
Detlef Baer: Klimabilanz 2025
Jahresende ist Bilanzzeit, in der Klimapolitik gleich doppelt, denn das Pariser Klimaabkommen „feiert“ 10 – jähriges Jubiläum. Wie meistens fällt eine Bilanz gemischt aus, so auch diesmal, wobei die negativen Tatsachen überwiegen.
10 Jahre nach dem Pariser Abkommen:
Die hier aufgeführten Fakten speisen sich aus zwei renommierten Quellen (1). Zur Erinnerung: das Pariser Abkommen wollte eine Erwärmung von 1,5 Grad, zumindest deutlich unter 2 Grad erzielen. Nach jetzigem Stand ist es ausgeschlossen, dass es bis 2050 unter zwei Grad bleibt. Bis 2040 dürfte die 2 – Grad – Grenze überschritten werden. Immerhin wird 2100 durch verlangsamte Emissionen eine Grenze etwas unter drei Grad statt vier Grad erreicht. Eine große Unbekannte dürfte die fehlende Energie bei der Künstlichen Intelligenz werden (2). Der Stromverbrauch aller Rechenzentren wird von 269 Terrawattstunden im Jahre 2020 auf 946 Terrawattstunden im Jahre 2030 prognostiziert.
Wer dabei auf den Ausbau der Atomkraft setzt, der schaue nach Frankreich (3). Unser Nachbarland baut den Bau von sechs neuen Reaktoren, die reinen Baukosten betragen 72,8 Milliarden Euro. Angesichts eines wiederholt gescheiterten Haushalts eine wagemutige Aufgabe!
Klimaprognose im Schaubild (4):

Kosten des Klimawandels
Die Kosten des Klimawandels sind am ehesten anhand der Elementarversicherungsleistungen abzulesen. 2024 verursachten Naturkatastrophen etwa 140 Mrd. USD versicherte Schäden weltweit — ein deutlich über dem historischen Durchschnitt liegender Wert, der laut Rückversicherer Munich Re zunehmend auf klimabedingte Extremereignisse zurückgeführt wird. Laut GDV-Naturgefahrenreport 2024 (5)verursachten Naturgefahren in Deutschland im Jahr 2023 insgesamt ca. 5,6 Mrd. € an Versicherungsschäden durch Stürme, Hagel, Starkregen und Überschwemmungen. Auch Die R+V Versicherung meldete 2024 steigende Schadenaufwendungen für Elementarschäden (442 Mio. € vs. 391 Mio. € im Vorjahr) – ein Hinweis auf wachsende Belastungen infolge häufiger Wetterextreme. Der Klimawandel könnte bis 2050 4% des jährlichen globalen BIP abschneiden, bis Ende des Jahrhunderts 20%. Bis 2050 können Hitzewellen, Dürren und extreme Wetterereignisse 9,2 Milliarden Menschen erreichen. Doch gibt es weitere, nicht unmittelbar monetär abrechnende Kosten:
• Artensterben: etwas 1 Million der geschätzten 8 Millionen Tier- und Pflanzenarten sind von Aussterben bedroht
• 20 bis 40 % der weltweiten Landfläche sind bereits degradiert
• Betroffen davon sind über drei Milliarden Menschen durch Gefährdung der Ernährungssicherheit, Wasserversorgung und Widerstandsfähigkeit gegen Dürren
• Jährlich sind 9 Millionen Todesfälle auf verschiedene Formen der Umweltzerstörung zurückzuführen
• 8 Milliarden Tonnen Plastikmüll verschmutzen unseren Planeten
• Die gesundheitlichen und wirtschaftlichen Kosten, die durch die Aussetzung giftiger Chemikalien in Kunststoffen entsteht, werden auf 1,5 Billionen US-Dollar geschätzt
Positive News:
• Es wurden doppelt so viele Investitionen in emissionsarme Energien investiert als im Jahre 2015
• Der Anteil an Elektroautos beträgt 20 Prozent, im Jahre 2015 Null!
• Es wurde viermal mehr Solarenergie produziert als 2015 prognostiziert
Das Bewußtsein der Notwendigkeit von Maßnahmen gegen den Klimawandel hat nachgelassen und ist eher bei Teilen der Bevölkerung als bei der Industrie und der Politik angesiedelt.
Negative news:
So hat der „Whatif – Report 2025“(6) die Klimaschutzaktivitäten von 34 der 40 DAX – Unternehmen untersucht. Falls sie ihre Produktion wie bisher fortführen würden, so würden sie eine relative Klimawirkung auf 4,3 Grad erzielen. Diese Zahl beruht auf einer Umrechnung der Emissionen der Unternehmen, wie sie für die neuen Nachhaltigkeitsberichtspflichten in der Europäischen Union gemeldet werden müssen. Es gibt nur fünf Paris – konforme Unternehmen, dazu zählen RWE, Adidas, Siemens, Siemens Healthineers und Airbus. Insgesamt liegt Deutschland unter dem EU – Durchschnitt bei der Unternehmenszahl, die ihre Investitionsausgaben an ihren Transformationsstrategien ausrichten. Spitzenreiter ist hier Frankreich, Schlußlichter sind China und die USA.
Insgesamt bildete das Jahr 2025 einen weltweiten Rückschritt bei der Bekämpfung des Klimawandels. Hier einige Beispiele:
• Trump verkündet die Rücknahme von Umweltauflagen für Farmer (7)
• Australien hat den Stopp fossiler Nutzung von Energie in Queensland zurückgenommen (8)
• Brüssel hat für eine Anzahl von Firmen Klimaauflagen zurückgezogen (9)
• Neuseeland hat wesentliche Klima-Regulierungen zurückgenommen – darunter niedrigere Methanziele, Lockerungen bei bestehenden Emissionszielen, das Ende eines Verbots für Öl- und Gasexploration (10).
Die neue Bundesregierung reduziert ebenfalls Klimaschutzmaßnahmen wie z.B.:
- Die Regierung hat ein früheres Gesetz, das den Einsatz erneuerbarer Heizsysteme vorgeschrieben hat, ersatzlos gestrichen. Stattdessen soll ein „Modernisierungsgesetz“ kommen, das zwar weiterhin Emissionen reduzieren will, aber deutlich flexiblere Vorgaben und längere Fristen für Hauseigentümer bringt.
- Das Verbrenner – Aus ab 2025 wurde unter bestimmten Umständen zurückgenommen(11).
Während in viele Bereichen Verbesserungen zu verzeichnen sind, zeichnet sich beim Verkehr eine zähe Beharrlichkeit aus (12):

