Zum Hauptinhalt springen

Aachen & Wirtschaft21

Was wir als Verein 2026 angehen möchten, warum wir Wirtschaft21 unterstützen und warum wir unsere Arbeit neu ausrichten

Die multiplen Krisen unserer Zeit – ökologische Zerstörung, soziale Spaltung, demokratische Erosion und wirtschaftliche Instabilität – sind kein Zufall. Sie sind Ausdruck eines Wirtschafts- und Gesellschaftsmodells, das über Jahrzehnte von bestimmten Paradigmen, Narrativen und Interessen geprägt wurde: Wachstum um jeden Preis, Externalisierung von Kosten, die Entkopplung von Wirtschaft und Gemeinwohl sowie die systematische Förderung egozentrischer, rein nutzenorientierter Handlungslogiken – zulasten von Gemeinschaft, sozialem Zusammenhalt und ökologischer Verantwortung.

Als Verein Regionale Resilienz Aachen haben wir in den vergangenen Jahren – gemeinsam mit vielen engagierten Menschen – versucht, diesen Entwicklungen mit klassischen Bottom-up-Ansätzen zu begegnen: durch Informations- und Bildungsarbeit, Bewusstseinsformate, Veranstaltungen und lokale Initiativen. Diese Arbeit war und ist wertvoll. Sie hat Menschen verbunden, Wissen geteilt und Alternativen sichtbar gemacht.

Gleichzeitig sind wir zu einer ehrlichen Erkenntnis gekommen: Diese Ansätze allein reichen nicht mehr aus – insbesondere vor dem Hintergrund politischer Rückschritte, struktureller Blockaden und wachsender Einflussnahmen wirtschaftlicher Interessen auf nahezu allen politischen Ebenen.

 Warum wir umdenken

Wir erleben, dass reine Bewusstseins- und Informationsarbeit vor allem jene erreicht, die ohnehin bereits auf der Suche nach anderen Lebens-, Wirtschafts- und Konsummustern sind. Der große gesellschaftliche Hebel – dort, wo Investitionsentscheidungen, Produktionslogiken, Lieferketten, politische Einflussnahme und wirtschaftliche Macht konzentriert sind – bleibt dabei weitgehend unberührt. Ebenso erreichen wir viele Bürgerinnen und Bürger kaum, für die das bestehende System bislang Komfort, Orientierung und vermeintliche Sicherheit bietet und die sich in diesen Paradigmen eingerichtet haben.

Die Hoffnung, dass sich Gesellschaft allein durch Information „von selbst“ transformiert, hat sich bislang nicht erfüllt. Nicht, weil Menschen grundsätzlich nicht lern- oder wandlungsfähig wären – sondern weil die strukturellen Rahmenbedingungen und ökonomischen Anreizsysteme weiterhin jene Verhaltensweisen belohnen, die uns in die ökologische, soziale und menschliche Sackgasse geführt haben. Selbst dort, wo Aufklärung und realistische Alternativen hätten greifen können, wurden Veränderungsprozesse durch gut organisierte, lobbygetragene Einflussnahmen systematisch ausgebremst. Medial verstärkte Angst- und Diffamierungsnarrative erzeugten einen Gegenwind, der bei vielen Bürgerinnen und Bürgern ebenso wie bei Unternehmen die Offenheit für notwendige Veränderungen lähmte.

Vor diesem Hintergrund halten wir es für notwendig, unsere Kräfte neu auszurichten – und dort anzusetzen, wo die wirksamsten Hebel liegen: im Wirtschaftsmodell selbst.

Warum Wirtschaft21

Die von Martin Oetting initiierte Bewegung Wirtschaft21 teilt diese Diagnose. Sie setzt genau dort an, wo gesellschaftliche Entwicklung heute maßgeblich entschieden wird: bei den grundlegenden Narrativen, Zielsystemen und Machtstrukturen unseres Wirtschaftens.

Wirtschaft21 versteht sich nicht als klassische Protestbewegung, sondern als offene Gestaltungsplattform. Sie bringt Akteur:innen aus Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Politik zusammen, um tragfähige Transformationspfade zu entwickeln – jenseits von Wachstumsdogmen, kurzfristigen Renditeinteressen und der Trennung von Wirtschaft und Verantwortung.

Diese Ausrichtung deckt sich zunehmend mit unserer eigenen Überzeugung.

Unser Anspruch

Wir möchten unsere Arbeit künftig stärker darauf ausrichten,

  • wirtschaftliche Machtverhältnisse und die ihnen dienenden Leitbilder sichtbar zu machen,
  • zukunftsfähige Alternativen zur bestehenden Wirtschaftslogik zu entwickeln, Transformationsrisiken klar zu benennen und Lösungswege aufzuzeigen,
  • Unternehmen, Verbände und Entscheidungsträger anzusprechen, die bereit sind, Verantwortung zu übernehmen,
  • und damit die Dominanz rückwärtsgewandter Lobbyinteressen zugunsten gemeinwohlorientierter, ökologisch tragfähiger Strukturen zurückzudrängen.

Dabei geht es uns ausdrücklich nicht um ein Entweder-oder zwischen Zivilgesellschaft und Wirtschaft, zwischen Idealismus und Realpolitik. Es geht um ein Sowohl-als-auch: um die Verbindung von Wertewandel, struktureller Reform und strategischer Wirksamkeit.

Aachen 21 – gemeinsam mit starken Partnern

Dass wir diesen Weg gemeinsam mit der GWÖ Aachen, dem Eine Welt Forum Aachen und dem Zeitfenster Aachen gehen, ist für uns folgerichtig. Uns verbindet die Überzeugung, dass wirtschaftliches Handeln dem Gemeinwohl aller dienen muss – und dass gesellschaftliche Transformation nur gelingen kann, wenn die zentralen ökonomischen Hebel nicht länger ausgespart werden.

Mit unserer Unterstützung der Bewegung Wirtschaft21 verstehen wir uns als Teil eines wachsenden Netzwerks, das den Mut hat, nicht nur Symptome zu lindern, sondern die Ursachen unserer Krisen anzugehen.


https://martinoetting.com/wirtschaft21/