Nachbetrachtung der Nobelpreisveranstaltungen 2020

Die drei Veranstaltungen über die Nobelpreisverleihungen unseres Vereins verdienen eine Nachbetrachtung. Am Donnerstag den 30. Januar startete die Nobelpreisreihe in der Buchhandlung Backhaus. Ulla Mayer präsentierte einfühlsam die Werke von Olga Tokarczuk und Peter Handke. Die bislang weitgehend unbekannte Polin besticht durch eine zurückhaltende, sensible Betrachtungsweise der Welt. Peter Handke`s Werk zeigt sich lautstärker, nicht nur durch die allseits bekannte Publikumsbeschimpfung. Der Beschreibung der Werke der Literaturnobelpreisträger schloss sich eine spannende Diskussion an, wobei vor allem die Person Peter Handke im Mittelpunkt stand. Sein umstrittenes Engagement für die Serben im Kosovokonflikt führt unweigerlich zur generalisierenden Frage, ob Person und Werk zu trennen seien und wo womögliche Grenzen liegen.

Am 7. Februar blickte zunächst Raphaela Kell auf den Träger des Friedensnobelpreises Abiy Ahmed zurück. Seine in hohem Tempo angegangenen Reformen in Äthiopien und die Bemühungen um eine friedliche Lösung mit dem Nachbarstaat Eritrea fanden die Würdigung der Referentin. Äthiopien steht in dem Wohlfahrtsranking der Staaten der Welt weit hinten, Korruption, Armut, vor allem ethnische Konflikte belasten hoffnungsvolle Reformansätze. Das Fazit der Referentin fiel deshalb nur eingeschränkt positiv aus, die Zukunft Äthiopiens muss weiterhin skeptisch beobachtet werden.

Dr. Mauckner stellte die Verdienste der Medizinnobelpreisträger Gregg Semenza (USA/Baltimore), William Kaelin (USA/Harvard) und Sir Peter Ratcliffe (GB/Oxford) vor. Sie entdeckten das Regulierungssystem, mit dem Körperzellen ihren Stoffwechsel an niedrige Sauerstoffwerte, etwa Muskelzellen bei intensiver Beanspruchung, anpassen. Dabei steigt u.a. die Konzenztration des Hormons Erythropoetin (EPO), das auch bei Sportlern zur Leistungssteigerung verwendet wird. Als Kenner der Sportszene verwies er mehrmals auf die Langzeitschäden des Dopingmittels EPO. Im Nachklang fällt es schwer, die Verdienste der Nobelpreisträger als bahnbrechend zu bezeichnen, ihre Forschung verweist jedoch auf zukünftige Forschungsfelder zum besseren Verständnis des Zusammenwirkens organischer Vorgänge. Den Schluß dieses Veranstaltungstages bildete die Präsentation der NobelpreisträgerIn im Fachbereich Wirtschaftswissenschaften, den Michael Kremer, Esther Duflo und ihrem Ehemann Abhijit Banerjee für ihre Forschungsarbeiten bezüglich der Armutsbekämpfung erhielten. Ralph Welter erläuterte das neuartige Verfahren der vergleichenden Studien, die zu einer kritischen Reflexion der herkömmlichen Entwicklungshilfe führten. Verbesserungen bei der Armutsbekämpfung müssen demnach kulturelle Besonderheiten berücksichtigen und vor allem bei einer verbesserten Bildung ansetzen.

Der Abschluß der Veranstaltungsreihe fand an einem eher aussergewöhnlichen Ort am 11.Februar in der Sternwarte Aachen statt. Der Physiknobelpreis ging zur Hälfte an den Kanadier James Peebles sowie zur anderen Hälfte an die Schweizer Michel Mayor und Didier Queloz. Prof. Hebbeker zeigte dem interessierten Publikum in einem sehr kurzweiligen Vortrag, worin die Verdienste der Preisträger liegen. Peebles lieferte die Grundlage für unser modernes Verständnis der Geschichte des Universums – wie es sich vom Urknall bis heute entwickelte. Heute wissen wir, auch dank James Peebles, dass wir nur fünf Prozent unseres Universums überhaupt kennen, die restlichen 95 Prozent dagegen sind unbekannte Dunkle Materie und Dunkle Energie. Diese näher zu untersuchen ist die Aufgabe und Herausforderung für die moderne Physik. James Peebles‘ Verdienst ist es, dass die Kosmologie – die Lehre davon, wie das Universum entstand und sich weiterentwickelte – von einer reinen Spekulation zu einer echten Wissenschaft wurde. Die Schweizer Forscher Michel Mayor, 1942 in Lausanne geboren, und Didier Queloz, 1966 in Genf geboren, erforschen unsere Milchstraße. Im Oktober 1995 entdeckten sie zum ersten Mal einen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Einen Exoplaneten, der einen sonnenähnlichen Stern in unserer Heimatgalaxie umkreist. Mithilfe eines Observatoriums in Südfrankreich konnten sie den Planeten 51 Pegasi b entdecken, einen Gasball ähnlich wie Jupiter, 50 Lichtjahre von der Erde entfernt. Ihr besonderes Verdienst besteht in dem Verfahren des Messens bzw. Entdeckens solcher Exoplaneten. Inzwischen sind Tausende solcher Himmelskörper entdeckt, wobei einige durchaus irgendwie geartetes Leben enthalten könnten. Im Anschluß an den Vortrag zeigte Herr Schaefer das Teleskop der Sternwarte. Leider ermöglichte das Wetter keine anschauliche Himmelsbetrachtung. Besseres Wetter wäre somit das einzige kritische Fazit der Veranstaltungsreihe. Unser Verein versteht sich u.a. als Bildungseinrichtung und die Vorträge in ihrer verschiedenartigen inhaltlichen Ausrichtung vermittelten einem interessierten Laienpublikum eine hoffentlich nachvollziehbare und anschauliche Wissensübertragung.

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