
Detlef Baer: Neue Wege zur Nachhaltigkeit im Bereich Energie
Unbegrenztes Wachstum ist nicht möglich, eine Erkenntnis, die in die Politik und Wirtschaft noch nicht vorgedrungen ist. Nicht ganz freilich, sonst gäbe es nicht eine kritische Gegenbewegung, die für Verzicht oder eine Kreislaufwirtschaft plädiert, auch gäbe es wohl kaum eine Klientel, die auf Ernährung achtet und die Kreuzfahrten den Nachbarn überlässt. Was oftmals übersehen wird sind neuere technische Erfindungen. Nicht, dass solche Erfindungen den Klimawandel stoppen werden, eine herkömmliche Theorie von Politikern und Technikfreaks, aber neue technologische Entwicklungen bewirken gravierende Veränderungen bezüglich der Arbeitswelt, der Geographie der Rohstoffbeschaffung für die Herstellung, des Rohstoffverbrauchs und nicht zuletzt der Machtverhältnisse. Ein Beispiel: die Fertigstellung von Elektroautos mit Sensoren für selbständiges Fahren in der höchsten Stufe 5 würde enorme gesellschaftliche und ökonomische Veränderungen bewirken. Die Herstellung dieser Autos, Busse und LKWs würde die Anforderungen der Arbeiter verändern, die Unfallrate im Verkehr minimieren, Bus- Taxi – und LKW – Fahrer überflüssig machen, das Auto würde einen Bewusstseinswandel erfahren vom Statusmodell zum Fortbewegungsmittel usw. Die hier vorgetragenen Veränderungen wurden wertneutral formuliert, die Gesellschaft muss sich auf diese Entwicklung einstellen, und je früher desto besser. Nun ist das selbständige Fahren ja schon in der Erprobungsstufe und im Bewusstsein der Menschheit fest verankert, – wirklich fest? Dass Veränderungen sehr schnell in die Handlungsweise vieler Menschen eingreifen können beweist Chatgpt. Auch das Handy mit brauchbarem Internet gibt es erst seit 1999, welch ein Siegeszug! Erinnern Sie sich noch an das Bücherregal mit 30 Bänden einer Enzyklopädie? Wenn ja, dann sind Sie ArchivarIn.
Die folgenden Ausführungen sollen Überlegungen, wie eine nachhaltige Wirtschaft zu gestalten ist, ergänzen, indem ein Ausblick auf Zukünftiges im Energiesektor gewährt wird, ohne alle Auswirkungen abschätzen zu können. Jede technische Erfindung hat drei Seiten:
- Sie verändert die Anforderungen des Produktionsprozesses
- Sie verändert assimilierte Prozesse bisheriger Anwendungsbereiche
- Sie verändert gesellschaftliche Verhaltensweisen.
Bei der Untersuchung neuer Erfindungen fiel auf, dass die meisten Neuerungen von oftmals staatlich geförderten Start – Up – Unternehmen passieren. Mit der Patentierung hat es sich aber dann meistens, dann werden die Ideen von den „Großen“ aufgekauft und monopolisiert. Gerade deshalb muss eine Auseinandersetzung über das „richtige“, nachhaltige Wirtschaften Entwicklungstrends einbeziehen. Geschieht das in Diskussionen und Publikationen, wird beim Durchbruch solcher Neuerungen eine Anerkennung bewirkt, quasi vom bösen Mahner zum Zukunftsexperten. Aber es geht nicht um das eigene Ego, sondern um eine Zukunftsbewältigung, die in Einklang mit der Natur stehen muss.
Die folgende Graphik veranschaulicht einhergehende Veränderungen von neuen technologischen Erfindungen. Eine Beachtung solcher möglichen Auswirkungen würde bei aller Unvollständigkeit und Unkenntnis aller Implikationen die Achtsamkeit erhöhen und richtige Schritte in erforderliche Maßnahmen einleiten.

Zu erwartende Erfindungen oder Verbesserungen, die Wirtschaft und Gesellschaft elementar verändern werden
Energie
Energie ist ein wesentlicher dreifacher Faktor für Wirtschaft und Gesellschaft. Dreifach bedeutet in der Herstellung oder Gewinnung, dann in der Speicherung von Energie sowie im Verbrauch. In allen Bereichen deuten sich elementare Veränderungen an.
