Ecodesign – Thesen um ein nachhaltiges Design zu entwickeln

vorgelegt als Hausarbeit am Institut für Politische Wissenschaft der RWTH Aachen im Wintersemester 2019/20

1. Zero Waste Design

Zur gesellschaftlichen Relevanz von Design gehört bedauerlicherweise auch dessen wesentliche Verantwortung für die Unmengen von Müll, die mittlerweile die Welt vielfältig belasten.
Ein Diskurs über Design muss sich also mit dem Problem des Mülls befassen. Zero Waste Design ist ein ethisches, wirtschaftliches, effizientes und visionäres Konzept, um nachhaltigen Designprozess zu schaffen, bei denen alle weggeworfenen Materialien zu Ressourcen werden, die von anderen genutzt werden können.
Das Konzept des Zero Waste Designs bedeutet nichts anderes als „müllfreies Design“ und beabsichtigt beim Designprozess (Entwurf, Konstruktion, Verpackung und Verkauf) keinen Müll zu produzieren bzw. zu minimieren, vor allem keine Rohstoffe zu verschwenden und sie stattdessen wieder zu verwenden. Denn durch Zero Waste Konzept entsteht der Müll erst gar nicht. Und wenn er doch entsteht, wird er ein Teil des Recycling-Kreislaufs.

2. Dauerhaftes Design

Die Langlebigkeit der Produkte zur Verringerung von Abfall durch Mängel oder Obsoleszenz muss als Forderung in die Designpraxis getragen werden. Es ist möglich, Produkte so zu gestalten, damit sie die gesamte Lebensdauer des Materials ausschöpfen und dabei auch ein Menschenleben überdauern. Das Konzept „Dauerhaftes Design“ soll gegen die Mechanismen der „Funktionellen Obsoleszenz“ (Cooper, 2010, 20; Shedroff, 2009, 288) wirken. Mit der Verlängerung des Produktlebens wird eine Reduktion der Umwelteinflüsse rund um Ressourcenverbrauch und Abfallerzeugung erreicht.

3. Fairtrade Design

Konsumenten bewerten das Designangebot mehr und mehr nach moralischen Gesichtspunkten: die Produkte sollen vegan sein, natürlich und fair produziert sowie möglichst emissionsfrei. Bei Fairtrade Design (auch ethisches Design genannt) gibt es noch keine genauen Kriterien, was der Designprozess einschließen sollte. Ethisches Design wird viel breiter gefasst. Bei diesem Begriff geht es darum, Nutzen für die lokale Gesellschaft zu bringen. Ethisches Design schließt das Fairtrade mit ein und steht darüber hinaus für Entwicklung und Wohlhaben der Gemeinschaften. Weiterhin kann ein Produkt nachhaltig und „fairtrade“ genannt werden, wenn es sich auch aktiv für den Umweltschutz einsetzt.

4. Lokales Design

Lokales Design bedeutet Entwicklung von Produkten aus den lokalen und regenerierenden Ressourcen. Beim lokalen Design werden regionale Hersteller und Techniken bevorzugt, bei denen eine gute Arbeitsweise und faire Löhne garantiert werden sollen. Eine wichtige Frage ist, warum kauft man Design aus den anderen Ländern? Wie bei dem Einkauf der Lebensmittel, zählt regionales und lokales Design zu kaufen zu einem umweltbewussten Leben. Heutzutage wollen immer mehr Verbraucher wissen, woher die Produkte, die sie täglich nützen, kommen. Beim lokalen Design geht es darum die Umwelt zu schonen, da die Transportwege kurz sind. Zudem wird das Verkehrsaufkommen auf den Straßen reduziert. Designprodukte, die mit dem Flugzeug transportiert werden, weisen eine besonders schlechte Ökobilanz auf.

5. Ehrliches Design

Die Industrie hat das Potenzial der Menschen, die die Sehnsucht nach einer besseren Welt in sich tragen, identifiziert. Um diese Sehnsucht einfach zu bedienen, bietet man uns „saubere“ Produkte. Durch die „Causewashing-Fälle“ hat die soziale Verantwortung des Corporate- und Kommunikationsdesigns seine Wirkung verloren. Die Verbraucher trauen dem vorgegebenen Wohlwollen großer Unternehmen nicht mehr. Um sich wieder glaubwürdiger zu positionieren, halten diese der Gesellschaft nun den Spiegel vor. Sie werben für konsensfähige Werte und Normen, wie umweltbewusster Konsum, um den Weg für eine bessere Welt zu ebnen, und vermarkten ihr Angebot als Schritt in die richtige Richtung. Die Unternehmen sollen den Verbraucher ihre Werte klar und offen mitteilen. Wichtig ist die emotionale Note der neuen Markenbotschaft: Je höher die Betroffenheit des Konsumenten, desto höher ist seine mögliche Identifikation.

6. Soziales Design

Papanek greift soziale und ökologische Prinzipien auf und zeichnet die notwendige neue Designpraxis als partizipatorisch, dezentralisiert und demokratisiert nach (Papanek, 1926-1998). Das derzeitige Wirtschaftssystem ignoriert die ökologischen und sozialen Ordnungen, die den Kontext für die Schaffung der Wohlstand bilden. Die Prozesse der Vermarktung von Produkten spiegeln weder ökologische noch soziale „Kosten“ wider. Während viele einzelne Designer zunehmend über unseren ökologischen Kontext besorgt sind, kämpfen sie darum, soziale und ökologische Prioritäten innerhalb eines kapitalistischen Systems zu verwirklichen. Soziales Design ist ein Werkzeug fürs Nachdenken über den Wert der sozialen und natürlichen Ressourcen im Kontext der Wirtschaft.

