
Stellungnahme zum Flugzeugabsturz bei Stolberg
Der BUND – Kreisgruppe Aachen-Land, der NABU Kreisverband Aachen-Land und die
Bürgerinitiative Merzbrück äußern sich mit großer Betroffenheit zu dem tragischen
Flugzeugabsturz vom 14. April 2026, bei dem zwei Menschen ums Leben gekommen sind.
Zugleich erheben sie schwere Vorwürfe gegen die Bezirksregierung Düsseldorf und die
Deutsche Flugsicherung hinsichtlich des bisherigen Umgangs mit den Risiken des
Flugbetriebs über sensiblen Trinkwassergebieten.
Dieser Unfall wirft aus unserer Sicht erneut grundlegende Fragen zur Nutzung des Luftraums über
der Wehebachtalsperre als versorgungsrelevante Infrastruktur für die Trinkwasser- und
Industriewasserversorgung auf. In diesem Bereich wurde durch die Deutsche Flugsicherung eine
sogenannte „Kunstflugbox“ eingerichtet, die für riskante Flugmanöver genutzt wird.
Der Stausee und die umliegenden Zuflüsse sind ein hochsensibler Bereich zur
Trinkwasserversorgung tausender Menschen in der Region. Gleichzeitig ist das Gebiet als Natur
und Landschaftsschutzraum im Landschaftsplan ausgewiesen. Die Wichtigkeit der
Trinkwasserversorgung für unsere Region wird aktuell durch WAG und WVER im Rahmen einer
riesigen Tunnelbau-Investition zur Trinkwassersicherung betont.
Seit Jahren werden die Behörden, politische Entscheidungsträger und die Gesellschafter
des Flugplatzes Merzbrück auf die intensive Nutzung dieses sensiblen Luftraums
hingewiesen. Hierbei wurden insbesondere Kunstflugmanöver, aber auch Übungs- und
Trainingsflüge zur Ausbildung von Hobbypiloten kritisiert. Diese Aktivitäten werden vor Ort
als erhebliche Belastung und potenzielles Risiko wahrgenommen.
Obwohl die Bezirksregierung Düsseldorf und die Deutsche Flugsicherung Kenntnis von der
Bedeutung der Wehebachtalsperre für die Trinkwasserversorgung hatten, wurden keine
ausreichenden Maßnahmen ergriffen, um die Nutzung des sensiblen Bereichs wirksam zu
schützen.
Obschon nach unseren Recherchen fast jeden Monat 2-3 Kleinflugzeuge in Deutschland
abstürzen, werden die Trinkwassertalsperre und das umliegende Gebiet weiterhin gezielt
angeflogen. Flugzeuge mit bis zu 80 Liter Flugbenzin und anderen wassergefährdenden
Betriebsmitteln an Bord üben regelmäßig stundenlang Kunstflüge in engen Kreisen, Tief- und
Sturzflüge in dem Bereich der „Kunstflugbox“ über dem Trinkwasserstausee und seinen
Quellzuflüssen. Auch bei der jetzt so tragisch abgestürzten Maschine handelte es sich nach
bisherigen Medienberichten um eine Kunstflugmaschine.
Umfangreiche Aufnahmen über die Flugbewegungen und Registrierungen durch Anwohner
belegen die tägliche Belastung und Gefährdung der schützenswerten Trinkwasserreservate.
Unabhängig von der konkreten Ursache des aktuellen Unglücks – die durch die Bundesstelle für
Flugunfalluntersuchung aufgeklärt werden muss – halten wir die derzeitige Praxis des Flugbetriebs
über einer Trinkwassertalsperre dieser Bedeutung für nicht verantwortbar.
Ungeachtet dessen wird der vormals insolvente Flugplatz Merzbrück mit Steuergeldern gestützt,
weiter ausgebaut und zieht weitere Lärmbelästigungen und Gefährdungen nach sich.
Die auf Antrag von Piloten eingerichtete Kunstflugbox sowie die Nutzung für Übungsflüge des
großräumigen Stauseegebiets müssen jetzt endlich aus Wassergefährdungsgründen abgeschafft
und verboten werden!
Die Auswirkungen eines Absturzes mit Flugbenzin und toxischen Mineralölen in die
Trinkwassertalsperre würden sich katastrophal auf die Trinkwasserversorgung der gesamten
Region auswirken.
Unser tiefes Mitgefühl gilt den Angehörigen und Hinterbliebenen der Opfer dieses
tragischen Unglücks.