Herstellung
Wir kennen die Zweiteilung von fossiler Energiegewinnung und nachhaltiger ökologischer, sogenannter grüner Energie. Eine dritte Komponente könnte mit der Kernfusion in mittlerer Zukunft hinzukommen. Erste Kraftwerke werden erst ab 2045 erwartet, noch bewegt sich die Kernfusion im Bereich der Grundlagenforschung. Sie ist nicht unumstritten, wie eigentlich alle zukünftigen Veränderungen. Als Vorteil werden die Emissionsarmut genannt, die regionale Ansiedlung von Kernfusionsreaktoren, die lange Verfügbarkeit, die geringere Unabhängigkeit von Exportländern sowie das geringe Risikopotential. Negativ stehen zu Buche die hohen Investitionskosten, die technischen Herausforderungen und die radioaktiven aber nicht hochradioaktiven Abfälle. [1] Eine flächendeckende Energieversorgung über Kernfusion könnte eine regionale Energieversorgung ermöglichen und größere Unabhängigkeit bedeuten. Je nach Grad der Energieversorgungskapazität könnte auf fossile Energiegewinnung verzichtet werden, aber auch auf Windräder, die den Naturschutz gefährden. Wind – und Sonnenenergiegewinnung sind an Wetterlagen gebunden, mit der Kernfusion wäre dieser Nachteil behoben. Forschung und Diskussion sind noch in der Schwebe, doch Forschungserfolge können schnell passieren und die Politik zu Entscheidungen nötigen. Wichtig erscheint, dass die ökologisch sauberen Energiegewinnungsträger Vorrang besitzen, dass bei der Reifung der Kernfusion eine Monopolvermeidung geschieht zugunsten kleinerer kommunaler Reaktoren, die Energieengpässe ausgleichen können. Die Forschung an Kernfusionsreaktoren wird durch Forschungsgelder ermöglicht, also dürfen erzielte Erfolge nur partiell in privater Hand vermarktet werden.
Speicherung
Wenn Energiespeicher große Mengen an Strom speichern können, schnell be – und entladbar sind, nicht Feuer fangen und eine hohe Energiedichte haben, dann wären viele Energieprobleme der Gegenwart gelöst. Verschiedene neue Batterien kommen gerade auf den Markt und werden in naher Zukunft Veränderungen bewirken. Am 7.Februar 2026 berichtete die FAZ von der Serienfertigung in China bei der Salzbatterie.[2] Sowohl die chinesische Firma CATL als auch die deutschen Firmen BASF, Evonik und Varta forschen und entwickeln einen Natrium – Ionen – Stromspeicher ohne Lithium. Natrium ist billig verfügbar, in großen Stückzahlen gefertigt wäre diese Batterie billiger, außerdem bietet sie besseren Brandschutz, eine lange Lebensdauer und eine bessere Leistungsfähigkeit bei kalten Temperaturen. Frank Blome, Batteriechef von Volkswagen, sprach von einem Endspiel in der Akkutechnik, [3] wobei vor allem die Entwicklung der Feststoffbatterie weit fortgeschritten ist. Sie soll bald serienreif sein, eine höhere Energiedichte, mehr Reichweite und kürzere Ladezeiten ermöglichen. Fast alle namhaften Automobilhersteller beschäftigen sich mit der Batterieverbesserung. Ein E-Auto mit einer Reichweite von garantierten 1000 km und einer Ladezeit von 5 min wäre absolut konkurrenzfähig gegenüber Autos mit fossilem Brennstoff.
Welche gesellschaftlichen Veränderungen wären mit dem Durchbruch kostengünstiger und leistungsstarker Batterien zu erwarten? Einmal ein verstärkter Konkurrenzkampf zwischen nationalen und internationalen Herstellern. Zweitens eine Verschiebung internationaler Abhängigkeiten von Rohstoffen. Drittens eine eventuell längere Haltedauer von Autos, d.h. auch langfristig geringere Produktionszahlen. Viertens ein Paradigma Wechsel zugunsten der E – Technologie. Was wenig erwähnt wird ist der gesundheitliche Aspekt. Wer in Oslo einige Tage verbringt, der spürt die angenehme saubere Luft der Stadt, vor allem, wenn er am Tage nach der Rückkehr auf der Wilhelmstrasse in Aachen spazieren geht, was allerdings niemand macht.