Dies zeigt sich auch an der Sektorenentwicklung:

Die Auto(fahrer-) Lobby dominiert in der Politik. Dies belegt auch die Diskussion um das Deutschlandticket. Bund und Länder schiessen für das Deutschlandticket, das ab 2026 63 Euro kostet, rund drei Milliarden Euro zu. Die Diskussion über die hohen Zuschüsse sind uns allen noch aktuell bewußt. Dass die Pendlerpauschale dem Staat rund sechs Milliarden Euro kostet, bleibt oftmals unerwähnt! Hier werden Umweltkosten subventioniert!
Drei ewige Einwände gegen Maßnahmen gegen den Klimawandel
1. Deutschland ist nur zu einem geringen Maß verantwortlich. China und andere Länder sind viel schlimmer.
Schaut man auf die Gesamtgröße, so scheint die Aussage zu stimmen (13):

Pro Kopf relativiert sich die Statistik freilich (14):

Und China betreffend muss deren Entwicklung betrachtet werden (15):

2. Der Kampf gegen den Klimawandel muss sozialverträglich sein.
Auf die Sozialverträglichkeit wurde bei der Kostenaufzählung eingegangen. Der Klimawandel hat jedoch unterschiedliche Gewichtungen im Verursacherprinzip. So stößt ein durchschnittlicher Deutscher 10,2 Tonnen CO2 aus, die obersten 1 % der deutschen Bevölkerung im Schnitt 94,2 Tonnen und die reichsten 10% 29 Tonnen CO2 pro Jahr (16). Solche Informationen sind zwar zugänglich, stehen aber nicht im Mittelpunkt von Diskussionen.
3. Ohne Wirtschaftswachstum findet der Klimawandel keine öffentliche Zustimmung
Dieses Argument wird von Politikern stets wiederholt. Der Wachstumsgedanke scheint im Wirtschaftsdenken fest verankert zu sein (17):
Ohne Wachstum keine Investitionen, ohne Wachstum keine Arbeitsplätze, ohne Wachstum keine Gelder für die Bildung, ohne Wachstum keine Hilfe für die Schwachen. Und umgekehrt: Mit Wachstum Investitionen, Arbeitsplätze, Gelder für die Bildung, Hilfe für die Schwachen und – am wichtigsten – Vertrauen bei den Menschen.
Am Beispiel der Automobilindustrie zeigt sich der Rebound-Effekt:
„Die vorherrschende Strategie, um Nachhaltigkeit und eine schnelle Dekarbonisierung zu erreichen, setzt auf technologische Innovationen, Effizienzsteigerungen sowie den Ausbau erneuerbarer Energien. Windkraft, ökologische Baustoffe und Wärmepumpen sind Beispiele hierfür. Auf diese Weise, so die Vorstellung, ist es möglich, Ressourcenverbrauch und Emissionen schnell zu senken, während gleichzeitig die Wirtschaft wächst. Doch diese Strategien allein reichen nicht aus – denn Effizienzsteigerungen werden oft durch Mehrverbräuche aufgefressen. Die Wissenschaft spricht von Rebound-Effekten.
Dies lässt sich gut veranschaulichen am Beispiel Mobilität. 2009 setzte die damalige Bundesregierung das Ziel, bis zum Jahr 2020 eine Million Elektroautos auf die Straßen zu bekommen. Das Ziel wurde dann erst 2023 erreicht. Viel dramatischer aber: Bis 2023 hatte die Autoindustrie so viele neue Autos verkauft, dass die Gesamtmenge an Autos auf Deutschlands Straßen von ungefähr 41 Millionen (2009) auf fast 49 Millionen gestiegen war– mit bis heute steigender Tendenz. Gleichzeitig werden die Autos immer größer. SUVs sind das am schnellsten wachsende Segment bei Neuzulassungen und machten 2024 mit 1,17 Millionen 42 Prozent der Neuzulassungen aus (Elektroautos nur 14 Prozent) (18).“
