sensibilisiert eine breite Öffentlichkeit für die Thematik  Mobilität und Verkehrsplanung. Eigentlich erfährt jede Stadtbewohnerin und jeder Stadtbürger täglichen Verkehrsstress, Abgasbelästigung, Parkplatznot, Drängelei, Verkehrsstaus, unsichere Fahrradwege uvm. Auch alternative Verkehrsmittel zum Auto wie Busse und Bahn funktionieren nicht immer  wie gewünscht. Es geht im Grunde um die beiden Zielvorgaben Funktionstüchtigkeit und Nachhaltigkeit. Beide Vorgaben werden oftmals gegeneinander ausgespielt oder verniedlicht, auch in unserem persönlichen Verhalten. Die vermeintliche Bequemlichkeit der Fahrt in die City hat nunmal den Preis der CO2– Belastung, die Nutzung von Bahn und Bus kosten Zeit und Bequemlichkeit, sind aber umweltschonender.

Aber stimmen diese Rechnungen überhaupt? Und kann funktionsfähige Mobilität mit CO2 Reduzierung in den Innenstädten in Einklang gebracht werden? Dabei stehen Nachhaltigkeit und effizienter Klimaschutz auf der Agenda der Politik. Einige Beispiele:

  • Das Weißbuch Verkehr der EU fokussiert drei Ziele:
  1. Halbierung der Nutzung mit konventionellem Kraftstoff betriebener PKW im Stadtverkehr bis 2030, vollständiger Verzicht bis 2050
  2. Erreichung einer im wesentlichen CO2 freien Stadtlogistik in größeren städtischen Zentren bis 2030
  3. Bis 2020 Schaffung des Rahmens für ein europäisches multimodales Verkehrsinformations-, Management- und Zahlsystem
  • Flottengrenzwert-Verordnung

Bis 2021 dürfen alle neu zugelassenen Pkw in der EU im Schnitt maximal 95g CO2/km ausstoßen. Dies entspricht einem durchschnittlichen Verbrauch von 3,6 Liter Diesel bzw. 4,1 Liter Benzin.

  • Klimapolitische Ziele der Bundesregierung:

Reduzierung der Treibhausgasemissionen im Vergleich zu 1990 um -40 Prozent im Jahre  2020

Verkehrspolitisch müssen die  Kommunen unter Berücksichtigung ihrer spezifischen Rahmenbedingungen diese Ziele umsetzen.  So setzt sich die Stadt Aachen in der Vision Mobilität 2050 planerisch mit nachhaltigen Verkehrskonzeptionen auseinander. Die Umsetzung erfordert allerdings Effizienz, Konsistenz und Suffizienz. Für einen effektiven Klimaschutz, die Sicherung unseres Wohlstands und der Energieversorgung und die erfolgreiche Umsetzung einer Energiewende ist entscheidend, sowohl die Energieeffizienz zu steigern als auch den absoluten Energiebedarf zu senken.

Die Konsistenzstrategie zielt darauf , natürliche Ressourcen nicht einmalig zu verbrauchen, sondern wiederholt zu nutzen. Im Verkehrsbereich wird die Konsistenzstrategie bspw. durch die Stärkung des Umweltverbundes (ÖPNV, Fuß, Rad) zulasten des motorisierten Individualverkehrs und den Ersatz des Verbrennungsmotors durch elektrische Antriebe verfolgt. Suffizienz stellt im Gegensatz zu den eher produktionsorientierten Effizienz- und Konsistenzstrategien den Konsumenten in den Mittelpunkt. Sie zielt auf ein verändertes Verhalten  und sieht grundlegende und strukturelle Verhaltensänderungen als Voraussetzung für Nachhaltigkeit. Die Frage nach „wie viel ist ausreichend“ ist vergleichsweise unbeliebt und auch unbequem. In einer wachstumsorientierten Gesellschaft stellt die Frage nach der Suffizienz – oberflächlich betrachtet – sogar einen Widerspruch dar und zieht somit Widerstand nach sich.