Verbrauch
Die Menge der Energiegewinnung und der notwendigen Speicherung hängen natürlich vom Verbrauch ab. Und hier droht ein zukünftiger Bedarf von Unmengen an Energie durch KI –Anwendung. Die vier großen US – Tech – Konzerne Meta, Microsoft, Alphabet und Amazon wollen allein in diesem Jahr (2026) 650 Milliarden $ in Datenzentren investieren. [4] Die Kapazität der bislang bestehenden 4000 Großrechenzentren in Amerika soll sich bis 2035 vervierfachen. Im Frühjahr 2025 prognostizierte Mc Kinsey, dass binnen fünf Jahren Investitionen von bis zu 5,2 Billionen $ in KI – Rechenzentren nötig wären, um die prognostizierte Nachfrage zu befriedigen. Der Wirtschaftshistoriker Odlyzko sowie Roger McNamee, Partner des Techinvestors Silver Lake, befürchten eine kommende Blase. So beziffert das Bankhaus Morgan Stanley die Umsätze mit bezahlpflichtigen KI – Produkten auf derzeit 45 Milliarden $ im Jahr. „Allein um die Investitionen der vergangenen Monate reinzuholen, müsste die Branche 2030 nach einer Schätzung von Bain Capital 2000 Milliarden $ erlösen.“[5]
In den kommenden drei Jahren wird mit einer Finanzierungslücke für den KI – Infrastrukturausbau von bis zu 1,5 Billionen $ gerechnet. Risiken werden mehr und mehr vom Eigen – auf Fremdkapital, von Aktien – auf Anleihemärkte verteilt. Erinnerungen an die Immobilienkrise werden wach!
Der Ablauf zu einer Finanzkrise geschieht nach folgendem Verfahren:
- Hohe Erwartungshaltung an zukünftige (KI-) Produkte
- Investitionen; Konkurrenzkampf, Überschätzung der eigenen Marktchancen
- Aufnahme von Fremdkapital nach Verbrauch eigener Rücklagen
- Anhaltender Boom und hohe Erwartungen
- Erwartungen werden nicht erfüllt
- Wertverlust der Kredite,
- Verlagerung auf Kreditverhalten in die Realwirtschaft
- Krise
- Rettung durch Steuergelder
Mit der Investitionsbereitschaft geht ein enormer Energiebedarf einher. Ein konkretes Beispiel für kommende Fehlentwicklungen bietet Aragon, ein Bundesstaat zwischen Madrid und Barcelona. An sich sehr dünn besiedelt, interessieren sich plötzlich die großen High – Tech – Firmen, aber auch der chinesische Batteriehersteller CATL für diese Gegend. Aragon ist der zweitgrößte Windproduzent Spaniens und liefert auch mit Solarparks billigen Strom. Insgesamt 47 Mrd. € wollen u.a. E.Musk und weitere Konzerne dort in Rechenzentren investieren und den billigen Strom nutzen. Doch der Stromverbrauch ist enorm, und Rechenzentren bedürfen großer Kühlaggregate. Den Bauern wird das wenig vorhandene Wasser entnommen, die Weideflächen vertrocknen. „ Rund die Hälfte der gesamten Stromproduktion ist für die Datenzentren vorgesehen.“[6] Die Bauern wehren sich, doch die Zentrale in Madrid ist weit weg und die Firmen schaffen ja schließlich (auswärtige) Arbeitsplätze – so die übliche zynische Argumentation der Befürworter. Fragen nach der wirklichen Bedarfsgröße, nach den Auswirkungen auf die einheimische Bevölkerung, der Wasserversorgung und dem Naturschutz werden nicht gestellt. Dieses Beispiel soll das trockene Zahlenwerk entschleiern, das hinter den Zukunftsprognosen des Energiebedarfs kommender Jahre steckt. Laut Statista gilt:
„ Der weltweite Strombedarf von Rechenzentren könnte sich bis 2030 verdoppeln. Das zeigt eine Prognose der Internationalen Energieagentur (IEA). Größter Treiber des steigenden Bedarfs sind sogenannte beschleunigte („accelerated“) Server. Ihr Strombedarf steigt im Zeitraum von 2025 bis 2030 um 225 Prozent. Diese Hochleistungsserver erbringen durch spezielle Hardware oder Architektur beschleunigte Leistungen und werden oftmals für rechenintensive Aufgaben wie Künstliche Intelligenz genutzt. Der Stromverbrauch von konventionellen Servern steigt im selben Zeitraum hingegen nur um 52 Prozent.