7. Cradle to Cradle® Design

Cradle to Cradle ist ein Designkonzept, das in den 90er Jahren von Prof. Dr. Michael Braungart, William McDonough und EPEA Hamburg entwickelt wurde. Cradle to Cradle heißt „von der Wiege zur Wiege“ und beschreibt eine sichere und potenziell unendliche Zirkulation der Materialien und Nährstoffen in Kreisläufen. Es ist ein Ansatz für eine durchgängige und konsequente Kreislaufwirtschaft. Cradle to Cradle oder C2C ist ein Konzept, das aus gutem Grund bedeutende Veränderungen erfordert, aber für die meisten Unternehmen eine hohe Herausforderung darstellt. Es stellt eine eindrucksvolle Perspektive auf die Kreislaufwirtschaft von Abfällen und Nahrungsmitteln sowie eine Notwendigkeit dar, technische und biologische Materialien getrennt zu halten.
Die Grundlage für den Cradle-to-Cradle-Konzept (C2C) umfasst vier Prinzipien (Shedroff, 2009):
– Eliminierung von Gefahrstoffen (Giftstoffen)
– „Abfall ist gleich Nahrung“ (Änderung unserer Definition von „Abfall“)
– Nutzen Sie die aktuellen Solareinnahmen der Energie
– Verwenden Sie „upcyclable“ Materialien
C2C verpflichtet uns, alle Materialien infrage zu stellen und alle toxische Materialien zu eliminieren. Der C2C-Ansatz erkennt die Notwendigkeit an, den gesamten Lebenszyklus der Produktion, des Transports, der Nutzung und der Entsorgung zu berücksichtigen sowie Vielfalt in der Umwelt zu fördern.

8. Antikapitalistisches Design

Weniger ist mehr. Antikapitalistisches Design beabsichtigt ein nicht konsumorientiertes Design zu schaffen. Im Gegensatz zum „normalen“ Design, das häufig konsumorientiert ist, geht es beim antikapitalistischen Design vor allem um soziokulturelle Verantwortung des Gestalters. Das versucht einen unweltbewussten Lebensstil zu gestalten. In erster Linie handelt es sich darum, sich von den überflüssigen Produkten zu trennen, damit Design auf den wichtigen Sachen im Leben fokussiert bleibt. Antikapitalistisches Design ist ein Konzept fürs Überdenken des Wertes der sozialen und natürlichen Ressourcen im Zusammenhang mit der Wirtschaft. Es schafft eine Grundlage für das Verständnis des Problems des konsumorientierten Designs und der neuen Perspektiven rund um nachhaltiges Design.

Literaturverzeichnis:

• BOEHNERT, Joanna: Design, ecology, politics: towards the ecocene. London ; Oxford ; New York ; New Delhi ; Sydney : Bloomsbury, 2018. – ISBN 978-1-4725-8860-9;. – ISBN 978-1-4725-8861-6.
• CHICK, Anne ; MICKLETHWAITE, Paul: Design for sustainable change: how design and designers can drive the sustainability agenda. In: Required reading range course reader. Lausanne : Ava Academia, 2011. – ISBN 978-2-940411-30-6. – ISBN 2-940411-30-1.
• ESSLINGER, Hartmut (1945-) [Hrsg.]: Design forward: creative strategies for sustainable change. Stuttgart : Arnold, 2012. – ISBN 978-3-89790-381-4. – ISBN 3-89790-381-4.
• FINE, Peter Claver: Sustainable graphic design: principles and practices. URL http://www.gbv.de/dms/weimar/toc/835177998_toc.pdf. London : Bloomsbury Academic, 2016. – ISBN 978-0-85785-062-1. – ISBN 978-0-85785-063-8.
• GOULD, Kira ; HOSEY, Lance: Women in green: voices of sustainable design. Bainbridge, WA : ECOtone, © 2007. – ISBN 978-0-9749033-7-8.
• MANZINI, Ezio (1945-): Design, when everybody designs: an introduction to design for social innovation. In: Design thinking, design theory. Cambridge, Mass. [u.a.] : MIT Press, 2015. – ISBN 978-0-262-02860-8.
• PAPANEK, Victor (1926-1998) ; PUMHÖSL, Florian (1971-) [Hrsg.]: Design für die reale Welt: Anleitungen für eine humane Ökologie und sozialen Wandel : Design for a real world [dt.]. In: Edition Angewandte. 2. Aufl.. Wien [u.a.] : Springer, 2009. – ISBN 978-3-211-78892-9.
• RITZMANN, Susanne: Wegwerfen | Entwerfen [Elektronische Ressource]: Müll im Designprozess – Nachhaltigkeit in der Designdidaktik. Basel : Birkhäuser, August 2018.
• SHEDROFF, Nathan: Design is the problem: the future of design must be sustainable. Brooklyn, NY : Rosenfeld Media, 2009. – ISBN 978-1-933820-00-2;. – ISBN 1-933820-00-4.
• SHERIN, Aaris: Sustainable thinking: ethical approaches to design and design management. In: Required reading range course reader. New York, NY : Fairchild, 2013. – ISBN 978-2-940496-04-4.
• SIEGEL, Dmitri ; MORRIS, Edward ; Environmental Defense Fund (Hrsg.): Green patriot posters: graphics for a sustainable community. London : Thames & Hudson, 2011. – ISBN 978-0-500-28926-6. – ISBN 0-500-28926-3.


Design, Ecodesign, nachhaltiges Design