Grünes Wachstum dient oftmals als Alibi für generelles Wachstumsdenken. Die Fakten der zunehmenden CO2 – Belastung sowie anderer Belastungen wie das Artensterben, die Rohstoffausbeutung usw. widerlegen die These von der Unendlichkeit der Erdenrohstoffe. Ansätze wie Recycling, Kreislaufwirtschaft und sharing economy müssen dringend ausgebaut werden. Die Menschheit kennt viele Verhaltensweisen, nur nicht den Verzicht.
Beitragsbild von Goran Horvat auf Pixabay
[1] 1. FAZ vom 12.Dezember 2025, S.10: Ziel verfehlt, Erwartungen übertroffenund Global Environment Outlook (GEO-Bericht GEO-7) des UN-Umweltprogramms UNEP
[2] siehe: Die große KI-Wette in Zahlen aus der FAZ vom 22.12.2025, S.22 [3] Siehe: Frankreichs teure Atomrechnung aus der FAZ vom 20.12.2025, S.21 [4] https://climateactiontracker.org/documents/1348/CAT_2025-11-13_GlobalUpdate_COP30.pdf?utm_source=chatgpt.com [5] https://www.gdv.de/gdv/medien/medieninformationen/klimawandelfolgen-in-zahlen-und-fakten–183732?utm_source=chatgpt.com [6] FAZ vom 15.12.2025, S.22: Deutsche Unternehmen müssen viel mehr fürs Klima tun [7]https://www.agweb.com/news/policy/politics/death-def-trump-says-hell-roll-back-environmental-requirements-cut-farm-equi [8] https://www.theaustralian.com.au/subscribe/news/1/?sourceCode=TAWEB_WRE170_a_GGL&dest=https%3A%2F%2Fwww.theaustralian.com.au%2Fnation%2Fcoal-necessary-for-energy-transition-crisafulli%2Fnews-story%2Ff8aaf7c371d48ca806a80b5320bde8a3&memtype=anonymous&mode=premium&v21=GROUPA-Segment-1-NOSCORE&V21spcbehaviour=append [9]https://www.ft.com/content/b33bfe25-fe22-4788-88ce-6eb3a001dad4 [10] https://climateactiontracker.org/documents/1348/CAT_2025-11-13_GlobalUpdate_COP30.pdf?utm_source=chatgpt.com [11] https://www.welt.de/newsticker/dpa_nt/infoline_nt/wirtschaft_nt/article693c0d8635d03c76a695dd48/verbrenner-aus-stand-der-dinge-und-worum-es-geht.html?utm_source=chatgpt.com [12] https://www.allianz-pro-schiene.de/presse/pressemitteilungen/co2-verkehrssektor-verfehlt-ziele/ [13] https://www.deutschlandfunk.de/klimabericht-von-global-carbon-project-schlechte-bilanz-100.html [14] https://de.statista.com/statistik/daten/studie/167877/umfrage/co-emissionen-nach-laendern-je-einwohner/ [15] https://table.media/china/professional-briefing/co2-peak-schon-2025-moeglich-emissions-handel [16] https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2025-05/umwelt-erderwaermung-emissionen-studie [17] https://www.bpb.de/themen/wirtschaft/wirtschaftspolitik/557006/wachstum-weder-nachhaltig-noch-wuenschenswert/ [18] ebenda