Ohne Rechenzentren können KI-Tools wie ChatGPT, Gemini und Co. nicht betrieben werden. Die großen Tech-Unternehmen des Silicon Valleys kündigten deshalb alle Milliardeninvestitionen in den Ausbau von Datenzentren an, die die Voraussetzung für generative KI-Anwendungen sind. Sowohl für das Trainieren von KI als auch beim Einsatz werden Energie und große Datenmengen gebraucht. Bisher sind die Rechenzentren vor allem durch das Training stark ausgelastet.“[7]
Die Auswirkungen aufgelistet:
- Wasserbedarf: Neben Strom steigt auch der Wasserbedarf zur Kühlung von KI-Rechenzentren massiv an. Prognosen deuten darauf hin, dass dieser sich zwischen 2023 und 2030 weltweit vervierfachen könnte.
- CO2-Emissionen: Die CO2-Emissionen der Rechenzentren könnten sich zwischen 2022 und 2030 mehr als verdoppeln, was die Bemühungen zur Energiewende erschwert.
- Effizienz vs. Rebound-Effekt: Zwar werden KI-Modelle und Hardware effizienter, jedoch wächst der Energiebedarf durch die schiere Zunahme der Nutzung und Modellgröße (Rebound-Effekt) schneller, als Effizienzsteigerungen Einsparungen bringen.
Düstere Prognosen, wobei doch KI eine revolutionäre Menschheitsentwicklung prophezeit!
Welche Maßnahmen können gegenwirken?
- Für die Stromerzeugung und Speicherung muss zunächst eine Dezentralisierung befürwortet werden. Das bedeutet, je mehr Kleinerzeuger ihren Strom über Photovoltaik – Anlagen und Hausspeicher selber tragen, desto unabhängiger ist die Stromerzeugung von Großkonzernen. Regierungen können diesen Trend fördern. Lokale Stromerzeuger können sich zusammenkoppeln, den Strom des Nachbarn, der sich im Urlaub befindet, mit nutzen. Zählwerke können diesen Vorgang verrechnen. Ganze lokale Gebiete könnten somit eine weitgehende Autonomie erzielen. Kommunen sollten solche Modelle fördern.
- Eine Möglichkeit sinnvoller Energiespeicherung ist das Vehicle-to-Grid – Verfahren.[8] E-Autos – Batterien können für den eigenen Stromverbrauch des Hauses genutzt werden. In China gibt es einen Versuch in Shanghai sowie weiteren Großstädten, das städtische Energienetz mit dem Strom von E – Autobatterien zu nutzen.[9] Im Prinzip funktioniert es idealtypisch so: Sie besitzen ein E-Auto und haben eine App, die auf das städtische Netz zugreifen kann. In dieser Woche fahren Sie nur zur Arbeit und zweimal einkaufen, verbrauchen also nicht die ganzen 55 kWh der Batterie, die zudem durch ihre Photovoltaikanlage aufgeladen wird. Sie geben in die App ein, dass die Batterie nur 40 % geladen sein muss, das reicht für die Fahrten. Die überschüssige Energie wird ins Netz eingespeist, möglichst nachts, wenn Energie teuer ist und sie mehr daran verdienen. Sie können tagsüber billiger aufladen, falls dies durch Zusatzfahrten gewünscht werden sollte. Bei erwünschten 30 Millionen E-Autos im Jahr 2023 in der BRD (was unrealistisch sein wird) kann dieses Verfahren unglaubliche Erfolge erzielen. Die meiste Zeit stehen Autos ungenutzt vor der Garage, die Effektivität solcher Verfahren können einen hohen prozentualen Nutzen bewirken.
- Energieersparnis durch Photonische Chips. Diese bahnbrechende Technologie stelle ich im folgenden Kapitel vor. Um etwas neugierig zu machen, schon einmal ein Zitat:
„Große Hoffnungen setzen Wissenschaftler deshalb auf einen neuen, vom deutschen Startup – Unternehmen „Q.ANT“ entwickelten sogenannten Photonenchip: ein Prozessor, der mit Licht statt mit Strom arbeitet und deutlich weniger Energie verbraucht als herkömmliche Chips. Die Entwickler erhoffen sich besonders bei Anwendungen in Zusammenhang mit Künstlicher Intelligenz einen dreißigfach reduzierten Stromverbrauch bei fünfzigfacher Rechenleistung im Vergleich zu Standardrechnern.“[10]
Photonische Chips
„Der Q.ANT Native Processing Server (NPS) ist der erste kommerziell erhältliche photonische Prozessor und leitet eine neue Ära für energieeffiziente und beschleunigte KI- und HPC-Workloads ein. Durch die Berechnung komplexer mathematischer Funktionen mittels natürlicher Eigenschaften des Lichts erzielen wir eine erhebliche Leistungssteigerung und Energieeffizienz ohne digitale Umwege und kommunizieren dabei nahtlos mit der existierenden Computing-Infrastruktur. Native Computing von Q.ANT verspricht:
- Eine bis zu 30-fache Energieeffizienz und eine bis zu 50-fache Leistungssteigerung auf Anwendungsebene.