Das Gelingen der Vereinbarkeit von Funktionalität und Nachhaltigkeit bestimmt zunehmend die Lebensqualität einer Stadt. Städte wie Zürich, Kopenhagen und Oslo zeugen davon und dienen als positive Beispiele.  Die Frage nach dem „guten Leben“ tangiert demnach auch die Stadtkultur. Peter Calthorpe formuliert als Thesenpapier sieben Prinzipien für „bessere“ Städte:

  1. Erhaltung der natürlichen Ökologie, der Agrarlandschaften und des Kulturerbes, um in einem urbanen Umfeld ein Gefühl der Identität zu schaffen.
  2. Stadtviertel mit gemischter Nutzung und gemischten Einkommensniveaus (keine ökonomische Segregation), um das Entstehen einseitig strukturierter und sozial isolierter Strukturen zu verhindern. Ebenfalls sollte eine ausreichende Zahl von frei zugänglichen und qualitativ hochwertigen Grün- und Freiflächen vorhanden sein.
  3. Den Fußgänger immer im Blick haben. Straßenräume wie Stadtviertel sollten sehr gut zu Fuß nutzbar sein, statt großer isolierter Strukturen sollte die menschliche Größe Maßstab sein. Hierzu gehört auch die Schaffung von Querungsmöglichkeiten, um bei Queren der Fahrbahn die Distanz so kurz wie möglich zu halten und durch eine Verengung der Fahrbahn eine Geschwindigkeitsdämpfung des Kfz-Verkehrs zu erzeugen. Eine aktive Erdgeschosszone (mit Geschäften o..) soll das Aktivitätslevel fördern, entlang wichtiger Achsen für den Fußverkehr sollen neben Aktivität auch Entspannen und Verweilen möglich sein.
  4. Priorisierung von Fahrradnetzen und autofreien Straßen, welche die Sicherheit und den Komfort des Fahrradfahrens in den Vordergrund stellen.
  5. Ein dichtes und feinmaschiges Straßen- und Wegenetz: Erhöhung der Dichte des Straßennetzes, Begrenzung der Blockgröße, Fokussierung auf Rad- und Fußverbindungen
  6. Entwicklung von qualitativ hochwertigem und erschwinglichem ÖPNV. Haltestellen sollten gut zu Fuß erreichbar sein und Wohn-, Arbeits- und Dienstleistungsstandorte abdecken sowie schnelle Verbindungen zwischen diesen Bereichen ermöglichen.
  7. Anpassung von Dichte und Mischung der Bebauung an die maximale Beförderungskapazität öffentlicher Verkehrsmittel zur Spitzenstunde

Der Verein Regionale Resilienz Aachen will diese Ansätze mit Verkehrsexperten und ansässigen Akteuren diskutieren.  In Kooperation mit der ESA (ev. Stadtakademie Aachen), dem Institut für Politische Wissenschaft der RWTH-Aachen, der VHS Aachen sowie dem Eine Welt Forum Aachen bieten wir folgende Informationsveranstaltungen an:

Freitag 15. Juni 18.30 Uhr , Frère-Roger-Str. 8-10, Aachen
Referenten :
Herr Martin Randelhoff vom Institut „Zukunft – Mobilität“
Cambio  car sharing

Eine weitere Veranstaltung findet am Freitag den 12.Oktober mit Herrn Thomas J. Mager, Verkehrsentwicklungsplaner ( Stuttgart / Köln) statt.

Wir verweisen gerne auf eine Veranstaltung der RWTH Aachen zum Thema Mobilität am 8. Mai 18.45 – 19.45 Uhr. Herr Randelhoff vom Institut „Zukunft-Mobilität“ aus Dortmund referiert als Experte über das Thema Mobilität. Ein spannendes Thema angesichts der Diskussion um ein Dieselfahrverbot sowie kostenlosen öffentlichen Nahverkehr. Die Veranstaltung findet auf Initiative von Professor Thomes von der RWTH im Toaster, ehemaliges Heizkraftwerk, hinter dem SuperC, im Hörsaal HKW 2 statt.


Vorankündigung:

Eine 2. Veranstaltung im großen Saal  der Frère – Roger – Strasse findet am Freitag den 12. Oktober statt. Der renommierte Geograph und Stadt- und Verkehrsplaner Dr. Thomas J. Mager vom Büro tjm-consulting mobilitätsmanagement in Köln diskutiert/referiert zum Thema Verkehrswende aus seinem Erfahrungsschatz. Auch zu dieser Veranstaltung sind weitere Moderatoren  geplant.

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