- Höhere Rechendichte für mehr Durchsatz bei geringerem Platzbedarf.
- Weniger komplexe Infrastruktur im Rechenzentrum.
- Geringer Kühlungsaufwand, da der Chip keine Wärme erzeugt.
- Geringere Betriebskosten durch niedrigeren Energieverbrauch und Leistungssteigerung.
- Frühzeitiger Zugang zur Rechenarchitektur der nächsten Generation ermöglicht Pionierforschung.
- Nahtlose Integration als 19-Zoll-Serversystem vollständig kompatibel mit x86-Software-Stacks.“[11]
Nebenbei bemerkt, diese Entwicklung geschieht im Forschungszentrum Jülich! Aber wie es im gegenwärtigen Entwicklungswettbewerb so ist, entwickelt auch das Shanghai Instituts of Optics and Fine Mechanics an photonischen Chips.[12] Sollte sich der photonische Chip durchsetzen, dann würde ein Paradigma Wechsel in der High – Tech – Branche stattfinden, und nicht nur dort! Aragon könnte beschaulich weiter leben, ohne Invasionen von Tech – Firmen aus den USA oder aus China, denn eine Verbilligung der Energiekosten um das 30-fache würden Ansiedlungskosten überflüssig machen. Aber wäre diese Entwicklung wirklich positiv? Zunächst ja, denn Energie wird effektiver. Die Datenmengen könnten freilich fast unermesslich erhöht werden, digitale Informationskanäle würden intensiviert, Kostensenkungen verführen zu noch mehr Produkten, vor allem wäre der Glaube an Wachstum durch Technik verstärkt und mit ihm die falsche Gewißheit, dass Technik alle Zukunftsprobleme löst.
Wir wissen nicht, wie und in welchem Ausmaß die oben aufgeführten technischen Entwicklungen durchgreifend wirken. Aber wir dürfen nicht überrascht werden, wenn sie dann durchgreifen! Chatgpt überraschte uns alle, und welche Auswirkungen diese Technik auf die Pädagogik und auf viele andere Bereiche hat sind noch in der Diskussion.
Erstes Fazit
Beschäftigung mit zukünftigen Entwicklungen
Kenntnis führt zur Verringerung von Überraschungen. Anhand der obigen Graphik lassen sich positive wie negative Veränderungen abschätzen oder durchspielen. Nur so können Konzepte vorgeschlagen und umgesetzt werden, die der technischen Entwicklung eine positive Richtung geben. Generelle Technikfeindlichkeit hilft nicht, Technikskepsis schon
Dezentralisierung
Wie bereits oben aufgeführt, sollten im wichtigen Energiebereich dezentrale Energieträger Vorrang haben. Die Dominanz großer Energiekonzerne schafft eine doppelte Abhängigkeit. Einmal durch den Machtfaktor, aber auch durch verringerte Sicherheit. Der Ausfall eines zentralen Energieträgers betrifft Millionen MitbürgerInnen, der Ausfall meines Energieträgers auf dem Dach betrifft zunächst nur mich. Die Dezentralisierung steht dem Monopolisierungsanspruch der Konzerne entgegen. Unter Dezentralisierung verstehe ich auch nach dem Subsidiaritätsprinzip, dass die kleinsten Einheiten das bewältigen sollen, wozu sie in der Lage sind und dann erst die nächste Einheit greift. Demnach sollten Privathaushalte oder Vermieter, aber auch Betriebe, Schule , Unis selbst Strom erzeugen oder Wärme mit Wärmepumpen, dann die Kommune grünen Strom erzeugen, dann Land und Bund mit dem Aufbau von möglichen Reserven.
Vernetzung
Die vorhandenen Ressourcen effektiver zu nutzen ist möglich. Jede Kommune kann Konzeptionen erstellen, die ein vehicle – to – grid – Verfahren ebenso ermöglichen wie eine sinnvolle Vernetzung von Photovoltaikstrom in Stadtteilen. Ladestationen sollten beidseitig verlaufen, also auch mit Stromeinspeisung. Neuere Batteriespeicher wie sogenannte Salzbatterien könnten in Stadtteilen Engpässe oder Überkapazitäten ausgleichen. Die Kommunen können autark werden und enorme Kosten einsparen. Der elektrisch betriebene Fuhrpark könnte kostengünstiger werden und sich somit auf die Fahrkosten niederschlagen, was ein weiterer Anreiz wäre, das Auto in der Stadt stehen zu lassen und Busse oder Tram zu benutzen. In den Kommunen haben die Bürger mehr Einfluß als auf die Weltpolitik, aber ein Wandel im Bewußtsein, ein Wachrütteln zugunsten eines grünen Energiewandels beeinflußt auch andere Aspekte des Lebens.
- Anreize schaffen
Die größten Anreize für ökonomisches Verbraucherverhalten bilden der Preis und die Werbung. Kommunen sollten Anreize für ein ökologisches Energieverhalten schaffen. Ein Vorschlag: Die Kommune initiiert Stadtteilgruppen, die bezüglich Energieaustausch beraten werden. Nicht jede Hausbesitzerin oder jeder Hausbesitzer wird geneigt oder ökonomisch bereit sein, mitzumachen. Aber ein Stadtteil oder Straßenzug mit 100 Haushalten kann den Verbrauch pro Kopf durch oben aufgeführte Maßnahmen senken bzw. effektivieren. Ein Wettbewerb der Stadtteile könnte zu Belohnungen führen, z.B. durch Begrünung, Bau von Kinderspielplätzen oder Begegnungsstätten. Auch Stadtverwaltungen können kreativ sein! Oder sie schauen sich einmal andere Städte an wie Kopenhagen, Barcelona oder Oslo.[13] Vielleicht wäre es bei meistens überforderten Stadtverwaltungen ratsam, externe NGOs und / oder Experten ohne eigenes wirtschaftliches Interesse hinzuzuziehen? Anreize müssen nicht stets monetär sein, Anreize können auch mit Stadtplanungsmaßnahmen verbunden sein, von denen viele Bürger profitieren. Anreize können auch negativ sein, etwa bei Deckelung des Energieverbrauchs. Ab einer bestimmten Energieverbrauchsmenge pro Person verteuern sich die Stromkosten, ein Anreiz zur Reduzierung und Kostenersparnis. Kreative Ideen sollten entwickelt und umgesetzt werden, Nachhaltigkeit und Reduzierung von Verbrauch können die Lebensqualität spürbar verbessern.
[1] Siehe zur Kernfusion den Artikel auf Leopoldins, „Kernfusion als Baustein einer klimaneutralen Energieversorgung?“
[2] FAZ vom 7.2.2026, Jetzt kommt Chinas Salzbatterie von Marcus Theurer
[3] Siehe ADAC, Feststoffbatterie: Die Zukunft im Elektroauto rückt näher
[4] Alle Infos aus FAZ vom 13.Februar 2026, D24, „Die Mega – Spekulation“
[5] ebenda
[6] Siehe FAZ vom 6.2.2026, „Wenn Elon Musk das leere Spanien entdeckt.“
[7] https://derwahlberliner.com/2025/05/03/ki-treibt-stromverbrauch-von-rechenzentren-verdoppelung-bis-2030-erwartet-statista-mehr-infos-kurzkommentar/
[8] Siehe u.a. https://enbw-eg.de/blog/vehicle-to-grid/
[9] Siehe u.a. https://www.electrive.net/2025/04/04/bidirektionales-laden-china-startet-seinen-grossen-v2g-test/
[10] https://www.tagesschau.de/wissen/forschung/computer-phoonik-licht-prozessoren-it-100.html
[11] https://qant.com/de/photonisches-computing/
[12] Siehe dazu auch den sehr lesenswerten, aber schwer verständlichen Artikel aus der „Bild der Wissenschaft 02/2026“, S.61
[13] Es gibt sicherlich noch weitere Anschauungsmöglichkeiten, doch kenne ich diese Städte etwas besser und bin fasziniert, was in wenigen Jahren dort umgesetzt worden ist